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Kassel, 23. Oktober 2003

50 Jahre LWV Hessen – 50 Jahre Verwaltungsausschuss


Kassel/Frankfurt am Main (lwv) - In einer Feierstunde hat heute der Verwaltungsausschuss des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) Hessen an die erste Sitzung dieses Gremiums vor 50 Jahren im Frankfurter Römer erinnert. Auch heute trafen sich die Mitglieder des Verwaltungsausschusses – vergleichbar dem Magistrat in den hessischen Städten – unter dem Vorsitz von LWV-Landesdirektor Lutz Bauer an diesem traditionsreichen Ort. Vor genau 50 Jahren bestimmte die Verbandsversammlung des LWV, dass der Hauptsitz des Kommunalverbandes in Kassel eingerichtet wird. Den Frankfurter Stadtverordnetenvorsteher Hermann Schaub wählten sie zum „Ersten Landesdirektor" des Verbandes. Der LWV sei mit seinen sozialen Dienstleistungen auch für die Frankfurter Bürgerinnen und Bürger da, unterstrich der LWV-Chef anlässlich des Jubiläums.

Aufgabe des LWV in den Anfangsjahren sei es gewesen, so Bauer in seiner Ansprache vor den Beigeordneten, das sozialstaatliche Verfassungsgebot, niedergeschrieben im Grundgesetz und der Hessischen Verfassung, mit Leben zu erfüllen. Heute erhielten Menschen mit Behinderungen die Förderung, die sie zum Ausgleich ihrer Benachteiligung bräuchten, wenngleich dies, angesichts der gegenwärtigen öffentlichen Finanzmisere, schwerer falle als je zuvor. Auch hätten die Gründerväter und –mütter des LWV durch einen landesweiten Kommunalverband verhindern wollen, dass sich – möglicherweise aus wirtschaftlichen Gründen – die „soziale Fürsorge", mit heutigen Worten die Behindertenhilfe, in den Landesteilen auseinander entwickele. „Dem haben die Gremien des LWV gegengesteuert: Der LWV übernimmt seit 50 Jahren eine soziale Ausgleichsfunktion und gewährleistet die gleichen vorbildlichen Standards bei der Integration behinderter Menschen in ganz Hessen", sagte der LWV-Chef.



Sozialer Dienstleister auch für die Stadt Frankfurt

In seinem Beitrag erinnerte Bauer daran, dass im LWV viele namhafte Frankfurter Kommunalpolitiker wirkten: „Dr. Walter Kolb, Heinrich Kraft, Heinrich Lünendonk, Wolfgang Mischnik. Martin Berg und auch die jetzige Oberbürgermeisterin Petra Roth – um nur einige zu nennen - haben durch ihren Einsatz dazu beigetragen, dass der LWV seit einem halben Jahrhundert behinderten und kranken Menschen helfen kann." Er verwies darauf, dass in Frankfurt mit der modernen psychiatrischen Klinik „Bamberger Hof" und der Schule am Sommerhoffpark, einer Schule für Hörgeschädigte, zwei besonders innovative LWV-Einrichtungen beheimatet seien, die Beschäftigung für rund 100 Mitarbeiter/innen böten.

Für Menschen mit Behinderungen finanziere der LWV in Frankfurt aktuell 1.301 Plätze in Werkstätten für behinderte Menschen, 1.161 Plätze in Wohnheimen und 959 Plätze im Betreuten Wohnen.

Über die Verbandsumlage erbringe die Stadt Frankfurt ihren Anteil an der Finanzierung des LWV. 1953 habe dieser gerade einmal 2,0 Mio. € (3,91 Mio. DM) betragen und sei bis 2000 auf 127,6 Mio. € angestiegen. Da sich in der Höhe der Verbandsumlage aber stets auch die Finanzkraft der jeweiligen Kommune wiederspiegele, sei der von der Stadt Frankfurt in den vergangenen Jahren gezahlte Umlagebetrag stark schwankend gewesen und zuletzt gesunken (2001: 150,5 Mio. €; 2002: 131,4 Mio. €; 2003: 106,8 Mio. €), führte der LWV-Chef aus. Dies, obwohl die sozialen Aufgaben und Leistungen für Menschen mit Behinderungen in diesen Jahren unaufhaltsam für immer mehr Berechtigte gestiegen seien. Dafür seien die „finanzstärkeren" unter den 21 Landkreisen und 5 kreisfreien Städten solidarisch eingetreten.



Hintergrund


1953

Im Frankfurter Römer tritt am 23. Oktober 1953 zum ersten Mal der am gleichen Tag von der Verbandsversammlung gewählte Verwaltungsausschuss des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) Hessen zusammen. Der LWV war im Mai des Jahres durch ein Gesetz des Hessischen Landtages als höherer Kommunalverband für Aufgaben der sozialen Fürsorge ins Leben gerufen worden. Sitz des LWV, so entscheiden die Abgeordneten an diesem Tag, wird das nordhessische Kassel. Die Hauptverwaltung geht in das traditionsreiche, 1836 fertiggestellte Ständehaus, in dem auch einer der Vorgängerverbände des LWV, der Bezirkskommunalverband Kassel, seinen Sitz hatte. Zweigverwaltungen werden in Darmstadt und Wiesbaden errichtet. Zum „Ersten Landesdirektor" wählen die Abgeordneten Hermann Schaub (SPD), Stadtverordnetenvorsteher aus Frankfurt. Sein Stellvertreter und „Zweiter Landesdirektor" wird Dr. Friedrich Stöffler (CDU), Wiesbaden. Schaub versieht sein Amt bis 1961, Dr. Stöffler übt seine Funktion bis 1959 aus.

2003

Heute versteht sich der LWV als sozialer und bürgernaher Dienstleister für behinderte und kranke Menschen.

Er ist heute

  • überörtlicher Sozialhilfeträger,

  • überörtlicher Träger der Schwerbehindertenhilfe und Kriegsopferfürsorge,

  • Träger eigener Krankenhäuser, Sozialpädagogischer Zentren und überregionaler Schulen für Sinnesgeschädigte


und wird als landesweiter Kommunalverband von seinen gesetzlich bestimmten Mitgliedern, den 21 Landkreisen und 5 kreisfreien Städten in Hessen, getragen. Der LWV ist mit seinen Verwaltungsdienstleistungen in Kassel mit Haupt- und Regionalverwaltung sowie mit Regionalverwaltungen in Darmstadt und Wiesbaden präsent. Er ist Hessens größter Klinikträger. In den hessischen Regionen, oft an besonders traditionsreichen Standorten, sind Zentren für Soziale Psychiatrie mit stationären, teilstationären und ambulanten Behandlungsangeboten angesiedelt. Auch Spezialkliniken, Sozialpädagogische Zentren und Schulen für sinnesgeschädigte Kinder stehen in Trägerschaft des LWV. Über 10.000 Beschäftigte des LWV, verteilt über das ganze Bundesland, setzen sich für ihre behinderten und kranken Mitmenschen ein.