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Neubau Johannes-Vatter-Schule

wittfoht architekten
gewinnen Wettbewerb


Visualisierung: Jens Wittfoht Architekten, Stuttgart

Visualisierung: Jens Wittfoht Architekten, Stuttgart

19.05.2021

Kassel/Friedberg (lwv): Das Architekturbüro wittfoht architekten bda aus Stuttgart soll ein Schul- und Internatsgebäude an der Johannes-Vatter-Schule in Friedberg bauen. Der Entwurf des Büros hat den vom Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen ausgelobten Architektenwettbewerb gewonnen. Der LWV hatte sich wegen einer komplexen Gesamtlage entschieden, einen Wettbewerb auszuschreiben: Teams aus Schule und Frühförderung sind derzeit in vielen Gebäuden mit unterschiedlichstem Sanierungsbedarf auf einem großen Areal untergebracht. Zudem werden die Angebote erweitert. Durch den Neubau soll die Gesamtanlage ebenfalls neu gegliedert werden. "Die Aufgabe, den Schulraum baulich neu zu strukturieren und einen modernen Schulstandort zu schaffen, hat dieser Entwurf hervorragend gelöst", betont der LWV-Beigeordnete Dieter Schütz. "Das gilt insbesondere für Anforderungen durch die Sonderpädagogik und das Ganztagsangebot."

Das Schulareal ist von einem Zentrum geprägt, das mit der Neubebauung aufgewertet werden soll: Von außen nach innen sollen die Gebäude, dann Baumreihen stehen, die den inneren Bereich als grüne Mitte der Schulanlage einrahmen. Baumreihen markieren ebenfalls die Wege, leiten zu den Haupteingängen und bilden von der grünen Mitte einen Filter zu den betriebsamen Randbereichen. Für das neue Schul- und Internatsgebäude sind offene Strukturen über jeweils zwei Geschosse vorgesehen. Klassenräume werden sich beispielsweise zu unterschiedlichen Größen teilen oder zusammenschließen lassen.

Die Johannes-Vatter-Schule ist eine Schule mit dem Förderschwerpunkt Hören, zu der eine Interdisziplinäre Frühberatungsstelle und ein überregionales Beratungs- und Förderzentrum gehören. Die Aufgaben reichen von der Frühförderung hörbehinderter Kinder im Vorschulalter über die schulische Bildung, die Beratung und Unterstützung von Kindern mit Hörschädigungen an Regelschulen bis zur Begleitung beim Übergang in den Beruf. Die Schule bietet derzeit an drei Tagen in der Woche ein Ganztagsangebot. Ein Ausbau zur gebundenen Ganztagsschule mit Mensabetrieb an fünf Schultagen ist geplant. Derzeit werden rund 175 Schülerinnen und Schüler an der Schule vom Grundschulalter bis zur Berufsschule unterrichtet. Außerdem gibt es ein Internat. Träger der Schule ist der LWV Hessen.

Auf dem Schulgelände gibt es zurzeit 15 verschiedene Gebäude, von denen die ersten in den 1960er Jahren entstanden. Nach und nach wurden sie in den folgenden zwei Jahrzehnten durch weitere Bauten ergänzt. Einige werden nicht mehr genutzt, weil sie sanierungsbedürftig sind. Ein anderes soll für den Schulneubau abgerissen werden, ein weiteres wurde bereits für einen Neubau von Vitos Teilhabe abgerissen. Für die nun geplante Modernisierung und Ausweitung der Ganztagsbeschulung ist ein umfangreiches Sanierungs- und Neubauprogramm aufgelegt und beschlossen worden, um die Gebäude sowohl aktuelleren pädagogischen als auch baufachlichen Anforderungen entsprechend anzupassen. Es sollen unter Berücksichtigung von langfristig zu erhaltenden Gebäuden der Neubau für die Grundstufe und Vorklassen, Schulleitungs- und Verwaltungsräume und ein Internat entstehen. Eine neue Sporthalle ist perspektivisch geplant.

Nach aktuellem Planungsstand soll 2023 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Schätzungen gehen von Kosten in Höhe von rund 10 Millionen Euro aus.

Hintergrund

Der LWV hatte für den Neubau in Friedberg einen EU-weiten Architektenwettbewerb ausgelobt. Das Wettbewerbsverfahren wurde durch das Büro Niemann + Steege, Gesellschaft für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Städtebau, Städtebaurecht mbH aus Düsseldorf betreut. Nach Teilnahmebewerbung von 51 Büros wurden sechs Büros zur Bearbeitung aufgefordert. Wettbewerbsaufgabe war, "hochbauliche Lösungen zur Neustrukturierung der Liegenschaft der Johannes-Vatter-Schule unter Einbeziehen sämtlicher baulicher Strukturen und räumlich-funktionaler Anforderungen an eine zeitgemäße Bildungslandschaft im sonderpädagogischen Bereich" zu entwickeln.
Die ersten drei Platzierungen erhalten Preise, der Entwurf des Siegers soll umgesetzt werden. Die Bewertung nahm ein siebenköpfiges Gremium aus vier Fachpreisrichtern (Architekten) sowie drei Sachpreisrichtern (LWV-Mitarbeitern) bei einer Preisgerichtssitzung im Kasseler Ständehaus vor. Sie fällten eine einstimmige Entscheidung und setzten wittfoht architekten bda auf den 1. Platz, der mit 23.000 Euro dotiert ist. Dabei überzeugte sie besonders, dass die Arbeit eine räumliche Entwicklungsperspektive für den Schulstandort sei, die der innovationsfreudigen Pädagogik der Schule sehr weitreichend entgegenkomme. Den 2. Platz, dotiert mit 13.800 Euro, belegt das Büro Gössler Kinz Kerber Schippmann Architekten PartG mbB aus Berlin und Lehmann Architekten Offenburg/Berlin belegten den dritten Platz, dotiert mit 9.200 Euro.

 

Lageplan: Jens Wittfoht Architekten, Stuttgart


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