LWV, Stadt und Landkreis Marburg starten gemeinsames hessisches Pilotprojekt in der Behindertenhilfe
Sperrfrist: 26. Mai 2004, 14 Uhr
Kassel/Marburg (lwv): "Neustrukturierung der Behindertenhilfe für Menschen mit körperlicher Behinderung im Landkreis Marburg-Biedenkopf und der Stadt Marburg" lautet die offizielle Bezeichnung eines Pilotprojektes, mit dem u. a. persönliche Budgets für Menschen mit körperlicher Behinderung in der Region erprobt werden sollen. Unter persönlichen Budgets versteht man regelmäßige Geldzahlungen, die es Menschen mit Behinderungen ermöglichen sollen, notwendige Unterstützungsleistungen selbst zu organisieren und zu bezahlen. Das persönliche Budget als sozialpolitische Neuerung ist im Sozialgesetzbuch IX verankert. Das Pilotprojekt, das Anfang Mai gestartet wurde, stellten heute für die beteiligten Partner der Erste Beigeordnete des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen (LWV), Uwe Brückmann; der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Dr. Karsten McGovern, und Stadtrat Dr. Franz Kahle sowie die Fachbereichsleiterin Soziales der Stadt Marburg, Sonja Volkert, und Carola Ewinkel, Mitglied des Stadt-Behindertenbeirates, vor. "In der geplanten Erprobung persönlicher Budgets sehen wir die Chance, Menschen mit körperlicher Behinderung eine selbstständigere Lebensführung zu ermöglichen. Zugleich wollen wir eine bedarfsgerechtere Hilfe leisten, als dies im Rahmen der bisherigen standardisierten Vollversorgung im stationären Bereich oft der Fall war", so Uwe Brückmann, Erster Beigeordneter des LWV.
Ziel des Projektes ist, die Struktur der Hilfe für Menschen mit einer körperlichen Behinderung in der Stadt und im Landkreis Marburg nach dem Grundsatz "ambulant vor stationär" weiter zu entwickeln und damit auch die Zusammenarbeit der Sozialhilfeträger neu zu gestalten. "Mit dem persönlichen Budget wird ein weiterer Schritt des Paradigmenwechsels in der Behindertenhilfe von der Rehabilitation zur Selbstbestimmung vollzogen. Die institutionsbezogene Hilfegewährung wird durch eine personenzentrierte Bedarfsdeckung ersetzt und ein Rollenwechsel vom abhängigen Klienten zum Hilfe einkaufenden Kunden möglich", erläutert der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern. Um dieses Ziel zu erreichen, haben der LWV als überörtlicher Sozialhilfeträger, der Landkreis Marburg-Biedenkopf und die Stadt Marburg als örtliche Träger eine Vereinbarung zum Pilotprojekt abgeschlossen. Die entsprechende Vereinbarung legt die Ziele, den Projektablauf und die Grundlagen der Zusammenarbeit fest. So soll in vier Schritten bis Ende 2007 ein Konzept erarbeitet und in der Praxis erprobt werden. "Bisher sind von der Vereinbarung nur die Leistungsansprüche körperlich behinderter Menschen erfasst; wir würden es sehr befürworten, wenn eine entsprechende Regelung in naher Zukunft auch für geistig behinderte Menschen getroffen werden könnte", so der Marburger Sozialdezernent
Dr. Franz Kahle.
Bis zum 31.12. 2007 sollen die Angebotsstrukturen zur Versorgung von Menschen mit körperlicher Behinderung im Landkreis Marburg-Biedenkopf und in der Stadt Marburg erhoben und ggf. ergänzt werden und Verfahren der individuellen Hilfebedarfsfeststellung und die Bemessung der persönlichen Budgets entwickelt werden. Erprobt werden soll u. a. auch, ob Verwaltungsvereinfachungen erreicht werden können und wie sich persönliche Budgets auf die Sozialhilfeausgaben auswirken.








