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Sperrfrist: 7. August 2003, 11 Uhr
Kassel, 7. August 2003

„Bamberger Hof": Klinikbetrieb im Oeder Weg aufgenommen, aber Krankenkassen gefährden ambulante Akutbehandlung zu Hause


Kassel/Friedrichsdorf/Frankfurt (lwv): Der Bamberger Hof, die psychiatrische „Klinik ohne Betten" in Frankfurt, hat seine Arbeit mit einem modifizierten Leistungsangebot am neuen Standort im Frankfurter Nordend (Oeder Weg) aufgenommen. LWV-Landesdirektor Lutz Bauer, zugleich Repräsentant des Alleingesellschafters LWV Hessen, drückte bei der heutigen Einweihungsfeier seine Freude über den neuen Standort, zugleich aber auch seine große Sorge um das Angebot „Ambulante Psychiatrische Akutbehandlung zu Hause (APAH)" aus. „Durch die Weigerung der Verhandlungspartner in den Krankenkassen, die Akutbehandlung zu Hause, die ja eine stationäre Behandlung ersetzt, angemessen zu vergüten, arbeitet dieses Angebot defizitär und kann so auf die Dauer nicht aufrecht erhalten werden," sagte Bauer bei der Eröffnungsveranstaltung in Frankfurt. Durch ihr Verhalten trügen die Krankenkassen nicht dazu bei, den Reformstau im Gesundheitswesen aufzulösen, denn die Akutbehandlung zuhause verwirkliche den im Sozialgesetzbuch V fixierten Grundsatz des Vorrangs von ambulanter und teilstationärer Behandlung vor stationärer Behandlung geradezu Beispiel gebend. Sie verschaffe den Betroffenen mehr Lebensqualität und ermögliche den Kostenträgern die angestrebten Kosteneinsparungen, so der LWV-Chef.

Lutz Bauer und Werner Bierschenk, der Geschäftsführer dieser in einer GmbH geführten Einrichtung, verwiesen darauf, dass noch bei den Verhandlungen über das Fortbestehen des Bamberger Hofes der Leistungskatalog der APAH als abrechnungsfähig anerkannt worden sei. Mit den Krankenkassen als Kostenträgern sei dazu die Einführung der Einzelleistungsvergütung im ambulanten Bereich und die Schließung der Nachtklinik vereinbart worden. Die Klinik sei daraufhin mit 25 tagesklinischen Plätzen und der „Ambulanten Psychiatrischen Akutbehandlung zu Hause" durch das Sozialministerium in den Krankenhausplan des Landes Hessen ausdrücklich aufgenommen worden. Durch die Unterfinanzierung drohe nun aber eine für die Patienten äußerst wichtige und wirksame Hilfeform verloren zu gehen. Bauer wies darauf hin, dass der bemerkenswerte Modellcharakter auch durch die wissenschaftliche Begleitung während einer vorangegangenen dreijährigen Projektphase bestätigt worden sei: Der unabhängige Gutachter habe die Etablierung der psychiatrischen Akutbehandlung zu Hause als Dauerangebot sowohl unter Qualitäts- als auch unter Kostengesichtspunkten empfohlen.

Bereits in den vorangegangenen Verhandlungen mit den Krankenkassen sei die Behandlungsform APAH weiter umgestaltet worden. Das Angebot werde nun im Zwei-Schicht-Betrieb an Werktagen und mit einer Rufbereitschaft am Wochenende und an Feiertagen gefahren. Darüber noch hinausgehende und von den Krankenkassen nun geforderte Leistungsverkürzungen würden das Angebot jedoch selbst in Frage stellen, führte Bierschenk aus. Die Klinik benötige eine die Einzelabrechnung ergänzende Grundpauschale, weil eine Infrastruktur vorgehalten werden müsse, die die Lebensqualität der ambulant aufsuchenden Psychiatrie mit ihrer Wirtschaftlichkeit als Versorgungsangebot verknüpfe.