Psychiatriemuseum Haina
Historische Einrichtungen des LWV Hessen
Ausstellung, Bibliothek und Archiv
zur Hospital- und Krankenhausgeschichte im Zentrum für Soziale Psychiatrie Haina (Kloster)
Text des Informationsfaltblatts mit Kurzbeschreibung der Abbildungen
[Abbildung: Gemälde (farbig)]
Das Landeshospital Haina, Gemälde eines Hainaer Patienten um 1900
Öffnungszeiten:
Dienstag von 9 - 16 Uhr (ganzjährig)
Samstag u. Sonntag von 11 - 17 Uhr (in den Monaten November bis März nur jeden 1. Samstag und jeden 1. Sonntag im Monat von 14 - 17 Uhr).
Zum Museum:
Das ehemalige Zisterzienserkloster Haina zieht seit jeher zahlreiche Besucher und Besucherinnen an, die sich für die architektonische Anlage wie für die Geschichte des Klosters, des Hospitals und des Krankenhauses interessieren. Die seit langem existierende psychiatriegeschichtliche Sammlung des Krankenhauses und das weitgehend erhaltene Archiv geben einen geradezu einmaligen Einblick in die Geschichte der Armen- und Krankenfürsorge vom Hospital der Frühen Neuzeit bis hin zum modernen Zentrum für Soziale Psychiatrie.
Das Psychiatriemuseum Haina präsentiert schriftliche wie gegenständliche und bildliche Dokumente zur Geschichte der Behandlung psychisch Kranker seit dem frühen 16. Jahrhundert. Ausgestellt sind Aufnahmegesuche aus der Bevölkerung, Rechnungen über Medikamente, Speisepläne und Gebäudeskizzen, Zwangstherapiegeräte des frühen 19. Jahrhunderts, erste psychiatrische Publikationen, Patientenfotos der Jahrhundertwende, Unterlagen zur Situation der Krankenwärter, Beschreibungen der neuen Therapieversuche des 20. Jahrhunderts, aber auch Dokumente über die Ermordung von Patienten im Rahmen des NS-"Euthanasie"-Programms. Erläuternde Texte und veranschaulichende Darstellungen zu jedem Exponat bringen die Psychiatriegeschichte am Beispiel Haina auch dem nicht speziell historisch oder medizinisch vorgebildeten Publikum näher. Erwähnt und dokumentiert wird auch die Geschichte der hessischen Malerfamilie Tischbein, deren Stammhaus in Haina steht.
Das Museum befindet sich im Kreuzgang der alten Klosteranlage und ist umgeben von historisch wertvollen Gebäuden und Kunstwerken, wie z.B. dem Philippsstein in der alten Klosterkirche.
Gliederung der Ausstellung:
I Das Hospital Haina von 1533 bis zum 18. Jahrhundert
II Vom Hospital zum Krankenhaus - Haina im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert
III Die Landesheil- und Pflegeanstalt Haina 1900 - 1953
IV Das Psychiatrische Krankenhaus: Chronik
[Abbildung: Lageplan Zentrum für Soziale Psychiatrie Haina]
Kurzführer:
Zum Museum ist ein 30-seitiger Kurzführer erschienen, der beim Psychiatriemuseum in Haina oder beim Funktionsbereich 060.2 "Archiv, Gedenkstätten, Historische Sammlungen" des LWV Hessen in 34117 Kassel, Ständeplatz 6 -10, zum Preis von Euro 2,50 bestellt werden kann.
Zur Geschichte des Hospitals und des Krankenhauses:
Das Zentrum für Soziale Psychiatrie Haina blickt auf eine lange Tradition bis in die Anfänge des 16. Jahrhunderts zurück und gehört zu den herausragenden psychiatriegeschichtlichen Stätten in Europa.
In den Gebäuden und mit einem Teil des Vermögens des 1188 in Haina gegründeten und 1527 säkularisierten Zisterzienserklosters richtete Landgraf Philipp der Großmütige 1533 in Haina eines der vier "Hohen Hospitäler" für die arme, kranke, alte und gebrechliche Landbevölkerung ein. Haina wurde zum Männerhospital, während das ehemalige Kloster Merxhausen bei Kassel Frauen zur Pflege und Versorgung aufnahm. Im Verlauf der Jahrhunderte veränderte sich jedoch die Zusammensetzung der Insassen und Insassinnen der Hospitäler. Es wurden in Einzelfällen auch Städter, Städterinnen und Adelige akzeptiert und unterschiedliche Verköstigungsgruppen geschaffen.
Wirtschaftlich selbstständig und mit einem Obervorsteher der landgräflichen Verwaltung unterstellt, überstand das Hospital Kriege und Hungersnöte. Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Einrichtung schrittweise in eine Heil- und Pflegeanstalt für psychisch Kranke umgewandelt und gewann zunehmend Krankenhauscharakter im modernen Sinne. Die Seelsorge trat in den Hintergrund, Ärzte wurden fest eingestellt und psychiatrische Therapien systematisch erprobt und angewandt.
Seit 1867 gehörte Haina in der Trägerschaft des Bezirksverbandes Kassel zu der Vielzahl der großen preußischen Pflegeanstalten, die immer weiter gefasste Gruppen sozial auffälliger und materiell verelendeter Menschen als "Geisteskranke" versorgten. Entsprechend der um die Jahrhundertwende ausgearbeiteten Diagnostik und Prognostik der Geisteskrankheiten nahm Haina in der Folgezeit bis zum Ende der Weimarer Republik nur so genannte "unheilbare Fälle" auf, während anderen psychiatrischen Einrichtungen "Heilcharakter" zugesprochen wurde.
Im Nationalsozialismus wurde die Psychiatrie zu einem Bestandteil der rassistischen Politik der Aussonderung und "Ausmerze". Die Psychiatrie erreichte schließlich ihren Tiefpunkt, indem sie ab 1939 die Ermordung von Patienten und Patientinnen zuließ. Die psychisch Kranken und geistig Behinderten wurden in spezielle Tötungsanstalten verlegt oder verwahrlosten in den übrigen Psychiatrien. Hunderte von Hainaer Patienten wurden Opfer dieses Krankenmordes, der so genannten "Euthanasie"-Aktion.
Nach schwierigen Nachkriegsjahren begann man insbesondere nach der Übernahme der Einrichtung durch den Landeswohlfahrtsverband Hessen (1953) mit dem Aufbau einer modernen und zeitgemäßen Psychiatrie. Auf dem Gelände des ehemaligen Hospitals Haina befinden sich heute drei selbständige Einrichtungen:
- die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
- die Klinik für forensische Psychiatrie
- die Heilpädagogische Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung
Weitere Historische Einrichtungen des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen:
Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, Kölnische Str. 30, D-34117 Kassel, Tel. 0049 (0)561 / 1004-2277, Email: kontakt-archiv@lwv-hessen.de
Ausstellung im Zentrum für Soziale Psychiatrie Mittlere Lahn, Standort Gießen, Licher Straße 106, D-35394 Gießen, Tel. 0049 (0)641 /403-0
Gedenkstätte Hadamar. Gedenkstätte für die Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen, Mönchberg, D-65589 Hadamar, Tel. 0049 (0)6433) / 917-174, Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag von 9.00 - 16.00 Uhr (außer an Feiertagen), Freitag von 9.00 - 13.00 Uhr (außer an Feiertagen), 1. Sonntag im Monat von 11.00 - 16.00 Uhr
Museum Herborn im Zentrum für Soziale Psychiatrie Rehbergpark Herborn GmbH, Austraße 40, 35745 Herborn, Tel. 0049 (0)2772 / 504-514. Nach tel. Absprache
Ausstellung im Sozialpädagogischen Zentrum Kalmenhof, Veitenmühlweg 10, 65510 Idstein, Tel. 0049 (0)6126 / 23-0
Museum Philippshospital im Zentrum für Soziale Psychiatrie Philippshospital, D-64560 Riedstadt (Goddelau), Tel. 0049 (0)6158 / 183-200. Nach tel. Absprache
Gedenkfriedhof und Ausstellung im Klinikum Weilmünster GmbH, Sozialzentrum (Haus 105), Weilstr. 10, D-35789 Weilmünster, Tel. 0049 (0)6472 / 60-255, Öffnungszeiten: Montag - Freitag 9.00 - 16.00 Uhr
[Abbildung: Farbfoto von Relief]
Der "Philippsstein" in der Hainaer Klosterkirche von Philipp Soldan aus Frankenberg, 1542, zur Erinnerung an die Hospitalstiftung
Chronik:
1188 Gründung des Klosters Haina auf der Aulesburg
1201 Ankauf des Dorfes Haina
1527 Säkularisation des Zisterzienserklosters Haina
1533-1542 Stiftung der vier "Hohen Hospitäler" durch Landgraf Philipp den Großmütigen für die arme Landbevölkerung
1556 Schaffung einer Rechts- und Wirtschaftseinheit, die eine geordnete Verwaltung ermöglicht
1685 Der Bäcker Konrad Tischbein übersiedelt mit seiner Familie von Marburg nach Haina
1810 Königreich Westphalen unter König Jérôme Bonaparte, Aufhebung der Samtverwaltung
1815 Haina wird "Pflege- und Versorgungsanstalt für preßhafte, und insbesondere für verrückte, wahnsinnige, hilflose und epileptische Personen"
1821 Erster fest angestellter Arzt. Die Regierung zu Marburg wird Aufsichtsbehörde über das Hospital
1867 Das Hospital Haina wird dem Bezirkskommunalverband Kassel unterstellt
1891 Erster ärztlicher Direktor
1927 Haina wird "Landesheilanstalt"
1933 Juli: 400-Jahr-Feier des Hospitals
1940-1945 Insgesamt 514 Patienten aus Haina werden im Rahmen der "Euthanasie"-Aktion in Gasmordanstalten und Konzentrationslager deportiert. Die übrigen Kranken leiden an Hunger, Kälte und qualvoller Enge
1953 Der neugegründete Landeswohlfahrtsverband Hessen wird Träger der Landesheilanstalt Haina
1957 Namensänderung in "Psychiatrisches Krankenhaus"
1965 Gründung der Krankenpflegeschule
1977 Die "Klinik für gerichtliche Psychiatrie" wird als selbständige Einrichtung eingeweiht
1989 Die "Heilpädagogische Einrichtung" wird organisatorisch und wirtschaftlich selbstständig
1992 Einrichtung des psychiatriegeschichtlichen Museums
1998 Umbenennung in Zentrum für Soziale Psychiatrie
[Abbildung: Stich (Schwarz-weiß-Reproduktion)]
Die Hainaer Kirche mit dem neuen Turm aus dem 17. Jahrhundert, Postkarte
Auf einen Blick:
Adresse:
Psychiatriemuseum Haina
im Zentrum für Soziale Psychiatrie Haina (Kloster)
Herr Dr. Horst Hecker, D-35114 Haina (Kloster)
Telefon 0049 (0)64 56 / 91-271 (dienstags)
Fax 0049 (0)64 56 / 91-230
Email: psychiatriemuseum@psych-haina.de
Öffnungszeiten:
Dienstag von 9 - 16 Uhr (ganzjährig)
Samstag und Sonntag von 11 - 17 Uhr (in den Monaten November bis März nur jeden 1. Samstag und 1. Sonntag im Monat von 14 -17 Uhr).
Führungen:
Führungen auf Wunsch nach vorheriger Anmeldung. Bei Benutzung von Archiv und Bibliothek bitten wir um schriftliche Anfrage. Von der Evangelischen Kirchengemeinde veranstaltete öffentliche Führungen durch die Klosteranlage und das Museum alle 14 Tage sonntags ab 14.00 Uhr.
Museumsführer:
Psychiatriemuseum Haina, zusammengestellt von Bettina Winter, Kassel, Eigenverlag 1992 (28 S., 23 Abb.), Euro 1,00
Eintritt: Euro 1.-
Träger: Landeswohlfahrtsverband Hessen
Wissenschaftliche Betreuung:
Funktionsbereich 060.2 "Archiv, Gedenkstätten, Historische Sammlungen" des LWV Hessen
Frau PD Dr. Christina Vanja, Ständeplatz 6-10, D- 34117 Kassel,
Telefon 0049 (0)5 61 10 04-2277
Telefax 0049 (0)5 61 10 04-1277
Email kontakt-archiv@lwv-hessen.de
www.lwv-hessen.de
[Abbildung: Umgebungslandkarte (schwarz-weiß)]
Der Weg nach Haina
Historische Schriftenreihe:
Schriftleitung: PD Dr. Christina Vanja, PD Dr. Georg Lilienthal
Kataloge:
Band 2: "Verlegt nach Hadamar". Die Geschichte einer NS-"Euthanasie"-Anstalt, bearbeitet von Bettina Winter, Kassel: Eigenverlag 1991 (240 S., 156 Abb.), Euro 7,50
Museumsführer:
Psychiatriemuseum Haina, zusammengestellt von Bettina Winter, Kassel: Eigenverlag 1992 (28 S., 23 Abb.), Euro 1,00
Quellen und Studien:
Band 1: Joachim Fenner: Durch Arbeit zur Arbeit erzogen. Berufsausbildung in der preußischen Zwangs- und Fürsorgeerziehung 1878-1932, Kassel: Eigenverlag 1991 (190 S.), Euro 15,00 (Jetzt Sonderangebot Euro 5,00)
Band 2: Psychiatrie in Heppenheim. Streifzüge durch die Geschichte eines hessischen Krankenhauses 1866-1992, bearbeitet von Peter Eller und Christina Vanja, Kassel: Eigenverlag 1993 (175 S.), Euro 17,50
Band 3: Methoden der Gedenkstättenpädagogik. Ein Tagungsband der Gedenkstätte Hadamar, bearbeitet von Bärbel Maul und Bettina Winter, Kassel: Eigenverlag 1994 (90 S.), Euro 2,50 (Jetzt Sonderangebot Euro 1,00)
Band 4: 100 Jahre Krankenhaus Weilmünster - Heilanstalt - Sanatorium - Kliniken, herausgegeben von Christina Vanja, Kassel: Eigenverlag 1997 (240 S.), Euro 20,00
Band 5: Eine Stadt im Spiegel der Heilkunst. Streiflichter zu 850 Jahren Fritzlarer Hospitalwesen, herausgegeben von Sabine Trosse, Kassel: Eigenverlag 1998 (325 S.), Euro 14,90
Band 6: Wissen und Irren . Psychiatriegeschichte aus zwei Jahrhunderten - Eberbach und Eichberg, herausgegeben von Christina Vanja, Steffen Haas, Gabriela Deutschle, Wolfgang Eirund, Peter Sandner, Kassel: Eigenverlag 1999 (341 S.), Euro 14,00 (vergriffen)
Band 7: "In waldig-ländlicher Umgebung ... ." Das Waldkrankenhaus Köppern: Von der agrikolen Kolonie der Stadt Frankfurt zum Zentrum für Soziale Psychiatrie Hochtaunus, herausgegeben von Christina Vanja, Helmut Siefert, Kassel: Euregio Verlag 2001 (334 S.), Euro 23,90
Band 8: Heilbar und nützlich. Ziele und Wege der Psychiatrie in Marburg an der Lahn, herausgegeben von Peter Sandner, Gerhard Aumüller, Christina Vanja, Marburg: Jonas Verlag 2001 (448 S.), Euro 25,00
Band 9: Psychiatrie in Gießen. Facetten ihrer Geschichte zwischen Fürsorge und Ausgrenzung, Forschung und Heilung, herausgegeben von Uta George, Herwig Groß, Michael Putzke, Irmtraut Sahmland, Christina Vanja, Gießen: Psychosozial-Verlag 2003, Euro 29,50
Band 10: "Haltestation Philippshospital". Ein psychiatrisches Zentrum - Kontinuität und Wandel 1535 - 1904 - 2004. Eine Festschrift zum 500. Geburtstag Phillips von Hessen, herausgegeben von Irmtraud Sahmland, Sabine Trosse, Christina Vanja, Hartmut Berger, Kurt Ernst, Marburg: Jonas Verlag 2004, Euro 30,00
Band 11: Das Hospital am Beginn der Neuzeit. Soziale Reform in Hessen im Siegel europäischer Kulturgeschichte, herausgegeben von Arnd Friedrich, Fritz Heinrich, Christina Vanja, Petersberg: Imhof Verlag 2004 (318 S.), Euro 29,90
Band 12: Hadamar. Heilanstalt - Tötungsanstalt - Therapiezentrum (erscheint 2006)
Hochschulschriften:
Band 1: Gabriele Kremer: "Sittlich sie wieder zu heben...". Das Psychopathinnenheim Hadamar zwischen Psychiatrie und Heilpädagogik, Marburg: Jonas Verlag 2002 (336 S.), Euro 25,00
Band 2: Peter Sandner: Verwaltung des Krankenmordes. Der Bezirksverband Nassau im Nationalsozialismus. Gießen: Psychosozial-Verlag 2003, Euro 35,00
Unterrichtsmaterialien:
Informations- und Arbeitsmaterialien für den Unterricht zum Thema "Euthanasie"-Verbrechen im Nationalsozialismus (enthält die Vorbereitung eines Besuchs der Gedenkstätte Hadamar), bearbeitet von Hubert Hecker und Bettina Winter, Kassel: Eigenverlag 1992 (135 S.), Euro 5,00
Veröffentlichungen der Gedenkstätte Hadamar:
Heft 1: Kinder als Besucherinnen und Besucher in der
Gedenkstätte Hadamar, bearbeitet von Regine Gabriel,
Kassel: Eigenverlag 2002 (88 S.), Euro 7,50
[Abbildung: Schwarz-weiß-Foto]
Zwangsjacke, 19. Jahrhundert
[Abbildung: Schwarz-weiß-Foto]
Zwangsstuhl, 19. Jahrhundet
Impressum:
Herausgeber: Landeswohlfahrtsverband Hessen, Ständeplatz 6-10, D-34117 Kassel
Konzeption und Text: Funktionsbereich "Archiv, Gedenkstätten, Historische Sammlungen"








