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Walter-Picard-Preisverleihung

Ehrenamtliche Arbeit ausgezeichnet


Preisverleihung Walter-Picard-Preis

Preisübergabe Walter Picard-Preis (v.l.): Geschäftsführer Armin Schomberg für den Preisträger Emstaler Verein e.V., LWV-Landesdirektorin Susanne Selbert und Preisträgerin Gisela Petersen. (Foto: Uwe Zucchi)

10. 03.2020

Kassel (lwv): Gleich zwei Preisträger erhalten in diesem Jahr den Walter-Picard-Preis des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) Hessen: LWV-Landesdirektorin Susanne Selbert überreichte heute den mit insgesamt 5.000 Euro dotierten Preis an Gisela Petersen aus Darmstadt und an Geschäftsführer Armin Schomberg für den Emstaler Verein e.V. aus Wolfhagen. "Beide Preisträger engagieren sich bereits über einen sehr langen Zeitraum, um psychisch kranken Menschen und ihren Angehörigen eine Perspektive für den Alltag zu eröffnen", so Susanne Selbert. "Die Kontinuität, auch von ehrenamtlichen Angeboten, verleitet uns dazu, sie als selbstverständlich hinzunehmen. Gerade heute wollen wir betonen, dass es das nicht ist und wir das große Engagement vieler in den unterschiedlichsten Initiativen sehen und wertschätzen."

Das Engagement von Gisela Petersen begann vor mehr als 25 Jahren, als einer ihrer Söhne während des Studiums psychisch erkrankte. Zunächst versuchte die Familie allein damit klarzukommen, suchte dann Unterstützung in der Selbsthilfebewegung und Gisela Petersen trat 2001 dem Ortsverband Darmstadt der Angehörigen psychisch Kranker e.V. bei. 2005 wurde sie zur Vorsitzenden des Vorstands gewählt. Der Verein kümmert sich vorwiegend um die Angehörigen der kranken Menschen, die besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Gruppentreffen und Erfahrungsaustausch sollen dazu beitragen, die Erkrankung des Familienmitgliedes zu akzeptieren und sich gegenseitig im Alltag zu unterstützen. Darüber hinaus setzt Gisela Petersen sich ebenfalls dafür ein, bestehende Vorurteile gegenüber psychisch kranken Menschen und deren Diskriminierung abzubauen. Sie organisiert Tagungen und vertritt die Interessen Angehöriger in verschiedenen regionalen und überregionalen Gremien wie beispielsweise im Stiftungsbeirat der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie e.V. Darüber hinaus ist sie von Beginn an im Vorstand des Vereins Psychiatrischer Notdienst Darmstadt aktiv und gründete 2010 eine unabhängige trialogisch besetzte (Betroffene, Angehörige, Fachleute) Beschwerde- und Vermittlungsstelle. "Ein vertrauensvolles und wertschätzendes Klima sowie die Hoffnung auf eine positive Entwicklung ist der Nährboden für die gemeinsame Arbeit aller am Prozess beteiligten Gruppen", sagte Gisela Petersen bei der Preisverleihung.

Der Emstaler Verein wurde 1986 unter anderem von engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des damaligen Psychiatrischen Krankenhauses Merxhausen, heute Vitos Kurhessen, gegründet. Sie wollten mit ambulanten Angeboten eine Alternative zur stationären Langzeitbetreuung schaffen. Nach wie vor will der Verein den Alltag von Menschen mit einer seelischen Behinderung durch individuelle Unterstützungsangebote verbessern, um ihnen ein selbstständiges Leben in ihrem sozialen Umfeld zu ermöglichen. Als Träger gemeindepsychiatrischer Angebote arbeitet der Verein mit anderen in einem psychosozialen Netzwerk zusammen, um den Betroffenen beispielsweise die Möglichkeiten durch aufsuchende Hilfen, Teilhabe an Arbeit sowie Teilhabezentren mit tagesstrukturellen Angeboten und in einem inklusiven Café Perspektiven zu eröffnen. Armin Schomberg wies in seinem Beitrag bei der Preisverleihung insbesondere auf die Anfänge hin: "Wir dürfen heute auf die mutige Entscheidung von engagierten Bürgern blicken. Sie haben einen Grundstein gelegt, damit Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen zu einer Teilhabe an der Gesellschaft finden. Der Preis wertschätzt die Gründermütter und-väter, die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und natürlich alle Klientinnen und Klienten, die mit uns den Verein weiter entwickelt haben."

Die beiden Preisträger wurden aus 31 eingereichten Vorschlägen ausgewählt. Die Auswahl traf ein Komitee, dem Vertreter des LWV und Experten aus der psychiatrischen Praxis angehören. Neben der Geldprämie gehört zum Preis seit zehn Jahren ebenfalls eine individuell gefertigte Skulptur, die im Rahmen der Kunsttherapie in der forensischen Klinik in Bad Emstal gefertigt wurde.

Hintergrund

Der von der LWV-Verbandsversammlung 2001 ins Leben gerufene Walter-Picard-Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Er wird alle zwei Jahre für besonders nachahmenswertes ehrenamtliches Engagement oder professionelle Projekte in der hessischen Gemeindepsychiatrie vergeben. Namensgeber ist der Sozialpolitiker Walter Picard aus Offenbach: Er war einer der Initiatoren der Psychiatrie-Enquête, die ab 1975 maßgeblich zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland beigetragen hat. Picard gehörte dem Bundestag an und war lange Abgeordneter der Verbandsversammlung des LWV. Ihm lag es besonders am Herzen, offene und wohnortnahe Hilfen für psychisch kranke Menschen zu schaffen. Auch für die Stärkung von Selbsthilfe-Projekten setzte sich Picard ein. Der Preis wird in diesem Jahr zum zehnten Mal vergeben.


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