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20.05.2008

Von „Hohen Hospitälern“ zu „Zentren für Soziale Psychiatrie“ – Stiftung der Hospitäler vor 475 Jahren begründet Psychiatrie und Behindertenhilfe in Hessen als öffentliche Aufgabe – LWV feiert Jubiläum

| Bild: Teilnehmer der Feierstunde vor dem Philippstein in der Hainaer Klosterkirche
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Kassel/Haina (lwv): Mit einer Festveranstaltung in der Klosterkirche des Zentrums für Soziale Psychiatrie Haina hat heute der Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV) an die Gründung der Hohen Hospitäler vor 475 Jahren erinnert. Landgraf Philipp von Hessen hatte 1533 und in den Folgejahren – europaweit einmalig - auf hessischem Territorium vier Hospitäler für kranke, bedürftige und behinderte Menschen aus der Landbevölkerung gestiftet. Er gilt als Schöpfer einer „gezielten und flächenbezogenen Sozialpolitik“ und sei bis heute Vorbild für eine Politik, die nie Solidarität und gesellschaftliche Teilhabe von behinderten und kranken Menschen aus dem Blick verloren habe, unterstrich LWV-Landesdirektor Uwe Brückmann vor rund 200 Festgästen.


Die Hospitalsgründungen Philipps, so Brückmann, markierten eine bis heute andauernde Kontinuität, die nur durch steten Wandel habe gesichert werden können: In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei beispielsweise das undifferenzierte Nebeneinander von Menschen mit unterschiedlichen Krankheitsbildern, Lebensaltern und Lebenslagen in den Heilanstalten fachlich spezialisierten Angeboten in den neuen Psychiatrischen Krankenhäusern gewichen. Heute gelte es, das Leistungsangebot weiter zu verfeinern sowie stationäre, teilstationäre und ambulante Leistungen im Sinne einer integrierten Versorgung der Patienten noch stärker zusammenzuführen. Als Klinikträger habe sich der LWV mit Gründung der LWV-Gesundheitsmanagement GmbH zum Jahresbeginn auf Wettbewerb und wachsenden Kostendruck durch die Gesundheitsreformen vorbereitet: „Eine lange und sehr arbeitsintensive Wegstrecke liegt hinter uns, die wir – auch dank des Verantwortungsbewusstseins der vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Krankenhäusern – zu einem guten Abschluss geführt haben. Die Umstrukturierungen waren notwendig, um ein modernes und patientenorientiertes Angebot zu schaffen – damit wir den 475 Jahren noch viele weitere Jahrzehnte und Jahrhunderte hinzufügen können“, sagte der LWV-Chef.

Eine „entscheidende Traditionslinie“ zwischen den Hospitälern aus der Zeit Philipps und den heutigen Zentren für Soziale Psychiatrie sah der Hauptredner der Veranstaltung, Prof. Dr. Gerhard Aumüller, Universität Marburg, darin, „dass das eigentliche Ziel, nämlich die ausschließliche Verwendung der Finanzmittel zum Besten der Armen und Kranken stets Vorrang hatte vor dem, was man heute als Renditesteigerung bezeichnet.“ In seinem Beitrag arbeitete Aumüller Marksteine der Finanz- und Verwaltungsgeschichte der Hohen Hospitäler heraus. Die beispielhafte Traditionspflege beim LWV habe es dabei ermöglicht, die Geschichte der hessischen Hohen Hospitäler genau zu erforschen: „Glücklicherweise haben wir sehr genaue Kenntnisse über die Verwaltung der Hohen Hospitäler und ihre verschiedenen Finanzierungsquellen.“ Die Untersuchungen hätten gezeigt, dass in den Hospitälern der Neuzeit durchaus so etwas wie ein „Krankenhaus-Management“ praktiziert worden sei. „Heute für diesen Sektor wesentliche Begriffe wie ‚Leitbild’, Controlling’ und ‚Kommunikation’ haben in bestimmter Weise von Anfang an in der Verwaltung der Hospitäler eine große Rolle gespielt.“ So hätten sich einige Obervorsteher als vom Landesherrn bestellte oberste Leitungsbeamte äußerst geschickt bei der Ausschöpfung der finanziellen Ressourcen gezeigt, zumal sie ihre Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung der „Hospitaliten“ aus eigenen Quellen bestreiten mussten. Dazu stand ihnen vornehmlich landwirtschaftlicher Grundbesitz zur Verfügung.

Hintergrund
Von den „Hohen Hospitälern“ zu den „Zentren für Soziale Psychiatrie“

Am 26. August 1533 stiftet Landgraf Philipp von Hessen die Hohen Hospitäler zu Merxhausen (heute: Zentrum für Soziale Psychiatrie Kurhessen) und zu Haina (heute: Zentrum für Soziale Psychiatrie Haina). Das Hospital zu Hofheim (heute: Zentrum für Soziale Psychiatrie Philippshospital, Riedstadt) entsteht am 20. Juni 1535. Am 13. November 1542 wird das Hospital zu Gronau begründet. Letzteres besteht seit dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr. Ab dem 19. Jahrhundert werden die Hospitäler als Landesheilanstalten geführt, die Psychiatrie entwickelt sich als medizinisches Fach. Während der NS-Zeit sind die Heilanstalten in das System der menschenverachtenden „Euthanasie“-Verbrechen eingebunden. Mit seiner Gründung 1953 übernimmt der LWV die Trägerschaft der Heilanstalten und wandelt sie in den 1960er Jahren in Psychiatrische Krankenhäuser um. Vor zehn Jahren gründet der LWV die Zentren für Soziale Psychiatrie mit spezialisierten Kliniktypen als eigenständige Betriebszweige. Am 1. Januar 2008 übernimmt die neu gegründete LWV-Gesundheitsmanagement GmbH (LGM) die unternehmerische Verantwortung für insgesamt 12 gemeinnützige GmbHs, darunter 9 Zentren für Soziale Psychiatrie. Zurzeit befinden sich mehr als 30 fachlich eigenständige Kliniken, Wohnheime und Einrichtungen unter dem Dach der Unternehmensgruppe. Die LGM beschäftigt rund 8.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist damit größter Krankenhausträger im Bundesland Hessen.

  • Fotos von der Feierstunde ...


  • Zum Redetext Prof. Dr. Aumüller ...


  • Zum Redetext LWV-Landesdirektor Brückmann ...


  • Weitere Informationen ...