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Publikation von LWV & Vitos

Der NS-Krankenmord in hessischen Anstalten


Titelseite der neuen Broschüre "GESCHICHTE UND GEDENKEN"

Titelseite der neuen Broschüre "GESCHICHTE UND GEDENKEN" über den NS-Krankenmord in hessischen Psychiatrien und Heilerziehungsheimen

02.09.2019

Kassel/Riedstadt: Der Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen gibt gemeinsam mit Vitos eine Broschüre zu den "Euthanasie"-Verbrechen der NS-Zeit heraus. In der Publikation GESCHICHTE UND GEDENKEN wird die Beteiligung der zwölf hessischen Landesheilanstalten am Krankenmord dargestellt. Aus diesen Einrichtungen sind später die heutigen Vitos-Einrichtungen hervorgegangen. Vier exemplarische Opferbiografien verdeutlichen, wie es Menschen erging, die nach der nationalsozialistischen Ideologie als "lebensunwert" galten. Die Leserinnen und Leser finden Informationen zu den unterschiedlichen Formen des Gedenkens in den einzelnen Einrichtungen und weiterführende Lektüreempfehlungen. Ein knapper Abriss über die politischen Rahmenbedingungen und die bürokratische Abwicklung erleichtert die historische Einordnung.

Vor achtzig Jahren ermächtigte Adolf Hitler mit einem Schreiben an seinen Begleitarzt Brandt willfährige Mediziner dazu, Psychiatrie-Patienten und Menschen mit Behinderungen zu ermorden. Das Schreiben datierte er selbst auf den 1. September zurück und stellte damit einen Zusammenhang zum am 1. September 1939 erfolgten Überfall der Wehrmacht auf Polen her. Dem "Krieg nach außen" sollte der "Krieg nach innen" folgen, die systematische Vernichtung von Menschen, die nicht mit der Nützlichkeitsideologie der Nationalsozialisten übereinstimmten.

"LWV und Vitos sind sich der bleibenden Verantwortung bewusst, über die Ermordung kranker und behinderter Menschen aufzuklären", begründet Susanne Selbert, Landesdirektorin des LWV Hessen, die neue Publikation. "Es gibt kaum noch Zeitzeugen, die aus eigener, unmittelbarer Erfahrung über die Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten berichten können, deshalb müssen wir andere Wege finden, das Bewusstsein für diese ungeheuerlichen Geschehnisse wachzuhalten." Insbesondere die vier Opferbiografien seien dazu geeignet. "Sie zeigen, was es für konkrete Menschen, für ihre Familien, für ihre Lebenssituation bedeutete, wenn sie in dieser Zeit in die Psychiatrie kamen. So werden hinter den Opferzahlen die betroffenen Menschen sichtbar."

GESCHICHTE UND GEDENKEN soll allen Interessierten einen ersten, knappen Überblick über die Geschehnisse in den historischen Einrichtungen Hessens verschaffen. Möglichkeiten für eine vertiefte Auseinandersetzung bieten Besuche in der Gedenkstätte Hadamar sowie an Gedenkorten auf dem Gelände der Vitos Einrichtungen.

"Unsere wichtigste Zielgruppe für die Broschüre sind unsere eigenen Mitarbeiter", sagt dazu Reinhard Belling, Geschäftsführer der Vitos GmbH, die als strategische Holding die Vitos Einrichtungen steuert. "Unsere Beschäftigten müssen wissen, was an ihrem Arbeitsort geschehen ist. Ihnen sollte verständlich werden, dass die Werte, die LWV und Vitos vertreten, auch eine Antwort auf die Entwertung menschlichen Lebens in der NS-Zeit sind und dass uns dieses schreckliche historische Erbe zu besonderer Sensibilität gegenüber unseren Patienten und Bewohnern verpflichtet."

Die Broschüre ist der Öffentlichkeit im Rahmen einer zentralen Gedenkstunde von LWV und Vitos am 1. September bei Vitos Riedstadt vorgestellt worden.


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