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LWV-Archiv in Hadamar

Rund 76.000 Euro für
Erhalt historischer Akten


Eine Patientenakte als Quelle der NS-Euthanasie-Verbrechen

Zentrale Quellen für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Euthanasie-Verbrechen, wie diese Patientenakte im Archiv der Gedenkstätte Hadamar, können über das Landesprogramm Bestandserhaltung konserviert werden. (Foto: Gedenkstätte Hadamar)

31.05.2022

Kassel/Hadamar (lwv): Das Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) Hessen erhält rund 76.000 Euro aus dem Landesprogramm Bestandserhaltung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. Die Mittel sind vorgesehen, um 8.045 Patientenakten der ehemaligen Landesheilanstalt Hadamar reinigen, konservatorisch bearbeiten und altersbeständig verpacken zu lassen. Die Förderung deckt 80 Prozent der Kosten, die restlichen 20 Prozent finanziert der LWV mit Eigenmitteln.

Die in der Außenstelle des Archivs in der Gedenkstätte Hadamar gelagerten Akten stammen aus dem Zeitraum 1890 bis 1955. Sie enthalten auch zentrale Quellen für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Euthanasie-Verbrechen in Hessen. Der Bestand dokumentiert, wie psychisch kranke und behinderte Menschen in der so genannten dezentralen Euthanasie durch Medikamente und Hungerkost ermordet worden sind.

Die Akten sollen gereinigt, von Metall wie Heftklammern befreit und fachgerecht in säurefreien Kartonagen verpackt werden. Das trägt wesentlich dazu bei, dass historisch und gesellschaftlich wichtiges Archivgut aus der NS-Zeit erhalten bleibt und die Geschichten der Opfer nicht vergessen werden. Die Akten enthalten neben Aufnahmebögen, Krankengeschichten und Berichten in der Regel auch Fotografien, Briefe von Angehörigen, Ausweise, Fieberkurven und Gewichtstabellen. Insgesamt hat der Bestand einen Umfang von 58 laufenden Metern.

Das Landesprogramm zur Förderung von Maßnahmen zum Erhalt des schriftlichen Kulturguts in Hessen (Landesprogramm Bestandserhaltung) 2022 wurde vom Land Hessen aufgelegt. Ziel ist,  zum Originalerhalt von Schriftgut beizutragen, um so dem drohenden und bereits fortschreitenden Verlust des kulturellen Gedächtnisses in den Archiven und Bibliotheken entgegenzuwirken. Hier haben bereits Säurefraß, Schimmelbildung oder auch Verschmutzungen viele Originale beschädigt, anderes Schriftgut ist bedroht.


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