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| Bild: Gedenkstein im Zentrum für Soziale Psychiatrie Hochtaunus: gespaltener Findlingsstein mit ebenfalls gespaltener Schrifttafel - Zoomlink -
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Inhalt

Das Erbe
Stätten des Verbrechens
LWV übernimmt historische Verantwortung
Dauerhaftes Erinnern ist uns Auftrag
Lernen aus der Vergangenheit
Die Gedenkstätten



Das Erbe

Der Landeswohlfahrtsverband Hessen trat mit seiner Gründung im Jahr 1953 ein schweres historisches Erbe an, indem er Einrichtungen übernahm, die an den nationalsozialistischen "Euthanasie"-Verbrechen beteiligt waren. Landesheilanstalten bzw. Landes-Heil- und Pflegeanstalten, wie sie damals bezeichnet wurden, gingen von den beiden hessischen Bezirkskommunalverbänden Kassel und Wiesbaden sowie vom Land Hessen auf den LWV über, ebenso die damalige Heilerziehungsanstalt Kalmenhof in Idstein sowie weitere Einrichtungen.
1967/68 übernahm der LWV die Einrichtung in Köppern von der Stadt Frankfurt a. M. Die Zahl der Menschen, die in diesen Einrichtungen ermordet wurden, kann nur schwer beziffert werden. Von mindestens 20.000 bis 30.000 NS-"Euthanasie"-Opfern muss allerdings ausgegangen werden.

Stätten des Verbrechens

Alle im Jahr 1953 übernommenen psychiatrischen Einrichtungen sowie der Kalmenhof waren – wenn auch in unterschiedlicher Intensität – an den nationalsozialistischen "Euthanasie"-Verbrechen beteiligt, und zwar teils als
  • Gasmordanstalt der nationalsozialistischen Krankenmordorganisation "T4" (Hadamar)

  • Kindermordanstalten (sog. "Kinderfachabteilung") der Tarnorganisation "Reichsausschuss" (Eichberg, Kalmenhof)

  • Mordanstalt der zweiten Mordphase (Medikamentenmorde) 1941/42 bis 1945 (Hadamar, Eichberg, Kalmenhof, wahrscheinlich Weilmünster, Köppern)

  • Hungeranstalten, in denen die Patienten durch Nahrungsmittelentzug ums Leben gebracht wurden (insbesondere Weilmünster und Goddelau, in unterschiedlicher Intensität auch alle anderen Anstalten)

  • sog. "Zwischenanstalten" für Mordopfer auf dem Weg in die Mordanstalt Hadamar (Eichberg, Weilmünster, Herborn, Kalmenhof)

  • sog. "Sammelanstalten" für jüdische Psychiatriepatienten, d. h. als Zwischenstation auf dem Weg in die Gaskammer (Heppenheim, Gießen)

  • Anstalten, aus denen Patienten in Mordanstalten oder in KZs verlegt wurden (Eichberg, Weilmünster, Herborn, Kalmenhof, Marburg, Merxhausen, Haina, Heppenheim, Gießen, Goddelau)
Außerdem befand sich in der damaligen Landesarbeitsanstalt Breitenau ein frühes Konzentrationslager, ein so genanntes "Arbeitserziehungslager" der Gestapo, wo mehrere Tausend ausländische Zwangsarbeiter inhaftiert waren sowie ein Sammellager zur Überführung in Konzentrations- und Vernichtungslager.

| Bild: Gedenkstein im Zentrum für Soziale Psychiatrie Rheinblick, Eltville, für die ermordeten Kinder der sog. Kinderfachabteilung - Zoomlink -
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LWV übernimmt historische Verantwortung

Auch andere LWV-Vorgängereinrichtungen waren während der NS-Herrschaft im Zweiten Weltkrieg in das System der Zwangsarbeit einbezogen. Der LWV hat 2001 beschlossen, mit einem symbolischen Betrag der Bundesstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" beizutreten und dokumentiert damit seine historische Verantwortung für Einsatz und Inhaftierung von Zwangsarbeitskräften in den Vorgängereinrichtungen.

Dauerhaftes Erinnern ist uns Auftrag

Die dauerhafte Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen ist dem Landeswohlfahrtsverband Hessen, auch namens seiner Vorgängerverbände und -institutionen, Auftrag und Anliegen zugleich. Bereits in den 1950er Jahren gab es im LWV Hessen – wenn auch erst vereinzelt – Ansätze zur Aufklärung über die Verbrechen und zur Erinnerung an die Opfer. Einen wichtigen Schritt bedeutete die Gestaltung eines Gedenkfriedhofs in Hadamar im Jahre 1964. Doch erst mit den 1980er Jahren begann eine intensivere Auseinandersetzung mit den Ursachen und Wirkungen der NS-Zeit. Seitdem richtete der LWV Hessen nach und nach in seinen Psychiatrischen Krankenhäusern Gedenkstätten, Mahnmale und historische Ausstellungen ein, damit die Verbrechen der Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten und damit sich Ähnliches nie wiederholt.

Lernen aus der Vergangenheit

In seiner Gedenkstätte Hadamar beteiligt sich der Landeswohlfahrtsverband Hessen durch pädagogische Angebote aktiv an der historisch-politischen Bildung in Hessen. Ziel der Gedenkstättenpädagogik ist es, dass die Menschen – insbesondere Kinder und Jugendliche – aus der Geschichte lernen und bestimmte Handlungskompetenzen und Werte aus ihr ableiten. Die Gedenkstätte Hadamar umfasst neben den noch erhaltenen authentischen Kellerräumen eine Dauerausstellung über die NS-"Euthanasie"-Verbrechen. Dokumentiert wird die Arbeit und der Auftrag der Gedenkstätte u. a. auch in der national und international bekannten Wanderausstellung: "Euthanasie in Hadamar – die nationalsozialistische Vernichtungspolitik in hessischen Anstalten". Am Beispiel der hessischen Fürsorgeeinrichtungen zeigt die LWV-Ausstellung die Verbrechen des NS-Staates an kranken und behinderten Menschen. Koordiniert und wissenschaftlich betreut wird die Gedenkstättenarbeit durch den Fachbereich "Archiv, Gedenkstätten, Historische Sammlungen" bei der Hauptverwaltung Kassel des LWV Hessen.

Die Gedenkstätten

An folgenden Einrichtungen des LWV Hessen erinnern Gedenkstätten bzw. Ausstellungen an die Opfer:


Einen Überblick über die Gedenkstätten des LWV Hessen bietet die Schrift "Erinnern und Gedenken".