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19.12.2006
Fachtagung beleuchtet Veränderungen beim Betreuten Wohnen behinderter Menschen
Kassel/Fulda (lwv): In Fulda haben sich gestern rund 70 Teilnehmer/innen einer Fachtagung mit den Folgen der Selbstbeteiligung an den Kosten des Betreuten Wohnens behinderter Menschen beschäftigt. Die ab dem 1. Juli 2005 vorgenommene Einkommens- und Vermögensüberprüfung durch den LWV als Kostenträger wurde durch den zum 1. Januar 2005 in Kraft getretenen 12. Teil des Sozialgesetzbuches (SGB XII) erforderlich.
In der Folge dieser Überprüfung kam es zu zahlreichen Abmeldungen aus dieser ambulanten Hilfeform: Von Januar bis Juli 2005 sank die Zahl der Nutzer des Betreuten Wohnens, die im Leistungsbezug des LWV stehen, von 7.134 auf 6.424 Menschen, was einem Rückgang von durchschnittlich rund 10 % entsprach. Bei der Gruppe der seelisch behinderten Menschen schieden von 3.664 Menschen 542 aus dem Betreuten Wohnen aus. Der Rückgang betrug hier rund 15 %.
Aus Verantwortung diesem Personenkreis gegenüber hat der LWV die Fachhochschule Wiesbaden mit einer Studie beauftragt, in der es um die Gründe der Abmeldung und um die gegenwärtige Lebenssituation der Betroffenen ging. Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild der Veränderungen. Veranstalter der Tagung war neben dem LWV die LAG Wohnen (Zusammenschluss der Leistungsanbieter im Betreuten Wohnen) und die FH Wiesbaden.
In schriftlichen und mündlichen Interviews wurden ausgeschiedene Nutzer – vorrangig seelisch behinderte Menschen – von Prof. Dr. Reinhard Peukert und seinem Team zu den Erfahrungen befragt, die sie im Betreuten Wohnen und nach dem Ausscheiden sammeln konnten. Darin erhielt das Betreute Wohnen überwiegend sehr gute Noten. Es wird von den Nutzern als geeignete Hilfestellung empfunden und unterstützt sie in ihrem Bestreben nach einer weitgehend eigenständigen Lebensführung. Rund 12 % der Befragten sahen in der Überprüfung der finanziellen Situation einen Anlass, künftig auf eigenen Füßen stehen zu wollen. Als positive Gründe für die Abmeldung führten sie heran, sich wohl zu fühlen und das Betreute Wohnen nicht mehr zu benötigen.
Rund 25 % der Befragten schieden – aus finanziellen Gründen – vorschnell aus dem Betreuten Wohnen aus. In vielen Fällen wurden diese Abmeldungen durch unzureichende Information durch das nähere professionelle Umfeld befördert.
Aufgrund des wieder stärker sachlichen Blicks auf die Dinge und eines verbesserten Informationsstandes hat sich der Trend inzwischen umgekehrt: Der Zulauf zum Betreuten Wohnen ist 2006 wieder deutlich größer geworden, darunter sind auch „Rückkehrer“.