Kassel, 19. November 2003
Fachtagung als Auftakt zu LWV-Modellprojekt „Schulsozialarbeit"
Kassel/Frankfurt (lwv): „Die Kinder und Jugendlichen haben sich verändert – und wir?" lautete der Titel einer eintägigen Fachtagung des Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV), die heute an der Schule am Sommerhoffpark in Frankfurt, einer der vier LWV-Schulen für Hörgeschädigte, stattfand. Mittelpunkt dieser Fachtagung zur Schulsozialarbeit bildeten die besonderen Probleme von Schülerinnen und Schülern an Hörgeschädigten-Schulen. Die Tagung bildete den Auftakt zu einem vom LWV initiierten Modellprojekt zur Schulsozialarbeit an der Schule am Sommerhoffpark, mit dem das bestehende Hortangebot qualifiziert werden soll. Diese Fachveranstaltung, die im Rahmen des 50-jährigen Bestehens des LWV organisiert wurde, sollte dazu beitragen, einen Anforderungskatalog für das Modellprojekt zu erarbeiten.
Die Lebenswelten von Schülerinnen und Schülern in Ballungsräumen wie Frankfurt haben sich in vergangenen Jahren stark verändert. Schwierige wirtschaftliche Verhältnisse in den Familien und soziale Probleme führen u. a. dazu, dass Eltern und Erzieher den Anforderungen der Kinder und Jugendlichen nicht mehr gerecht werden können. Erhöhte Gewaltbereitschaft, Drogenmissbrauch und psychische Auffälligkeiten bei Jugendlichen sind Hinweise dafür. Projekte der Jugendhilfe, wie etwa Schulsozialarbeit sollen die Probleme abfedern helfen.
In Hessen gibt es keine speziellen Jugendhilfe–Angebote für hörgeschädigte Mädchen und Jungen. Sie sind aber aufgrund ihrer Behinderung häufig mit mehr Problemen als ihre Altersgenossen, insbesondere mit Kommunikationsproblemen, konfrontiert. 153 hörgeschädigte Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule am Sommerhoffpark in Frankfurt. Sie kommen aus 21 Nationen, mehr als die Hälfte von ihnen sprechen eine nichtdeutsche Muttersprache. Ihre Kommunikationsmöglichkeiten sind nicht allein durch ihre Hörschädigung, sondern auch durch ihre Herkunftssprache begrenzt. Die Schülerinnen und Schüler werden deshalb im ganzen Spektrum der Sprachmöglichkeiten zwischen gebärden(sprach)orientiert und lautspracheorientiert auf unterschiedlichen Niveaus erzogen und gebildet. Den sozialpädagogischen Anforderungen kann oft nicht ausreichend begegnet werden. Hier soll das dreijährige Modellprojekt ansetzen. Eine Sozialarbeiterin soll ein Konzept und eine entsprechende Methodik u. a. zur Arbeit mit Problemfamilien und Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen (der Jugendhilfe) vor Ort erarbeiten. Sie soll zudem helfen, die Erzieherinnen im Hort zu qualifizieren, damit sie die Arbeit nach Abschluss des Modellversuchs weiterführen. Am Ende des Modellprojektes werden die Erfahrungen ausgewertet und anderen Schulen zur Verfügung gestellt.
Die Kosten des Modellprojektes in Höhe von rd. 100.000 € finanziert im Wesentlichen der LWV, die Stadt Frankfurt beteiligt sich an den Kosten.
Der LWV ist Träger von vier hessischen Sonderschulen für Hörgeschädigte: der Johannes-Vatter-Schule in Friedberg, der Hermann-Schafft-Schule in Homberg, der Freiherr-von-Schütz-Schule in Bad Camberg und der Schule am Sommerhoffpark in Frankfurt. Er ist ebenfalls Träger der Johann-Peter-Schäfer-Schule in Friedberg, der zentralen öffentlichen Schule für Blinde und Sehbehinderte.








