25 Jahre Gedenkstätte - 10 Jahre Förderverein
LANDESWOHLFAHRTSVERBAND HESSEN
25 Jahre Gedenkstätte
10 Jahre Förderverein
„Euthanasie“–Verbrechen
Der aus dem Griechischen stammende Begriff „Euthanasie“ (schöner, leichter Tod) wurde in der Zeit des Nationalsozialismus zur Verschleierung der Verbrechen benutzt, mit denen das NS-Regime seine menschenverachtenden Vorstellungen zur „Rassenhygiene“ umsetzte. Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen, sozial nicht integrierte oder rassisch unerwünschte Menschen galten als „lebensunwertes Leben“ ohne Existenzberechtigung.
Ihre Vernichtung wurde in der eigens in Berlin (Tiergartenstraße 4) aufgebauten „T4“-Zentrale ab 1939 geplant und organisiert. Von den sechs „T4“-Gasmordanstalten wurde Hadamar als letzte eingerichtet. Zwischen Januar und August 1941 wurden in Hadamar über 10.000 Menschen durch Gas getötet.
Die Gasmorde endeten am 24. August 1941 u. a. nach einem öffentlichen Protest des katholischen Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen. Der Stopp der Gasmorde im Sommer 1941 bedeutete aber nicht das Ende der „Euthanasie"-Morde, sondern einen Wechsel in der Verantwortlichkeit, der Organisation und der Tötungsmethode. An die Stelle der zentralen Organisation von Berlin traten entweder lokal und regional gesteuerte oder mit der „T4“-Zentrale koordinierte Maßnahmen. Der Massenmord in der Gaskammer wurde abgelöst durch individualisierte Morde mit überdosierten Medikamenten, gezielter Mangelernährung oder vorenthaltener medizinischer Versorgung. In dieser zweiten Mordphase übernahm die Landesheilanstalt Hadamar wieder die Funktion eines überregionalen Tötungszentrums. Von 1942 bis 1945 starben hier noch einmal 4.500 Menschen. Den „Euthanasie“-Verbrechen fielen im damaligen Deutschen Reich insgesamt etwa 200.000 Menschen zum Opfer.
Die Gedenkstätte Hadamar
Die Gedenkstätte Hadamar ist ein Ort, an dem der von 1941 bis 1945 ermordeten Patientinnen und Patienten gedacht wird. Gleichzeitig ist sie eine Einrichtung mit historisch-politischem Bildungsauftrag.
Die historischen Örtlichkeiten bestehen aus der ehemaligen Tötungsanlage im Keller (Gaskammer, Sezierraum und Standorte der Krematorien), der einzigen noch erhaltenen „T4"-Busgarage und dem früheren Anstaltsfriedhof. Im Erdgeschoss befinden sich Dauerausstellung, Archiv, Bibliothek und Seminarräume. Umfangreiche Informationen über die in Hadamar untergebrachten und ermordeten Opfer der „Euthanasie“-Verbrechen sind in einer Datenbank „Opferliste“ erschlossen.
Die Gedenkstätte ist eine Bildungseinrichtung mit einem vielfältigen pädagogischen und historischwissenschaftlichen Angebot. Von Jahr zu Jahr wächst die Zahl der Besucher, die individuell oder in Gruppen nach Hadamar kommen und an Führungen und Studientagen teilnehmen. Während in der Anfangsphase jährlich etwa 2.000 Personen die Gedenkstätte besuchten, ist die Zahl inzwischen auf über 14.000 Besucher gestiegen.
Eine Führung beinhaltet einen Einblick in die NS-„Euthanasie“-Verbrechen, einen Rundgang durch die historischen Örtlichkeiten, einen Besuch der Dauerausstellung und häufig eine anschließende Gruppenarbeit zum Schicksal einzelner Opfer und zum Denken und Handeln der Täter. Ein Studientag bietet die Möglichkeit, Themen der Führung zu vertiefen. Vor einigen Jahren hat die Gedenkstätte besondere Angebote für Menschen mit Lernschwierigkeiten und Kinder ab 10 Jahren erarbeitet. Darüber hinaus beantwortet sie Anfragen zu Opferschicksalen von Angehörigen und Gedenkinitiativen. Zudem betreibt sie neben Opfer- auch Täter-Forschung.
Chronologie
1983
Eröffnung der ersten Ausstellung in den Kellerräumen
1986
Archiv, Bibliothek, Seminar- und Büroräume werden in Betrieb genommen
1989
LWV-Gedenkveranstaltung zur 50. Wiederkehr der Unterzeichnung des so genannten „Euthanasie“-Erlasses vom 1. September 1939
1991
Dauerausstellung „Verlegt nach Hadamar“ und Wanderausstellung „Euthanasie in Hadamar“ werden mit finanzieller Unterstützung des Bundes eröffnet. Eine vom Bund der „Euthanasie“-Geschädigten gestiftete Mahnglocke wird eingeweiht
1995
Beginn der institutionellen Förderung durch die Hessische Landeszentrale für politische Bildung im Auftrag des Landes Hessen. Veranstaltung: „Befreiung Hadamars vor 50 Jahren“
1998
10.073 schwarze Luftballons erinnern an den Beginn der Gasmorde in Hadamar vor 57 Jahren. Gründung des Vereins zur Förderung der Gedenkstätte Hadamar
2002
Mehrtägiges Kinderprojekt „Kinder leben und lernen in der Gedenkstätte Hadamar“. 15 Videos durch die Shoah Foundation übergeben. Sie enthalten Interviews mit Überlebenden der Zwangssterilisationen und „Euthanasie“-Verbrechen
2003
Festveranstaltungen zum 20-jährigen Bestehen der Gedenkstätte
2005
Gedenkfeier zum 13. Januar, dem Tag, an dem die „Euthanasie“-Morde begannen, mit Vorstellung der Datenbank „Opferliste“
2006
Vorstellung des Gedenkbuches der Gedenkstätte Hadamar mit Namen der 15.000 „Euthanasie“-Opfer. Feierstunde anlässlich des Wiederaufbaus der ehemaligen „T4“-Busgarage. Veröffentlichung eines Sammelbandes zur Geschichte der psychiatrischen Einrichtung Hadamar
2007
Erste Begegnungs- und Informationstage für Angehörige von „Euthanasie“-Opfern. Verleihung des Preises für Innovation in der Erwachsenenbildung an den Förderverein für das Projekt „Wir entdecken unsere Geschichte“, das er mit der Gedenkstätte durchführt
2008
Die neue Website der Gedenkstätte ist online
www.gedenkstaette-hadamar.de
Ansprechpartner
Priv. Doz. Dr. Georg Lilienthal
Leiter der Gedenkstätte
Gedenkstätte Hadamar
Mönchberg 8
65589 Hadamar
Tel.: 0 64 33 / 9 17-1 71
E-Mail: georg.lilienthal@lwv-hessen.de
Verein zur Förderung der Gedenkstätte Hadamar e. V.
Der Förderverein unterstützt die Gedenkstätte bei Führungen, Studientagen, Fachtagungen und Seminaren.
Er berät die Gedenkstätte in Fragen der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit und fördert die Zusammenarbeit mit der barrierefreien Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte des „Internationalen Bundes“ vor Ort.
Der Förderverein entwickelt mit der Gedenkstätte neue Führungskonzepte (z. B. in „leichter Sprache“ für Menschen mit Lernschwierigkeiten) und führt eigene Veranstaltungen durch. Der Wissenschaftliche Beirat des Fördervereins berät die Gedenkstätte bei Archiv- und Forschungstätigkeiten.
Ansprechpartnerin
Uta George M. A.
Geschäftsführerin des Fördervereins
Gedenkstätte Hadamar
Mönchberg 8
65589 Hadamar
Tel.: 0 64 33 / 9 17-1 74
E-Mail: uta.george@lwv-hessen.de
LWV Hessen
Der Landeswohlfahrtsverband Hessen musste das durch die NS-„Euthanasie“-Verbrechen verloren gegangene Vertrauen in die öffentliche Fürsorge erst wieder begründen. Krankenhäuser und Heime wurden nach humanitären und sozialstaatlichen Prinzipien neu ausgerichtet. Die dauerhafte Erinnerung an die Opfer ist dem LWV Auftrag und Anliegen zugleich.
www.lwv-hessen.de
Gedenkstätte Hadamar
Die Gründung der in Trägerschaft des LWV Hessen stehenden Gedenkstätte Hadamar als erste deutsche NS-„Euthanasie“-Gedenkstätte geht auf das Jahr 1983 zurück. Jährlich empfängt die Gedenkstätte viele tausend Besucher, unter ihnen zahlreiche junge Menschen.
2006 veröffentlichte sie einen Sammelband zur 100-jährigen Geschichte der psychiatrischen Einrichtung in Hadamar mit neuesten Forschungsergebnissen.
www.gedenkstaette-hadamar.de
Verein zur Förderung der Gedenkstätte Hadamar
Der 1998 gegründete Verein unterstützt die Ziele der Gedenkstätte insbesondere in der Bildungs- und der Öffentlichkeitsarbeit. 2007 wurde er für seine innovative Bildungsarbeit vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung ausgezeichnet.
www.gedenkstaette-hadamar-foerderverein.de
Impressum
Herausgeber:
Landeswohlfahrtsverband Hessen
Öffentlichkeitsarbeit, Ständeplatz 6-10, 34117 Kassel
E-Mail: pressestelle@lwv-hessen.de
Text und Redaktion: Jörg Daniel (verantwortl.), Benjamin Köhler, Priv. Doz. Dr. Georg Lilienthal
Lay Out: Benjamin Köhler, Monika Brauns
Druck: LWV-Hausdruckerei
Fotos: Gedenkstätte Hadamar, Matthias Zipp
1. Auflage Oktober 2008
Mehr zum LWV im Internet unter www.lwv-hessen.de








