Dringend erforderlicher Werkstattausbau in Biebesheim nun gesichert – LWV übergibt Bewilligungsbescheid
Kassel/Biebesheim (lwv): Die öffentliche Finanznot macht sich auch in der Behindertenhilfe bemerkbar: Die Bundesagentur für Arbeit und das Hessische Sozialministerium haben ihre vom Werkstattbetreiber erwarteten Zuschüsse für den dringend erforderlichen Um- und Ausbau des Standorts Biebesheim der Werkstätten für Behinderte Rhein-Main e. V. gestrichen. 70 industrienahe Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen wären gefährdet gewesen, da die Arbeitsbedingungen dort auf Dauer nicht mehr zumutbar sind. Der Landeswohlfahrtsverband Hessen – Integrationsamt – wird mit Mitteln aus der Ausgleichsabgabe im Interesse des Erhalts der Arbeitsplätze die Finanzierung sicherstellen. Daher herrschte bei Verantwortlichen und Mitarbeitern der Werkstätten für Behinderte Rhein-Main e. V. Erleichterung, als heute LWV-Landesdirektor Lutz Bauer dem Geschäftsführer des Vereins, Ernst Brands, einen Bewilligungsbescheid über 1,19 Mio. € überreichte. Mit dem Betrag, den der Verein durch Eigenmittel aufstockt, können die von Bau- und Gewerbeaufsicht aufgelisteten Mängel beseitigt werden. Auch für die Produktion wird nun deutlich mehr Fläche zur Verfügung stehen.
"Dem LWV lag sehr viel daran, der Werkstatt in Biebesheim die Weiterarbeit zu ermöglichen. Schließlich hatte der Verein Ende der achtziger Jahre mit dem Werkstattbetrieb ohne öffentliche Mittel begonnen und später auch mit eigenen Mittel eine Lagerhalle errichtet. Als industrienaher Zulieferer und Dienstleister konnte der Verein immer wieder Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen sichern und im Laufe der Jahre neu schaffen. Diesen erfolgreichen Weg weiter zu gehen, dabei möchte der LWV das Unternehmen unterstützen", sagte Bauer bei der Bescheidübergabe, an der auch der Erste Kreisbeigeordnete des Kreises Groß-Gerau, Thomas Will, und Biebesheims Bürgermeister Thomas Rahner teilnahmen.
Experten hatten einen Platzbedarf von zusätzlichen 650 m² festgestellt. Produktion, aber auch Verwaltung und Versorgung finden gegenwärtig unter zum Teil unzumutbar engen Verhältnissen statt. Sanitärräume sind unterdimensioniert, Sozialräume fehlen. Die Erweiterungspläne sehen nun den Umbau der vorhandenen Bausubstanz, aber auch die Errichtung eines neuen Gebäudes für Produktionsgruppen vor. Die Werkstätten für Behinderte Rhein-Main e. V. produzieren am Standort Biebesheim vor allem für die Lufthansa AG und die Fraport AG Frankfurt. In der Schreinerei werden sog. Kükenspacer für den Lufttransport hergestellt, die Abteilung Netzreparatur sortiert und repariert gebrauchte Frachtladenetze.
Der Investitionsumfang für die Werkstattneubauten beträgt insgesamt voraussichtlich rd. 1,49 Mio. €. Neben dem Finanzierungsanteil des LWV bringen die Werkstätten für Behinderte Rhein-Main e. V. den Rest (300.000 €) als Eigenanteil auf. Der Finanzierungsanteil des LWV wird zum Teil als Zuschuss und zum Teil als Darlehen gewährt.
"Das heute geförderte Vorhaben ist nicht das einzige Projekt, welches wir mit Mitteln der Ausgleichsabgabe im Kreis Groß-Gerau unterstützen" sagte Bauer und wies darauf hin, dass seit 1990, einschließlich der nun geförderten Maßnahme, rund 2,8 Mio. € in Vorhaben in den Kreis flossen (Gesamtinvestitionssumme rund 3,9 Mio. €). Mit diesen Mitteln wurden Vorhaben verschiedener Einrichtungsträger gefördert. Aus Mitteln der Ausgleichsabgabe werden Angebote für berufstätige Behinderte gefördert – dazu gehören neben Werkstätten wie die in Biebesheim und Wohnstätten für behinderte Menschen vorrangig die Ausstattung und die Schaffung neuer behindertengerechter Arbeitsplätze in privaten und öffentlichen Unternehmen. Weitere Investitionsvorhaben würden voraussichtlich in Kürze in Rüsselsheim bei der neuen Werkstatt für Menschen mit seelischer Behinderung, einem Tochterunternehmen der Werkstätten für Behinderte Rhein-Main e. V., gefördert. Auch die Tagesförderstätte in Biebesheim soll ausgebaut werden.








