Bamberger Hof: LWV-„Klinik ohne Betten“ feiert 30-jähriges Bestehen
Kassel/Frankfurt (lwv): „Der Bamberger Hof, ein Haus mit Tradition“, hieß es einst über das langjährige Frankfurter Renommierhotel. Heute steht der Name für ein innovatives psychiatrisches Angebot. Seit nunmehr 30 Jahren bietet die zum Zentrum für Soziale Psychiatrie Hochtaunus gGmbH in Köppern als Betriebszweig gehörende „Klinik ohne Betten“ für ihre psychisch kranken Patientinnen und Patienten aus der Stadt Frankfurt medizinische Hilfen und Unterstützung - so werden Patienten der „Ambulanten Psychiatrischen Akutbehandlung zu Hause“ (APAH) versorgt. Am jetzigen Standort im Oeder Weg trafen sich heute Patienten, Angehörige, Mitarbeiter und Vertreter der Stadt mit interessierten Anwohnern zu einer Feierstunde. LWV-Beigeordneter und Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Peter Barkey erinnerte an die zahlreichen nicht immer einfachen Aufbau- und Reformschritte, ehe das heutige Angebot im Jahre 2003 schließlich mit den Krankenkassen als Kostenträgern und dem Hessischen Sozialministerium vereinbart werden konnte.
„Als Aufsichtsratsvorsitzender des Zentrums kann ich heute feststellen, dass sich die Anstrengungen vor allem der Mitarbeiter vor Ort und die Zusammenarbeit mit den Gremien der Stadt Frankfurt, aber auch mit den niedergelassenen Fachkollegen gelohnt haben! Der Bamberger Hof ist ein wichtiges Glied im Netz der psychiatrischen Hilfen einer Großstadt und notwendiger Bestandteil neben den klinischen Einrichtungen. Ich danke deshalb den Mitarbeitern für ihre Arbeit, die den Bamberger Hof zum Vorbild für andere Ballungsräume prägt und den Repräsentanten der Stadt Frankfurt für ihre Unterstützung. Es gab Zeiten während der letzten Jahre, in denen außer den Patienten nicht alle an die Notwendigkeit des Bamberger Hofes glaubten, und es gab Probleme, wenn andere Krankenhausträger neue Angebote schufen und die scheinbare Konkurrenz des Bamberger Hofes vermuteten. Die Mitarbeiter um den Ärztlichen Leiter, Herrn Diethelm, haben gleichwohl unverdrossen ihre Patienten versorgt und damit immer eine Basis der vertrauensvollen Zusammenarbeit gesichert.“
Dr. Barkey wandte sich abschließend noch einmal an die anwesenden und ehemaligen Patienten und sicherte ihnen zu, dass ihr Vertrauen in die Hilfeangebote der Mitarbeiter des Bamberger Hofes auch in Zukunft nicht enttäuscht werde.
„’APAH’ gehört mittlerweile genauso selbstverständlich zum Bamberger Hof, wie die Klinik in der Stadt Frankfurt verwurzelt ist“, betonte der leitende Arzt der Einrichtung, Artur Diethelm. Bereits mit der Gründung des Bamberger Hofes habe der LWV Hessen in den 70er Jahren gezielt ein Zeichen gesetzt: Psychiatrische Behandlungsangebote sollten zu den Menschen kommen - und nicht umgekehrt, wie es damals noch bundesweit üblich war. In der Folgezeit sei es im Interesse der Patienten und ihrer Angehörigen gelungen, die ambulanten und teilstationären Behandlungsansätze konsequent weiterzuentwickeln. „Dass der Bamberger Hof heute den Beinamen ´Klinik ohne Betten` trägt und sich viele Experten aus dem In- und Ausland für unsere innovativen Behandlungsangebote interessieren, erfüllt uns daher mit Stolz“, sagte Diethelm.
30 Jahre Bamberger Hof – Wichtige Etappen
- 1975: Die gesellschaftlich breit diskutierte Psychiatrie-Enquete fordert ein völlig neues Verständnis von psychiatrischer Behandlung: Aus den Anstalten sollen zeitgemäße, gemeindenahe Krankenhäuser werden. Teilstationäre und ambulante Behandlungsangebote sollen zu Lasten stationärer Kapazitäten ausgebaut werden.
- 1976: Der Bamberger Hof nimmt seine Arbeit als wichtiges Reformprojekt der psychiatrischen Versorgung auf: In Niederrad entsteht für die Frankfurter Bevölkerung die erste Außenstelle eines Psychiatrischen Krankenhauses mit voll- und teilstationärem Angebot in Hessen. Im Waldkrankenhaus Köppern werden Betten abgebaut.
- 1979: Anerkennung als allgemeine psychiatrische Behandlungsstätte mit 51 stationären Plätzen und teilstationärem Angebot.
- 1981: Die Klinik erhält eine Tages- und eine Nachtklinik mit jeweils 15 Plätzen.
- 1991: Zur ambulanten Versorgung wird eine Institutsambulanz eröffnet.
- 1992: Weitere in Frankfurt geschaffene stationäre Plätze stellen die Zukunft des Bamberger Hofes in Frage, mit den Krankenkassen als Kostenträger beginnen langwierige Verhandlungen.
- 1999: Nach Abschluss der Verhandlungen erlässt das Hessische Sozialministerium einen modifizierten Feststellungsbescheid, nach dem die stationären Plätzen entfallen. Die Tagesklinik wird auf 25 Plätze aufgestockt.
- 2000: Mit dem Start des Projektes „Ambulante Psychiatrische Akutbehandlung zu Hause (APAH)“ beweist der Bamberger Hof erneut seine Innovationskraft: Unter Verzicht auf eine stationäre Aufnahme erhalten Patienten eine psychiatrische Akutbehandlung in ihrer häuslichen Umgebung.
- 2003: Verhandlungen mit den Kostenträgern ergeben, dass die erfolgreiche APAH fortgesetzt werden soll, jedoch wird die Nachtklinik geschlossen. Die veränderten Kapazitäten ziehen den Umzug des Bamberger Hofes in den Oeder Weg im Frankfurter Nordend nach sich.
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