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Walter-Picard-Preis

Engagement für psychisch kranke Menschen


Walter Picard (Foto: Deutscher Bundestag)

Walter Picard (Foto: Deutscher Bundestag)

03.02.2020

Kassel (lwv): Gisela Petersen aus Darmstadt und der Emstaler Verein e.V. aus Wolfhagen erhalten den diesjährigen Walter-Picard-Preis des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) Hessen. So hat es der LWV-Verwaltungsausschuss jetzt beschlossen. "Beide Preisträger engagieren sich, um psychisch kranken Menschen und ihren Angehörigen eine Perspektive für den Alltag zu geben", so LWV-Landesdirektorin Susanne Selbert. "Dafür wenden viele Menschen große Energie auf, was nicht selbstverständlich und einer Auszeichnung würdig ist." Die Sieger teilen sich den mit 5.000 Euro dotierten Preis. Er wird am 10. März, dem zwanzigsten Todestag des hessischen Sozialpolitikers Walter Picard, um 14 Uhr im Kasseler Ständehaus überreicht. Die Vorauswahl aus 31 eingereichten Vorschlägen traf ein Komitee, dem Vertreter des LWV und Experten aus der psychiatrischen Praxis angehörten.

Das Engagement von Gisela Petersen begann vor mehr als 25 Jahren, als einer ihrer Söhne während des Studiums psychisch erkrankte. Einige Zeit versuchte die Familie allein damit klarzukommen, bevor sie Unterstützung in der Selbsthilfebewegung suchte und Gisela Petersen 2001 dem Ortsverband Darmstadt der Angehörigen psychisch Kranker e.V. beitrat. 2005 wurde sie zur Vorsitzenden des Vorstands gewählt. Der Verein kümmert sich vorwiegend um die Angehörigen der kranken Menschen, die besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Gruppentreffen und Erfahrungsaustausch sollen dazu beitragen, die Erkrankung des Familienmitgliedes zu akzeptieren und sich gegenseitig im Alltag zu unterstützen. Darüber hinaus setzt Gisela Petersen sich ebenfalls dafür ein, bestehende Vorurteile gegenüber psychisch kranken Menschen und deren Diskriminierung abzubauen. Sie organisiert Tagungen und vertritt die Interessen Angehöriger in verschiedenen regionalen und überregionalen Gremien wie beispielsweise im Stiftungsbeirat der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie e.V. Darüber hinaus ist sie von Beginn an im Vorstand des Vereins Psychiatrischer Notdienst Darmstadt aktiv und gründete 2010 eine unabhängige trialogisch besetzte (Betroffene, Angehörige, Fachleute) Beschwerde- und Vermittlungsstelle. Der Emstaler Verein wurde 1986 unter anderem von engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des damaligen Psychiatrischen Krankenhauses Merxhausen, heute Vitos Kurhessen, gegründet. Sie wollten mit ambulanten Angeboten eine Alternative zur stationären Langzeitbetreuung schaffen. Nach wie vor will der Verein den Alltag von Menschen mit einer seelischen Behinderung durch individuelle Unterstützungsangebote verbessern, um ihnen ein selbstständiges Leben in ihrem sozialen Umfeld zu ermöglichen. Als Träger gemeindepsychiatrischer Angebote arbeitet der Verein mit anderen in einem psychosozialen Netzwerk zusammen, um den Betroffenen beispielsweise die Möglichkeiten von betreutem Wohnen, ambulanten Hilfen sowie einem Teilhabezentrum mit einem Café zu öffnen. Das Café ist ein inklusiver Ort, denn es gibt dort Beschäftigungsmöglichkeiten für psychisch kranke Menschen, die durch ihre Mitarbeit soziale Ängste abbauen und sich bei der Arbeit erproben können.

Walter-Picard-Preis

Der von der LWV-Verbandsversammlung 2001 ins Leben gerufene Walter-Picard-Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Er wird alle zwei Jahre für besonders nachahmenswertes ehrenamtliches Engagement oder professionelle Projekte in der hessischen Gemeindepsychiatrie vergeben. Namensgeber ist der Sozialpolitiker Walter Picard aus Offenbach: Er war einer der Initiatoren der Psychiatrie-Enquête, die ab 1975 maßgeblich zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland beigetragen hat. Picard gehörte dem Bundestag an und war lange Abgeordneter der Verbandsversammlung des LWV. Ihm lag es besonders am Herzen, offene und wohnortnahe Hilfen für psychisch kranke Menschen zu schaffen. Auch für die Stärkung von Selbsthilfe-Projekte setzte sich Picard ein. Der Walter-Picard-Preis wird in diesem Jahr zum zehnten Mal vergeben.


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