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Kassel, 8. September 2004

Landgraf Philipp von Hessen legte Grundstein für heutige Behinderten- und Krankenfürsorge - LWV würdigt Gründung der "Hohen Hospitäler" in Hessen

Kassel (lwv) - Seinen Beinamen "Der Großmütige" erhielt Landgraf Philipp von Hessen, der vor 500 Jahren geboren wurde, zwar nicht für seine Mildtätigkeit, sondern wohl mehr für die militärische Unterstützung seines Amtsbruders in Württemberg, durch die Stiftung von insgesamt 4 hessischen "Hohen Hospitälern" schuf der Landgraf, dessen Lebenswerk in diesem Jahr in zahlreichen Veranstaltungen hessenweit gewürdigt wird, dennoch vorbildliche, bis in die Gegenwart wirkende Institutionen der Hilfe für kranke, behinderte und hilfsbedürftige Menschen. Für den Landeswohlfahrtsverband Hessen, der heute an drei Standorten ehemaliger Hoher Hospitäler Zentren für Soziale Psychiatrie betreibt, ist die Armen- und Krankenfürsorge eine der bleibenden geschichtlichen Leistungen Philipps: "Die humane Haltung, die aus Landgraf Philipps Stiftung der Hospitäler spricht, war in der Geschichte immer wieder Vorbild für neue soziale Anstrengungen," sagte LWV-Landesdirektor Lutz Bauer. Er wünsche sich, dass das Philipp-Jahr 2004 dazu beitrage, trotz aller derzeit dominierenden finanziellen Probleme in diesem Land das Primat des Humanitären nicht zu vergessen. Zweifelsohne hätten sich therapeutische und medizinische Methoden über die Jahrhunderte stark verändert und verbessert, jedoch verweise die Gründung der Hospitäler auf die lange Tradition, die Sozialpolitik in Hessen besitze.
In mehreren Veranstaltungen greift der LWV gemeinsam mit Partnern den 500. Geburtstag des Landgrafen auf.

Hintergrund


Fast alle Klosterkonvente in Hessen löste Landgraf Philipp von Hessen im Zuge der Reformation auf. Aus den Klöstern Merxhausen, Haina und Gronau sowie aus der Pfarrei Hofheim machte er durch Stiftungsakt in den Jahren 1533 bis 1542 Hospitäler für die Armen- und Krankenfürsorge. Drei von vier Hospitälern bestehen als durch den LWV betriebene Zentren für Soziale Psychiatrie (ZSP) noch heute:
  • ZSP Kurhessen, Bad Emstal-Merxhausen

  • ZSP Haina (Kloster)

  • ZSP Philippshospital, Riedstadt (früher Hofheim)
Nachdem landgräfliche Beamte in Philipps Auftrag 1527 die Situation bedürftiger alter und kranker Menschen im gesamten Territorium untersucht und eine deutliche Unterversorgung im ländlichen Bereich festgestellt hatten, entschied sich Philipp für die Gründung "multifunktionaler" Spitäler. Unter den Versorgten befanden sich von Beginn an auch psychisch kranke und lernbehinderte Menschen, also Personen, die auch heute in den ZSP behandelt und betreut werden. Durch Herausbildung medizinischer Fachdisziplinen und damit auch von Spezialkrankenhäusern wandelten sich Aufgabenstellungen der Heilanstalten im 19. Jahrhundert, in Merxhausen wurden bereits damals Anstaltsbewohner in privaten, nahewohnenden Familien aufgenommen. Während der Weimarer Republik brachten Konzepte einer aktiven Arbeitstherapie nochmals Verbesserungen für die Patienten, bis dann nach der Machtübernahme durch das NS-Regime alle therapeutischen Förderprogramme eingestellt wurden. Zu unmenschlichen Zwangssterilisationen sowie schließlich ab 1940 zu Verbrechen im Rahmen der so genannten "Euthanasie" kam es auch in den von Philipp begründeten Hospitälern. In den Nachkriegsjahren war es eine wichtige Gründungsaufgabe des LWV, zerstörtes Vertrauen in eine humane Fürsorge wieder neu aufzubauen. In den siebziger Jahren begann die Differenzierung der Behandlungsangebote und die endgültige Öffnung der Einrichtungen, aus ehemaligen "Anstalten" wurden moderne psychiatrische Krankenhäuser und heilpädagogische Einrichtungen für Menschen mit seelischen Behinderungen. 1998 wandelte der LWV seine psychiatrischen Einrichtungen in "Zentren für Soziale Psychiatrie" um.

Veranstaltungen in:

Merxhausen
Im Zentrum für Soziale Psychiatrie (ZSP) Kurhessen in Bad Emstal-Merxhausen läuft zur Zeit eine ganze Festwoche zum 500. Geburtstag Philipp des Großmütigen. Der Veranstaltungsreigen begann bereits am 7. September 2004. Für den 11. September 2004 haben Landkreis Kassel, der LWV und das ZSP Kurhessen zu einer Festveranstaltung Repräsentanten aus dem Umfeld ihrer Organisationen eingeladen. Am folgenden Sonntag, dem 12. September, öffnet das ZSP unter dem Motto "Ein Tag im historischen Merxhausen" seine Türen für alle Interessierten. Ein buntes Programm beginnt um 10.00 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Klosterkirche, bei dem der ehemalige Bischof Prof. Dr. Christian Zippert predigen wird. Für 12.00 Uhr lädt die Klinikküche zum Eintopfessen ein. Höhepunkt um 13.00 Uhr sind Spielszenen auf der Freilichtbühne der Klosterspiele Merxhausen. Das bereits vor 21 Jahren uraufgeführte Stück "Der Großmütige", in dem es um das Leben des Landgrafen geht, wird zum Jubiläum wieder zum Leben erweckt. Um 14.00 Uhr referiert die Leiterin des LWV-Archivs PD Dr. Christina Vanja im Sozialzentrum über Landgraf Philipp und die Hohen Hospitäler mit besonderem Blick auf Merxhausen. Der Tag wird begleitet durch musikalische Darbietungen auf dem Klinikgelände wie auch durch Informationsstände des ZSP und einen Flohmarkt. Bis zum Ende des Tages der offenen Tür um 17.00 Uhr finden mehrere Führungen statt.
Mehr über "Ein Tag im historischen Merxhausen" bei: ZSP Kurhessen, Jürgen Jordan, Telefon: 05624 / 60-311

Haina
Mit Begründung der "Hohen Hospitäler" durch Philipp von Hessen wanderte auch beträchtliches Grundvermögen, darunter umfangreiche Waldflächen, in die neugeschaffenen landgräflichen Stiftungen, die heute als Stiftungsforsten Kloster Haina geführt werden. Die Stiftungsforsten nehmen das Jubiläum des einstigen Regenten zum Anlass, zu einer Hubertusmesse mit Jagdhornblasen einzuladen. Der Gottesdienst in der Klosterkirche Haina beginnt am 19. September 2004 um 11.00 Uhr, danach treten auf dem Klostergelände Jagdhorn-Bläsergruppen mit Einzel- und Gruppendarbietungen sowie einem großen Finale auf.
Weitere Informationen: Stiftungsforsten Kloster Haina, Tel. 0 64 56 – 81 23 0

Riedstadt
In Riedstadt gibt es in diesem Jahr gleich zwei Anlässe, sich eingehend mit der eigenen Geschichte zu befassen: Neben dem Geburtstag Philipps jährt sich 2004 zum hundertsten Mal die Namensgebung "Philippshospital". Zu diesen Jubiläen ist ein umfangreicher Sammelband mit Beiträgen zu Geschichte und Gegenwart des heutigen Zentrums für Soziale Psychiatrie in Vorbereitung, der rechtzeitig erscheinen wird. Auch in einer Festveranstaltung sollen die feierlichen Anlässe gewürdigt werden. Ein Termin dafür steht im Moment noch nicht fest. (*)
Weitere Informationen: Zentrum für Soziale Psychiatrie Philippshospital, Riedstadt, Tel. 06158/183-206.


(*) Aktuelle Ergänzung der Redaktion: Termin ist der 08.11.2004