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DFG-Forschungsprojekt

Einführung


Sowohl von Seiten der Sozial- und Agrargeschichte als auch von Seiten der Medizingeschichte ist die Erforschung von Krankheit und Gesundheit in der Landbevölkerung der Frühen Neuzeit nach wie vor ein Desiderat. Eine dem Ansatz einer "History from below" verpflichtete Medizingeschichtsschreibung konzentrierte sich bislang vor allem auf städtische Bezüge – ein Befund, der die Quellenlage unmittelbar abbildet.

Mithilfe der reichhaltigen Archivalien, die im Umfeld der hessischen Hohen Hospitäler entstanden und überliefert sind, kann ein wichtiger Beitrag geleistet werden, um diese Lücke zu schließen: Insbesondere die Unterlagen der Rezeptionsreskripte, die als serielle Quelle vorliegen, erlauben einen differenzierten Zugang zum Phänomen (chronischer) Krankheit und Behinderung in der dörflichen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts sowohl in der sozialen, ökonomischen, medizinischen wie auch kulturellen Dimension. Zudem können die in der Forschung vielfach auch für das 18. und frühe 19. Jahrhundert bemühten Theoreme der Medikalisierung und Professionalisierung anhand einer intensiven historischen Quellenanalyse diskutiert werden.

Das Forschungsvorhaben ist Roy Porters Forderung einer Patientengeschichte verpflichtet, reicht aber darüber hinaus: An der Schnittstelle von Sozial- und Agrargeschichte einerseits und Medizingeschichte andererseits angesiedelt, soll das Projekt „Krankheit im Dorf“ zugleich einen Brückenschlag zwischen diesen Disziplinen ermöglichen.

Projektdaten


Das zweijährige Forschungsprojekt zur Geschichte der hessischen Hohen Hospitäler knüpft an ein erstes DFG-Projekt der Jahre 2005 bis 2007 an, in dem es um die Verwaltungs- und Patientenstruktur der Hohen Hospitälern Haina und Merxhausen ging.

Im Zentrum des Fortsetzungsprojekts steht die Frage nach dem Umgang mit Krankheit und Behinderung in der dörflichen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts. Ausgewertet werden die umfangreichen Hospitalbestände im Archiv des LWV, darunter insbesondere die Aufnahmeakten für die Hilfsbedürftigen.

Das Projekt wird von zahlreichen Kooperationspartnern (Medizin- und insbesondere Hospitalhistorikern) aus Deutschland und dem europäischen Ausland fachlich unterstützt. Eine gemeinsame Tagung zur Diskussion von Forschungsansätzen und ersten Ergebnissen ist für 2010 vorgesehen.


Leitung des Projektes: Prof. Dr. Christina Vanja
Wiss. Mitarbeiterin: Prof. Dr. Irmtraut Sahmland
Stud. Hilfskraft: Bastian Adam




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