07.06.2011
175 Jahre Kasseler Ständehaus: Ausstellung zeigt Architekturgeschichte
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Zu den wenigen historisch wie kunstgeschichtlich bedeutsamen Häusern in Kassel, die den Zweiten Weltkrieg überstanden haben, gehört das Ständehaus. Jetzt wird das älteste hessische Parlamentsgebäude, zugleich erstes Neorenaissance-Bauwerk in Deutschland, 175 Jahre alt. Seit 1953 setzt der LWV Hessen die lange parlamentarische Tradition des Hauses fort. Zum Jubiläum möchte der LWV das Ständehaus stärker in der Bürgergesellschaft Kassels verankern. Den Auftakt macht eine Ausstellung, die am morgigen Mittwoch in der Kasseler Sparkasse eröffnet wird. Sie trägt den Titel: Architektur für Demokratie und Selbstverwaltung - 175 Jahre Kasseler Ständehaus.
Am Rande der Stadt ließ Kurfürst Wilhelm II. von 1834 bis 1836 ein Gebäude für die neue Ständeversammlung errichten. Er gab damit dem Druck der frühen Demokratiebewegung in Kassel nach. Bereits 1831 hatte er eine für damalige Verhältnisse fortschrittliche Verfassung erlassen.
30 Jahre war das Ständehaus Sitz des Kurhessischen Landtages. Dem schlossen sich 65 Jahre als Tagungsort der Kommunal- und Provinziallandtage an. Dann kam der Bruch: Mit Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 erstarben auch im Ständehaus Demokratie und kommunale Selbstverwaltung. „Heute ist der LWV stolz darauf, seit 1953 die demokratische Tradition des Hauses fortzusetzen“, sagt LWV-Landesdirektor Uwe Brückmann. Seit fast 60 Jahren ist der LWV wichtiger Teil der sozialen Infrastruktur. Als Kommunalverband nimmt er seine Aufgaben im Auftrag der hessischen Landkreise und kreisfreien Städte wahr.
„Rechtzeitig zum Jubiläum haben wir den ältesten Teil des Gebäudes umgebaut und hergerichtet. Wir möchten uns deutlich zur Stadt hin öffnen und hoffen, vielen kulturellen Veranstaltungen in unserem Haus ein Forum bieten zu können“, ergänzt der LWV-Chef. Das Haus ist nun barrierefrei. Auch wurden Technik und Gebäudesicherheit auf einen zeitgemäßen Stand gebracht.
Die Jubiläumsausstellung rückt erstmalig die Architektur- und Baugeschichte in den Mittelpunkt: Dargestellt werden die Positionen während der Planungsphase ab 1830, in der die Akteure über Standort und Größe des Gebäudes stritten und damit um Macht und Einfluss rangen. 1836 zog unter dem Jubel der Kurhessischen Bürgerschaft der Landtag ein. Nach der preußischen Annexion 1866 wurde dieser durch Kommunal- und Provinzparlamente abgelöst. Eine wachsende Zahl von Verwaltungsbediensteten machte 1904 bis 1906 einen Anbau erforderlich, der in Anlehnung an die Architektur des Ursprungsgebäudes hinter dem Saaltrakt errichtet wurde.
Von den Weltkriegsbombardements im Oktober 1943 war das Ständehaus weniger als andere das Stadtbild prägende Gebäude betroffen und konnte bereits in den ersten Nachkriegsjahren wiederhergestellt werden. Neues Herzstück wurde der von Arnold und Paul Bode geplante Ständesaal mit seiner charakteristischen Innenarchitektur der fünfziger Jahre. An der Nordseite wurde ein Büroflügel im zeitgenössischen Stil angebaut.
Gemeinsam mit Kassels Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel und Ingo Buchholz, dem Vorstandsvorsitzenden der Kasseler Sparkasse, wird LWV-Landesdirektor Uwe Brückmann morgen die Ausstellung eröffnen. Im Anschluss führen Gerd Fenner, Kurator der Ausstellung, und LWV-Archivarin Prof. Dr. Christina Vanja sowie Architekt Ole Creutzig durch die Ausstellung. Zur Ausstellung erscheint ein Buch mit gleichem Titel.
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Daten zur AusstellungDie Ausstellung „Architektur für Demokratie und Selbstverwaltung – 175 Jahre Kasseler Ständehaus“ zeigt auf insgesamt 18 Tafeln die entscheidenden Etappen bei Planung, Bau und Erweiterung des historischen Bauwerkes. Die Schau wird durch Originalexponate und zahlreiche Reproduktionen ergänzt. Sie wird morgen, am 8. Juni 2011, um 19 Uhr in der Kasseler Sparkasse, Wolfsschlucht 9, eröffnet und ist dort bis zum 30. Juni zu sehen. Öffnungszeiten: Montags, mittwochs und freitags von 9 bis 16 Uhr, dienstags und donnerstags 9 bis 18 Uhr. Anschließend wird die Ausstellung in Auszügen in der Schaustelle des Stadtmuseums in der Wilhelmstraße zu sehen sein. Zur Museumsnacht am 3. September kann sie von 12 bis 1 Uhr nachts im Ständesaal besucht werden.
Buch zur Ausstellung Ein die Ausstellung begleitendes Buch ist ab sofort erhältlich: Gerd Fenner, Christina Vanja (Hg.): Architektur für Demokratie und Selbstverwaltung. 175 Jahre Ständehaus, Kassel: euregio-Verlag 2011, 170 S., 143 Abb. (Historische Schriftenreihe des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, Quellen und Studien Band 15)
Tag der offenen Tür und FamilienfestAm 3. September 2011, zur Kasseler Museumsnacht, lädt der LWV zu einem Tag der offenen Tür ein. Von 12 bis 17 Uhr gibt es Aktionen für Alt und Jung im und um das Ständehaus. Auf der Bühne sind die Band Jukas aus dem Diakoniezentrum Hephata sowie die Klosterspiele Merxhausen zu sehen. Ab 17 Uhr ist das Haus für alle Besucher/innen der Museumsnacht bis 1 Uhr geöffnet. Von 14 bis 22 Uhr finden zu jeder vollen Stunde Führungen durch das Ständehaus statt. Neben der Ausstellung zur Architekturgeschichte ist die Kunstausstellung „Poesie und Ausdruckskraft – Neue Bilder der EVIM Behindertenhilfe Wiesbaden“ zu sehen.