Die Hohen Hospitäler

Stiftungsurkunde Merxhausen 1533
Die hessischen Hohen Hospitäler Haina, Merxhausen, Hofheim und Gronau (bis ins 17. Jh.) wurden von Landgraf Philipp dem Großmütigen 1533 - 1542 als ein Versorgungsverbund für das gesamte Fürstentum gestiftet und als Samthospitäler zentral verwaltet. Nach den territorialen Teilungen lag die Zuständigkeit im 18. Jahrhundert beim Landgrafen, später Kurfürsten von Hessen-Kassel und dem Landgrafen, später Großherzog von Hessen-Darmstadt. Die Auflösung dieser gemeinschaftlichen Verwaltung erfolgte erst 1810. Die Hospitäler wurden aus den Stiftungsvermögen ehemaliger Klöster und einer Pfarrei, in deren Gebäuden sie auch untergebracht waren, sowie aus eigener Bewirtschaftung finanziert.
Die Hohen Hospitäler bildeten eine systematische Ergänzung zu den städtischen Versorgungseinrichtungen. Sie waren speziell für den Bedarf der Landbevölkerung ausgelegt. Aufnahme und dauerhafte Versorgung fanden würdige Arme, die infolge Alters, körperlicher und geistiger Behinderungen und chronischer Krankheiten dauerhaft nicht selbst für sich sorgen konnten. Stadtbürger hatten Anspruch auf Aufnahme, sofern sie geistig erkrankt waren.
HAINA
Das Hospital Haina, im ehemaligen Zisterzienserkloster Haina in der Nähe von Marburg gelegen, war das größte der Samthospitäler und der Sitz der Zentralverwaltung, die durch einen Obervorsteher repräsentiert wurde. Haina war ein Hospital für Männer. Im 18. Jahrhundert lebten dort bis zu 400 Hospitaliten; hinzu kam das Verwaltungs-, Dienst- und Wirtschaftspersonal. Die medizinische Betreuung war durch einen Hospitalchirurgen, der in Haina wohnte, und einen Hospitalsarzt, der als Physikus im nahe gelegenen Frankenberg angesiedelt war, gewährleistet.
MERXHAUSEN

Das Hospital Merxhausen im ehemaligen Augustinerchor- frauenstift Merxhausen bei Kassel gelegen, nahm ausschließlich Frauen auf. Im 18. Jahrhundert lebten dort bis zu 170 Hospitalitinnen. Auch das Hospital als Wirtschaftsbetrieb war deutlich kleiner als Haina. Die medizinische Versorgung in Merxhausen erfolgte durch einen Hospitalchirurgen, der jeweils in einer näher gelegenen Ortschaft wohnte. Im ausgehenden 18. Jahrhundert wurde diese Stelle mit einem Arzt besetzt, der sowohl die handwerkliche Ausbildung der Chirurgie als auch das Medizinstudium (= innere Medizin) absolviert hatte.
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