Maßregelvollzug
Forensische Fachambulanzen
Nachbetreuung
suchtkranker und
psychisch kranker
Rechtsbrecher in Hessen
LANDESWOHLFAHRTSVERBAND HESSEN
I m p r e s s u m
Herausgeber:
Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV)
Ständeplatz 6 – 10
34117 Kassel
Tel.: 05 61 / 10 04 – 25 36
Fax: 05 61 / 10 04 – 26 40
E-Mail: pressestelle@lwv-hessen.de
Text und Redaktion:
Servicebereich Öffentlichkeitsarbeit
Pressestelle
Rose-Marie von Krauss
Satz und Druck:
Druckerei Foto-Litho Jäger, Kassel
Stand:
Juli 2006
Maßregelvollzug -
und dann?
Für die Behandlung suchtkranker und psychisch kranker
Rechtsbrecher in besonderen Einrichtungen des so genannten
Maßregelvollzugs, auch gerichtliche oder forensische
Psychiatrie genannt, ist in Hessen der Landeswohlfahrtsverband
Hessen (LWV) im Auftrag des Landes Hessen
zuständig. Die Behandlung der psychisch kranken und
suchtkranken Rechtsbrecher in den LWV-Kliniken ist in zwei
Broschüren beschrieben, die zum sachlichen Umgang mit
dem Thema vor Ort beitragen sollen. Nach wie vor ist das
Thema aber mit Vorurteilen und Ängsten besetzt. Insbesondere
bei Planung und Aufbau neuer Maßregelvollzugskliniken.
An diesen Standorten werden Fragen nach Therapie
und Sicherheit während der stationären Behandlung in der
Klinik gestellt.
Zunehmend wird in diesem Zusammenhang auch die Zeit
nach der stationären Behandlung zum Thema:
Was passiert, wenn die Behandlung in der Klinik abgeschlossen
ist und der Patient entlassen wird? Werden viele
Patienten rückfällig? Wohnen sie bei uns im Ort? Werden
sie noch behandelt? – lauten die zentralen Fragen, die die
Menschen beschäftigen, die in der Nachbarschaft einer Klinik
wohnen. Diese Broschüre nimmt diesen Fragenkomplex
auf und informiert über die Nachbetreuung suchtkranker
und psychisch kranker Rechtsbrecher in Hessen.
Forensische Fachambulanzen -
wozu?
Psychisch kranke und suchtkranke Rechtsbrecher werden
meist über Jahre in einer forensischen Klinik behandelt.
Wenn diese Therapie in der Klinik erfolgreich abgeschlossen
ist und eine gute Aussicht auf eine erfolgreiche Wiedereingliederung
besteht, werden sie bedingt entlassen.
Wohnung, Beschäftigung oder die Integration in familiäre
Strukturen wurden mit Therapeuten und Sozialarbeitern
bereits vorher organisiert. Ab dem Entlassungstag stehen
sowohl suchtkranke als auch psychisch kranke Rechtsbrecher
im Rahmen der sog. Führungsaufsicht unter der Kontrolle
und Weisungsbefugnis eines Gerichts. Bedingt entlassene
Patienten stehen unter Bewährungshilfe. Daneben
werden in der Regel individuelle Weisungen, wie der regelmäßige
Kontakt zur forensischen Ambulanz der Klinik, aus
der sie entlassen wurden, angeordnet.
In forensischen Fachambulanzen sind multiprofessionelle
Teams mit Ärzten und Ärztinnen, Fachkrankenschwestern
und -pflegern, Sozialpädagogen und -pädagoginnen sowie
Arztschreibkräften tätig. Sie verfügen über langjährige
Erfahrungen in der forensischen Psychiatrie und kennen
die Klienten zum Teil schon aus der Behandlung in der Klinik.
Nach oft langjähriger stationärer Unterbringung verfügen
viele ehemalige Patienten nicht mehr über eine ausreichende
soziale Anbindung. Aufgabe forensischer Fachambulanzen
ist es daher, durch psychosoziale Kontrolle, Medikamentengabe
sowie unterstützende Maßnahmen die Klienten
in dieser Phase in die Lage zu versetzen, innerhalb
ihres sozialen Umfeldes Tritt zu fassen und psychisch stabil
und straffrei zu leben. Damit wird der Schutz der Allgemeinheit
vor weiteren rechtswidrigen Taten erhöht.
Forensische Fachambulanzen –
wie sehen Behandlung und Therapie aus?
Zur breiten Palette der Tätigkeiten der Forensischen Fachambulanzen
gehören
- Regelmäßige therapeutische Gespräche
- Gespräche mit Familienangehörigen und anderen
Bezugspersonen im privaten und beruflichen Umfeld - Enger Kontakt und Austausch mit Gerichten und der
Bewährungshilfe - Beratung und Absprache mit dem Hausarzt vor Ort
- Konkrete praktische Hilfestellung, z. B. bei Problemen
mit Behörden - Erstellung eines Notfall- oder Krisenplans
- Bei suchtkranken Patienten: Drogenscreenings oder
Alkoholkontrollen - Bei psychisch kranken Patienten: Überprüfung der
Störungsbilder und der Medikamentengaben - Veranlassung der stationären Wiederaufnahme,
wenn das Ziel ambulant nicht erreicht werden kann
Wie häufig ein Patient Kontakt zur Forensischen Fachambulanz
hat, ist individuell vom Patienten und der Risikoeinschätzung,
die seine Therapeuten treffen, abhängig. Die
Häufigkeit schwankt dabei zwischen mehrmals in der
Woche bis zu einmal im Monat. Eine ständige Erreichbarkeit
ist für die Klienten gewährleistet.
Forensische Fachambulanzen –
wo in Hessen?
Es gibt in Hessen eine Klinik für forensische Psychiatrie
zur Behandlung erwachsener suchtkranker Rechtsbrecher
in Hadamar (Landkreis Limburg-Weilburg) mit einer
befristeten Außenstelle in Marburg. In Hadamar ist auch
die Forensische Fachambulanz angesiedelt. Von dort aus
werden die Patienten an ihren Wohnorten in ganz Hessen
betreut. Eine weitere Klinik für die Behandlung suchtkranker
Rechtsbrecher mit einer Forensischen Fachambulanz ist
in Bad Emstal-Merxhausen (Landkreis Kassel) geplant.
Forensische Kliniken für psychisch kranke Rechtsbrecher
bestehen in Haina/Kloster (Landkreis Waldeck-Frankenberg)
mit einer Außenstelle in Gießen (Landkreis Gießen), in Eltville
(Rheingau-Taunus-Kreis) und befristet
in Hanau (Main-Kinzig-Kreis). Eine weitere Klinik ist in
Riedstadt (Landkreis Groß-Gerau) geplant.
Eine Forensische Fachambulanz existiert in Haina mit
Standorten in Kassel, Gießen, Eltville (Rheingau-Taunus-
Kreis) und Schotten (Vogelsbergkreis).
Grafik: Hessenkarte "Im Überblick"
Standorte:
Eltville
Gießen
Hadamar
Schotten
Haina/Kloster
Kassel
künftige Standorte:
Bad Emstal
Riedstadt
Forensische Fachambulanzen –
wie viele Patienten werden betreut?
In der Forensischen Fachambulanz für Suchtkranke in
Hadamar wurden im Jahre 2005 78 Klienten betreut. In der
Forensischen Fachambulanz Haina für psychisch Kranke
erhalten derzeit 220 Patienten eine Nachbetreuung. Rund
160 von ihnen stehen unter der bereits erwähnten
Führungsaufsicht. Weitere werden dort in anderem Rahmen,
wie der Beurlaubung vor der Entlassung oder auf
richterliche Anordnung versorgt. Der Frauenanteil liegt bei
Suchtabhängigen bei ca. 3 % und bei psychisch Kranken
bei ca. 6 %.
Über 80 % werden aufsuchend von der Forensischen Fachambulanz
behandelt und betreut, d. h. das therapeutische
Team fährt zu ihnen nach Hause und kann so das häusliche
Umfeld direkt in die Therapie einbeziehen.
Eine Rückkehr in die Heimatgemeinde nach einem Klinikaufenthalt
– wie in der Gemeindepsychiatrie üblich – ist für
psychisch kranke und suchtkranke Rechtsbrecher oft nicht
möglich. Viele Patienten müssen sich daher ein neues
Umfeld aufbauen. Dies ist in der Schlussphase der stationären
Therapie mit den Patienten und ihren dortigen
Bezugspersonen vorbereitet worden.
Forensische Fachambulanzen –
gibt es eine Rückfallgefahr?
Die Rückfallgefahr im Maßregelvollzug ist im Vergleich
zum Strafvollzug erheblich geringer, wenngleich auch nicht
ganz auszuschließen. Gerade die Arbeit der hessischen
Fachambulanzen, der bundesweit eine Vorreiterrolle
zukommt, gewährleistet eine niedrige Rückfallquote.
Eine Untersuchung aller ehemals in den Forensischen
Fachambulanzen behandelten psychisch kranken Klienten
hat eine hohe Erfolgsquote ergeben: Weit über 90 % sind
rückfallfrei geblieben.
Bei der Forensischen Fachambulanz für suchtkranke
Klienten wurde im Jahr 2005 bei den 78 Patienten keine
Straftat und bei 80 % der Patienten kein Suchtrückfall
registriert.
A d r e s s e n
Landeswohlfahrtsverband Hessen
Fachbereich Einrichtungen
Ständeplatz 6 – 10
34117 Kassel
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Fax: 05 61 / 10 04 – 29 29
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Hessisches Sozialministerium
Dostojewskistraße 4
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Tel.: 06 11 / 8 17 – 0
Fax: 06 11 / 8 90 84 – 0
Klinik für forensische Psychiatrie
Zentrum für Soziale Psychiatrie
Am Mönchberg
Forensische Fachambulanz
Mönchberg 8
65589 Hadamar
Tel.: 0 64 33 / 9 17 – 1 51 o. 1 52
Fax: 0 64 33 / 9 17 – 3 72
E-Mail: michael.bardel@zsp-hadamar.de
Klinik für forensische Psychiatrie
Zentrum für Soziale Psychiatrie Haina
Forensische Fachambulanz
Landgraf-Philipp-Platz 3
35114 Haina/Kloster
Tel.: 0 64 56 / 91 – 5 09
Fax: 0 64 56 / 91 – 5 11
E-Mail: roland.freese@psych-haina.de
Die Forensische Fachambulanz in Haina ist
ebenfalls Ansprechpartner für die Standorte
Gießen, Kassel, Schotten und Eltville.
Diese Broschüre will zum sachlichen Umgang mit dem
Thema "Maßregelvollzug – Nachbetreuung suchtkranker
und psychisch kranker Rechtsbrecher in Hessen" beitragen
und beantwortet häufig gestellte Fragen.
Informationen zur Behandlung suchtkranker und psychisch
kranker Rechtsbrecher finden Sie in zwei weiteren vom
LWV herausgegebenen Broschüren.








