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05. April 2006

Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren: LWV-Verbandsversammlung entschuldigt sich bei damaligen Heimkindern für erlittene Gewalt



Kassel (lwv): „Der Landeswohlfahrtsverband Hessen spricht sein tiefstes Bedauern über die damaligen Verhältnisse in seinen Heimen aus und entschuldigt sich bei den ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohnern, die körperliche und psychische Demütigungen und Verletzungen erlitten haben.“ Einstimmig hat heute die Verbandsversammlung des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen (LWV) eine Resolution verabschiedet, durch die der Verband anerkennt, dass bis in die 70er Jahre auch in seinen Kinder- und Jugendheimen eine Erziehungspraxis stattgefunden hat, die aus heutiger Sicht erschütternd ist. Der LWV bedauert, dass vornehmlich in den 50er und 60er Jahren Kinder und Jugendliche in seinen Heimen alltäglicher physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt waren, heißt es in dem Resolutionstext, der von allen fünf Fraktionen der Verbandsversammlung getragen wird.

Bereits in den vergangenen Jahren hat der LWV dieses Thema nicht verschwiegen oder ausgeblendet – eine Haltung, die durch die Resolution unterstrichen wird: „Der LWV wird sich weiterhin offensiv mit diesem Kapitel seiner Vergangenheit auseinander setzen und sich den Fragen und Unterstützungsersuchen ehemaliger Bewohnerinnen und Bewohner stellen, sowie die in seinen Möglichkeiten liegende Unterstützung leisten.“

Beim LWV hat der Prozess der Aufarbeitung der Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren weit vor dem Beginn der jetzigen Diskussion eingesetzt: Eine unabhängige Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Münster zur sozialpädagogischen Praxis in der Heilerziehungsanstalt Kalmenhof bezog auch die Nachkriegsjahrzehnte ein. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden bereits 1988 veröffentlicht (Christian Schrapper, Dieter Sengling (Hg.): Die Idee der Bildbarkeit - 100 Jahre sozialpädagogische Praxis in der Heilerziehungsanstalt Kalmenhof, Weinheim und München 1988).

Am 13. Oktober 2004 wurde der „Verein ehemaliger Heimkinder e. V.“ im Sozialpädagogischen Zentrum Kalmenhof (SPZ) in Idstein gegründet. Bei dieser Veranstaltung und bereits zuvor haben Vertreter des LWV gemeinsam mit der Betriebsleitung des SPZ Kalmenhof den direkten Kontakt zu den ehemaligen Heimkindern gesucht und gepflegt. Auch das LWV-Archiv und die Gedenkstätte Breitenau stehen seit Jahren mit ehemaligen Heimkindern in Kontakt.

Der Verband wird weiter an dem Thema arbeiten: Am 9. Juni 2006 findet – in Zusammenarbeit mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL und der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) - im Sozialpädagogischen Zentrum Kalmenhof eine Tagung statt, bei der die Heimerziehung im Kalmenhof in den 50er und 60er Jahren, ihre Kritik und die Heimreform im Mittelpunkt stehen (Programm siehe PDF). Zu dieser Veranstaltung sind auch Mitglieder des Vereins ehemaliger Heimkinder e. V. und Vertreter sozialpädagogischer Ausbildungsstätten sowie Fachwelt und Öffentlichkeit eingeladen. Bereits jetzt liegen mehr als 150 Anmeldungen vor. Bei der Tagung soll, auf der bisherigen Diskussion aufbauend, erörtert werden, wie heute wirksame Hilfen zur Erziehung weiterentwickelt werden können, aber auch, wie das nun „historische“ Thema der Heimerziehung der 50er und 60er Jahre im öffentlichen Bewusstsein gehalten werden kann.


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