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09. Juni 2006

„Gemeinsam aus der Geschichte lernen“ – 260 Teilnehmer bei Tagung zur Heimerziehung in den Nachkriegsjahrzehnten



Kassel/Idstein (lwv): Um gemeinsam aus der Geschichte zu lernen, haben sich heute rund 260 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer Tagung in Idstein getroffen, die sich ganz der Aufarbeitung der Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren widmete. Unter den Teilnehmern der Tagung – Veranstalter waren der Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV), die Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen e. V. (IGfH) und das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL – waren zahlreiche ehemalige Heimkinder, die LWV-Landesdirektor Uwe Brückmann besonders herzlich willkommen hieß. Beflügelt durch die Publikation des SPIEGEL-Redakteurs Peter Wensierski, der während der Tagung Auszüge aus seinem Buch vortrug, findet seit Monaten eine breite gesellschaftliche Debatte über die Heimerziehung in den Nachkriegsjahrzehnten statt, die durch autoritäre und repressive Formen geprägt war. Heute gelte es, Kinder und Eltern in Einrichtungen und bei der außerfamiliären Erziehung stark zu machen. Auch müssten die Kinderrechte in der institutionalisierten Erziehung weiter ausgebaut werden, stellte Dr. Hans-Ulrich Krause, Vorsitzender der IGfH, fest.

LWV-Chef Brückmann hob hervor, dass ein Bekenntnis des Heimträgers für die ehemaligen Heimkinder von besonderem Gewicht sei und oftmals als Befreiung empfunden würde. Am 5. April 2006 habe sich die Verbandsversammlung des LWV als höchstes beschlussfassendes Gremium durch eine einstimmig angenommene Resolution bei den Heimkindern entschuldigt, sagte der LWV-Chef. In der Resolution heißt es: „Der Landeswohlfahrtsverband Hessen spricht sein tiefes Bedauern über die damaligen Verhältnisse in seinen Heimen aus und entschuldigt sich bei den ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohnern, die körperliche und psychische Demütigungen und Verletzungen erlitten haben.“

Dies sei jedoch nicht der erste Schritt des LWV zur Aufarbeitung gewesen: Als ein in der damaligen Zeit wichtiger nichtkonfessioneller Heimträger in Hessen habe er nach den von ihm mitgestalteten, einschneidenden Heimreformen Ende der 60er Jahre bereits rund 20 Jahre später die Heimerziehung kritisch untersuchen lassen und 1988 durch eine umfangreiche Veröffentlichung dokumentiert, sagte der LWV-Chef und verwies auf den Beitrag Prof. Schrappers, einer der Autoren der Studie. In den vergangenen zwei Jahren habe es mehrere Treffen und regelmäßige Kontakte mit früheren Heimkindern sowie eine intensive Zusammenarbeit mit dem „Verein ehemaliger Heimkinder“ (VEH) gegeben. Der LWV unterstütze Menschen, die Informationen über ihren Heimaufenthalt benötigen, auch bei der Suche nach weiterführender Hilfe.

Die Tagung habe Chancen einer weiteren Aufarbeitung dieser Phase öffentlicher Erziehung eröffnet, resümierte Brückmann, die Verantwortlichen hätten zahlreiche Hinweise mitnehmen können, wie das nun „historische“ Thema der Heimerziehung der 50er und 60er Jahre weiter im öffentlichen Bewusstsein gehalten werden könne.

Einen Überblick über „Kontinuität und Wandel“ in der öffentlichen Heimerziehung hatte LWV-Archivarin Dr. Christina Vanja in ihrem Beitrag gegeben. Im 19. und 20. Jahrhundert habe die Versorgung kranker und sozial auffälliger Menschen in Institutionen dominiert, in der Nachkriegszeit hätten sich in den Fürsorgeeinrichtungen starre und hierarchische Strukturen halten können. Letztlich habe das Zusammentreffen von unzufriedenen Heiminsassen und aufbegehrender akademischer Jugend die öffentliche Aufmerksamkeit geschaffen, um in den 70er Jahren die grundlegenden Reformen im Heimbereich in Gang zu setzen. So seien auch diese Einrichtungen Teil einer sozialen und demokratischen Gesellschaft geworden.



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(Fotos: LWV-Pressestelle)


| Bild: von links: Bürgermeister Gerhard Krum, Idstein; Landesdirektor Uwe Brückmann; Hans-Peter Junge, Verein ehemaliger Heimkinder e. V.
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Foto 1
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| Bild: Blick ins Publikum
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| Bild: Spiegel-Redakteur Peter Wensierski und Publikum
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Foto 2
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| Bild: Blick ins Publikum
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Foto 4
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Foto 1: von links Bürgermeister Gerhard Krum, Idstein; LWV-Landesdirektor Uwe Brückmann; Heinz-Peter Junge, Verein ehemaliger Heimkinder e. V.

Foto 2: Spiegel-Redakteur Peter Wensierski und Publikum

Fotos 3 und 4: Blick ins Publikum