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1533 - 1542

Stiftung der Hohen Hospitäler Haina, Merxhausen, Hofheim und Gronau für die arme Landbevölkerung in Hessen durch Landgraf Philipp den Großmütigen (heute Zentren für Soziale Psychiatrie Haina (Kloster), Kurhessen / Bad Emstal und Philippshospital / Riedstadt des LWV Hessen.) Dazu gehört auch umfangreicher Waldbesitz (heute Stiftungsforsten Kloster Haina).


1618 - 1648

Dreißigjähriger Krieg: Das durch den Krieg zerstörte Hohe Hospital Gronau bei St. Goarshausen wird nicht wieder eröffnet.

1728

Erneuerte Ordnung der Hohen Hospitäler: Bei der Aufnahme müssen ärztliche Atteste vorgelegt werden. In den Hospitälern werden Wundärzte eingestellt.


1810

Auflösung der gemeinsamen Verwaltung der Hohen Hospitäler aufgrund der Teilung Hessens in das Königreich Westfalen (Kassel) und das Großherzogtum Hessen (Darmstadt).


1815

Eröffnung der ersten nassauischen Irrenanstalt im ehemaligen Kloster Eberbach im Rheingau.


1820

Gründung der nassauischen Taubstummenschule in Camberg/Taunus als eine der ersten pädagogischen Einrichtungen für Hörbehinderte überhaupt (heute Freiherr-von-Schütz-Schule des LWV Hessen).


1836

Einweihung des Ständehauses in Kassel als Sitz des kurhessischen Landtages. Es ist das erste Parlamentsgebäude in Hessen überhaupt.


1837

Eröffnung der ersten Taubstummenschule des Großherzogtums Hessen in Friedberg (heute Johannes-Vatter-Schule für Hörgeschädigte des LWV Hessen).


1838

Eröffnung der ersten Taubstummenschule des Kurfürstentums Hessen in Homberg/Efze (heute Hermann-Schafft-Schule des LWV Hessen).


1849

Eröffnung der nassauischen Heil- und Pflegeanstalt Eichberg bei Eltville im Rheingau unter der Leitung von Dr. Ludwig Snell. Sie löst die Eberbacher Irrenanstalt ab (heute Zentrum für Soziale Psychiatrie Rheinblick des LWV Hessen).


1850

Eröffnung der ersten Blindenschule des Großherzogtums Hessen in Friedberg (heute Johann-Peter-Schäfer-Schule für Blinde und Sehbehinderte des LWV Hessen).


1866

Eröffnung der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Heppenheim an der Bergstraße unter der Leitung von Dr. Georg Ludwig (heute Zentrum für Soziale Psychiatrie Bergstraße des LWV Hessen).


1867

Bildung zweier Bezirkskommunalverbände (Kassel und Wiesbaden) zur Übernahme von Selbstverwaltungsaufgaben in der neuen preußischen Provinz Hessen-Nassau. Die Provinz umfasst hauptsächlich die Gebiete des ehemaligen Kurhessen, des früheren Herzogtums Nassau und der einstigen Freien Reichsstadt Frankfurt am Main.

Das Ständehaus wird Sitz des Bezirkskommunalverbandes Kassel.


1874

Eröffnung der Korrektions- und Landarmenanstalt Breitenau bei Guxhagen. Unter nationalsozialistischer Herrschaft werden hier politische Gegner, Zwangsarbeiter und Juden inhaftiert. Nach 1949 Jugendheim für Mädchen, ab 1973 psychiatrische Einrichtung des LWV Hessen. Heute erinnert die Gedenkstätte Breitenau an die Geschehnisse der NS-Zeit.


1876

Eröffnung der Landesheilanstalt Marburg in Verbindung mit der Marburger Philipps-Universität unter der Leitung von Prof. Dr. Heinrich Cramer (heute Zentrum für Soziale Psychiatrie Mittlere Lahn - Standort Marburg - des LWV Hessen).


1883

Gründung der Korrigenden- und Landarmenanstalt Hadamar des Bezirksverbandes Wiesbaden (später zugunsten von Breitenau aufgelöst). 1906 Eröffnung einer psychiatrischen Abteilung in Hadamar, ab 1920 mit einem Psychopathinnenheim verbunden. In der Zeit des Nationalsozialismus zentrale "Euthanasie"-Anstalt zur Ermordung kranker und behinderter Menschen im Deutschen Reich. (heute Zentrum für Soziale Psychiatrie Am Mönchberg des LWV Hessen).


1886

Eröffnung der königlichen Erziehungsanstalt Karlshof in Wabern, seit 1927 in der Trägerschaft des Bezirkskommunalverbandes Kassel (heute Sozialpädagogisches Zentrum Wabern-Homberg des LWV Hessen).


1888

Eröffnung der Heilerziehungsanstalt Kalmenhof in Idstein als Stiftung Frankfurter Bürger (heute Sozialpädagogisches Zentrum Kalmenhof mit Feldbergschule und Max-Kirmsse-Schule des LWV Hessen).


1891

Das preußische "Gesetz über die außerordentliche Armenlast" verpflichtete die Landarmenverbände, Anstaltsplätze für alle Hilfsbedürftigen zu schaffen.


1897

Eröffnung der Landesheilanstalt Weilmünster, später zwischenzeitlich auch Kindersanatorium (heute Klinikum Weilmünster gGmbH mit Kliniken für Neurologie, Psychiatrie- und Psychotherapie sowie Stimm- und Spracherkrankungen).


1901

Gründung der Agrikolen Kolonie Köppern für alkoholkranke Männer als Außenstelle der Frankfurter Anstalt für Irre und Epileptiker unter der Leitung von Dr. Emil Sioli. Später Nervenheilanstalt, Altersheim und allgemeines Krankenhaus. Seit 1967 in der Trägerschaft des LWV Hessen (heute Zentrum für Soziale Psychiatrie Hochtaunus gGmbH).


1911

Eröffnung der Heil- und Pflegeanstalt Gießen (heute Zentrum für Soziale Psychiatrie Mittlere Lahn - Standort Gießen -) und der Landesheilanstalt Herborn (heute Zentrum für Soziale Psychiatrie Rehbergpark Herborn gGmbH).

Das Gesetz über die Beschulung blinder und taubstummer Kinder regelt den Unterricht in Sonderschulen für hör- und sehbehinderte Menschen.


1914 - 1918

Nach Beginn des Ersten Weltkrieges aus der Not heraus Errichtung von allgemeinen Kriegswohlfahrtsstellen und Kriegsbeschädigten-Fürsorgestellen auf kommunaler Ebene (Vermittlung von Arbeit, Berufsausbildung bzw. Umschulung für Kriegsbeschädigte).

Erster Weltkrieg: Durch Hunger und Infektionskrankheiten stirbt in Hessen etwa die Hälfte der Anstaltsbewohner.


1915

Gründung der Heilstätte am Lindenberg in Kassel-Bettenhausen als orthopädische Klinik der Stadt und des Bezirkskommunalverbandes Kassel. 1953 Übergang in die Trägerschaft des LWV Hessen, der 1965 einen Neubau in Wilhelmshöhe in Betrieb nimmt (heute Orthopädische Klinik Kassel gGmbH).

Gründung des "Reichsausschusses der Kriegsbeschädigtenfürsorge", der die Beziehung der Fürsorgestellen zueinander und zu anderen öffentlichen und privaten Organisationen regelt. Der Reichsausschuss leistete richtungsweisende Arbeit, deren Ergebnisse den zuständigen Reichs- und Staatsbehörden und dem Reichstag zugeleitet wurden.


1917

Anerkennung des bisher zivilrechtlich handelnden "Reichsausschusses der Kriegsbeschädigtenfürsorge" als öffentlich-rechtliche Körperschaft nach Preußischem Recht (kann als Vorläufer der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Hauptfürsorgestellen angesehen werden).


1918

Deutschland wird Republik. Die Abgeordneten der Kommunallandtage in der Provinz Hessen-Nassau werden ab 1920 in gleicher und direkter geheimer Wahl durch Männer und (erstmals) Frauen bestimmt.


1919

Die "Reichsverordnung über die soziale Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenenfürsorge" begründet die Arbeit der Hauptfürsorgestellen (beim LWV Hessen heute teilweise Integrationsamt).


1920er Jahre

Gründung von psychiatrischen Außenfürsorgestellen.

Einführung der aktiven Arbeitstherapie in den Heil- und Pflegeanstalten.


1920

Gesetz über die Versorgung der Militärpersonen und ihrer Hinterbliebenen (Reichsversorgungsgesetz), Gesetz über die Beschäftigung Schwerbeschädigter und Gesetz über die Kosten der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenenfürsorge werden verabschiedet. Mit diesen Gesetzen wurde erstmals der materiell-rechtliche Leistungsanspruch der beschädigten Menschen geregelt.


1922

Das "Reichgesetz für Jugendwohlfahrt" begründet die öffentliche Jugendhilfe in Deutschland.


1924

Verabschiedung des Gesetzes über Änderung auf dem Gebiet der Reichsversorgung (Artikel 5 - Soziale Fürsorge für Kriegsblinde und Hirnverletzte).


1929

Weltwirtschaftskrise: Die Pflegesätze für Anstaltsinsassen werden gesenkt und freiwillige Fürsorgeleistungen gestrichen.


1933

"Machtübernahme" der Nationalsozialisten. Bei den Rechtsvorgängern des LWV Hessen werden jüdische und regimekritische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen entlassen.


1934

Das nationalsozialistische "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" tritt in Kraft. Rund 400.000 Frauen und Männer werden wegen angeblicher Erbkrankheiten gegen ihren Willen sterilisiert. Darunter befinden sich mehrere Tausend Pfleglinge hessischer Einrichtungen.


1937

Gründung des Erziehungsheims für Kinder und Jugendliche in Homberg/Efze in den Gebäuden der aufgelösten Taubstummenschule.

Die Beschulung der hörbehinderten Kinder erfolgte zusammen mit den Camberger Schülern bis Kriegsbeginn in der Frankfurter Taubstummenanstalt (heute Sozialpädagogisches Zentrum Wabern-Homberg des LWV Hessen).


1939

Der so genannte "Euthanasie"-Erlass Adolf Hitlers gibt den Weg zur systematischen Tötung behinderter und kranker Menschen in Heil- und Pflegeanstalten frei. In Hessen werden bis 1945 rund 20.000 Menschen ermordet.


1940 / 1941

Jüdische Psychiatriepatienten werden nach Gießen und Heppenheim gebracht, um anschließend gemeinsam in Hadamar oder im Zuchthaus Brandenburg ermordet zu werden.


1941

Von Januar bis August werden in Hadamar rund 10.000 Menschen aus ganz Deutschland im Rahmen der "Aktion T4" in der Gaskammer ermordet.

Im Kalmenhof und auf dem Eichberg werden in so genannten Kinderfachabteilungen bis 1945 etwa 2.000 behinderte Kinder umgebracht.


1942

Bis 1945 sterben insbesondere in Hadamar, auf dem Eichberg, im Kalmenhof, dem Philippshospital und in Weilmünster weitere Tausende von Pfleglingen an systematischer Unterernährung, durch Überdosen an Medikamenten und Misshandlungen.


1943

Das Altenpflegeheim Köppern der Stadt Frankfurt am Main wird zur "Krankenhaussonderanlage" Aktion Brandt (geleitet durch Hitlers Leibarzt Dr. Karl Brandt) ausgebaut. Eine unbekannte Zahl von Insassen stirbt bis 1945 an Unterversorgung sowie wahrscheinlich durch Überdosen an Medikamenten in Köppern und in Hadamar.


1944

Für unzurechnungsfähig erklärte Straftäter aus den hessischen Heil- und Pflegeanstalten werden in Konzentrationslager überführt und dort ermordet.


1945

Ende des nationalsozialistischen Regimes und Einleitung des demokratischen Neubeginns. Einige der an den Nazi-Verbrechen beteiligten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden zum Tode oder zu Zuchthausstrafen verurteilt.

Kommunalausschüsse nehmen als Nachfolger der preußischen Bezirkskommunalverbände in Kassel und Wiesbaden ihre Arbeit auf und unterstützen den Neuaufbau in Hessen.


1947

Umwandlung der Landesheilanstalt Weilmünster in ein Kindersanatorium, da durch die NS-"Euthanasie"-Morde die Anzahl psychisch kranker Menschen stark gesunken war.


1948

Eröffnung der Tuberkuloseheilstätte am Meißner bei Hessisch Lichtenau. Seit 1971 wird die Einrichtung psychiatrisch genutzt (bis 2003 Zentrum für Soziale Psychiatrie Werra-Meißner des LWV Hessen).


1950

Verabschiedung des Gesetzes über die Opfer des Krieges (Bundesversorgungsgesetz).


1952

Beginn der Therapie mit so genannten Psychopharmaka.

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