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PerSEH - Personenzentrierte Steuerung der Eingliederungshilfe in Hessen


Christian Henze (Name geändert) hat eine seelische Behinderung. Jeden Morgen geht er in die Tagesstätte. Das schafft er allein, da seine Nachbarn ihn wecken. Am Wochenende, wenn die Tagesstätte geschlossen ist, dann geht Herr Henze ins benachbarte Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Dort kann er an den Mahlzeiten teilnehmen, Gespräche führen und vielleicht sogar noch eine Verabredung für den Nachmittag treffen. Christian Henzes Alltagsleben funktioniert wie ein Puzzle. Alle – er selbst eingeschlossen – arbeiten Hand in Hand. Und so ist es möglich, dass er vergleichsweise eigenständig leben kann.

Das ist das Ziel von PerSEH, der Personenzentrierten Steuerung der Eingliederungshilfe in Hessen. Dieser Ansatz soll dabei helfen, die Angebote der Eingliederungshilfe zu verbessern und sie auf den wirklichen Bedarf behinderter Menschen zuzuschneiden. Vor allem aber geht es darum, Eigenverantwortung und Selbstbestimmung zu stärken. Die Frage „Wo sind Potentiale?“ ist dabei genauso wichtig wie die Frage „Wo ist Unterstützung nötig?“.

Seit 2003 hat sich der LWV auf den Weg gemacht, um diesem Ziel näher zu kommen. In verschiedenen Projekten und Praxistests haben Experten des LWV und verschiedener Einrichtungen versucht, ein schlüssiges System für die Behindertenhilfe zu entwickeln - eines, das alle Lebensbereiche erfasst. Federführend ist dabei die Erste Beigeordnete des LWV Evelin Schönhut-Keil. Damit erfüllt der LWV eine zentrale Forderung, die von den Arbeits- und Sozialminister/innen der Länder auf ihrer Konferenz im November 2007 in Berlin formuliert wurde.

Die jüngste Etappe auf diesem Weg ist PerSEH. Gemeinsam mit südhessischen Leistungsanbietern der Eingliederungshilfe und unter wissenschaftlicher Begleitung von Prof. Dr. Petra Gromann (Fachhochschule Fulda) und Ralf Bremauer (Institut personenzentrierte Hilfen) ist ein System entwickelt worden, das eine neue Grundlage für die Steuerung der Eingliederungshilfe in Hessen bietet.

  • Zum Beitrag "Integrierter Teilhabeplan" von Prof. Dr. Petra Gromann


  • Zum Bericht "Praxistest Implemenation personenzentrierte Leistungssystematik" von Ralf Bremauer



  • Es stützt sich dabei auf drei Säulen:

    Säule 1
    Eine einheitliche Methode, um festzustellen, welche Unterstützung jemand benötigt, welche Fähigkeiten und welche Ziele er/sie hat. Dabei werden alle Lebensbereiche (Arbeit, Wohnen, Freizeit) mit einbezogen. Das Instrument dafür ist die Integrierte Teilhabeplanung (ITP) – ein Instrument, das erstmals unabhängig von der Art der Behinderung und von den Angeboten (Wohnheim, Betreutes Wohnheim, Werkstatt für behinderte Menschen, etc.) eingesetzt werden kann.

  • Zum Formular "ITP Hessen - Integrierte Teilhabeplanung"


  • Zum Manual (Handbuch) für die ITP


  • Säule 2
    Eine Konferenz, in der sich Menschen mit Behinderung, gegebenenfalls ihre gesetzlichen Betreuer/innen, LWV-Mitarbeiter/innen, die örtlichen Sozialämter und Einrichtungsträger der Behindertenhilfe verständigen, wie die Begleitung im Alltag organisiert wird (Hilfeplankonferenz).

    Säule 3
    Eine zeitbasierte Leistungsvergütung auf der Grundlage des Integrierten Teilhabeplans mit sieben Leistungsstufen. Wichtig dabei ist: Der Grundwert für die Berechnung ist gleich, egal ob die direkten Unterstützungsleistungen im Wohnheim, der Werkstatt, dem Betreuten Wohnen oder anderswo erbracht werden.

  • Zum Beitrag "Wie betreut man Wohnen?" von Ralf Bremauer



  • Dabei orientiert sich der LWV an der internationalen Klassifikation (ICF) der Weltgesundheitsorganisation WHO: Sie ist die gemeinsame Sprache, die die unterschiedlichen Systeme der Eingliederungshilfe verständlich und vergleichbar macht.

    Nach einem ersten Praxistest in Wiesbaden wird dieser Ansatz seit März 2009 in zwei Pilotregionen (Landkreis Fulda und Werra-Meißner-Kreis) erprobt. Derzeit laufen die Vorbereitungen, im Februar 2010 soll die eigentliche einjährige Erprobungsphase beginnen, die erneut wissenschaftlich begleitet wird. Die Ergebnisse wird die LWV-Spitze mit den Leistungserbringern diskutieren und anschließend fachlichen und politischen Gremien vorlegen. Diese werden entscheiden, ob PerSEH schrittweise und flächendeckend in ganz Hessen eingeführt wird.

    An das Projekt knüpfen sich Hoffnungen. Die unterschiedlichen Angebote der Eingliederungshilfe sollen noch durchlässiger werden. Menschen mit seelischer Behinderung können in Werkstätten für Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten. Wer vom Wohnheim ins betreute Wohnen umzieht (oder zurück) muss nicht jedes Mal an einem neuen, ganz anderen Teilhabeplan mitarbeiten. Und dadurch, dass Ziele und Fortschritte der Menschen mit Behinderung präziser dokumentiert und besprochen werden, kann leicht überprüft werden, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist. Unter Umständen ergeben sich neue Ziele. Und neue Schritte auf dem Weg zu mehr Eigenverantwortung und Selbstbestimmung.

    Die ganz persönliche Situation jedes Einzelnen ist entscheidend. Wie bei Christian Henze. Ein Puzzle aus verschiedenen Angeboten, Hilfen und seiner Eigeninitiative ist die Grundlage für sein selbstbestimmtes Leben.

    Hintergrund
    Die "Eckpunkte zur Weiterentwicklung personenzentrierter Hilfen und einer zeitbasierten Vergütungssystematik in der Eingliederungshilfe in Hessen" wurden am 26.05.2008 durch die Hessische Vertragskommission beschlossen. Mehr hierzu ...