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Kalmenhof-Krankenhaus

Beschlüsse zur Zukunft gefasst


Kalmenhof-Krankenhaus auf einer Postkarte um 1930

Kalmenhof-Krankenhaus auf einer Postkarte um 1930. Quelle: LWV-Archiv, F81 Nr. 479

09.09.2022

Kassel. Das historische Gebäude Kalmenhof-Krankenhaus wird von der Vitos Rheingau gGmbH an die Vitos Teilhabe gGmbH übertragen. Die Räume im Dachgeschoss werden dem Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen überlassen. Das sind zwei Kernpunkte der Beschlüsse, die jetzt im Aufsichtsrat und der Gesellschafterversammlung der Vitos gGmbH sowie im Verwaltungsausschuss des LWV Hessen gefasst wurden und zur Umsetzung eines Gedenk- und Lernortes im Gebäude des ehemaligen Kalmenhof-Krankenhauses erforderlich sind. Damit können die Planungen zur Sanierung des Gebäudes und die konzeptionelle Umsetzung auf den Weg gebracht werden.

Geplant ist, dass der LWV im Dachgeschoss des ehemaligen Kalmenhof-Krankenhauses einen Gedenkort einrichtet. Hier befand sich während der NS-Zeit die sogenannte „Kinderfachabteilung“, wo nachweislich unzählige Kinder getötet worden sind. Dieser authentische Ort ist aus historischer und gedenkkultureller Sicht besonders bedeutend. In den übrigen Geschossen des Gebäudes wurden ebenfalls nachweislich Menschen getötet. Das wird bei allen Planungen wie auch dem sukzessiven Ausbau dieser Geschosse berücksichtigt. So wird die Sanierung des Gebäudes in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege erfolgen. Die zukünftige Nutzung wird den Empfehlungen des Kalmenhof-Gremiums folgen und der besonderen Geschichte des gesamten Gebäudes Rechnung tragen. Dies gilt auch für die beiden Geschosse des Gebäudes, die künftig von Vitos Teilhabe genutzt werden. "Vitos ist es sehr wichtig, die Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit wachzuhalten. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen heute auf allen Ebenen für Inklusion und gegen Ausgrenzung. So gilt es, dass insbesondere die Jugend- und Behindertenhilfe in Idstein das Erinnern mit einer Nutzung verbindet, die den aktuellen Aufgaben und zugleich dem historischen Kontext  gerecht wird", so Reinhard Belling, Vorsitzender der Vitos Konzerngeschäftsführung.

Um das Areal im Rahmen einer Gesamtkonzeption zu verbinden, sind für den geplanten Gedenk- und Lernort Kalmenhof zwei aufeinander bezogene Ausstellungen im Gebäude und im Außengelände vorgesehen, die sich über drei historische Orte erstrecken und über ein Wegesystem miteinander verbunden werden. Das umgebende Gelände mit der ehemaligen Liege- bzw. Leichenhalle und das als Gedenklandschaft zu entwickelnde Grabgelände werden dabei einbezogen.

Bei der Entwicklung und dem anschließenden Betrieb des Gedenk- und Lernortes greifen LWV und Vitos auf die Kompetenz der Gedenkstätte Hadamar zurück. Die Gedenkstätte Hadamar ist als Gedenkort, Zentrum für die wissenschaftliche Aufarbeitung der NS-Verbrechen sowie für ihre pädagogische Arbeit bundesweit anerkannt.
Sie ist fachwissenschaftlich und gedenkstättenpädagogisch national und international vernetzt und bindet neue Erkenntnisse und Forschungsansätze in ihre Arbeit mit ein.

"Der Vandalismus auf dem Gelände in der vergangenen Zeit hat uns sehr entsetzt. Wir haben die Schäden schnellstens behoben und setzten alles daran, weiteren Vandalismus zu verhindern", so LWV-Landesdirektorin Susanne Selbert. Daher wird das Areal des ehemaligen Kalmenhof-Krankenhauses und der Liegehalle täglich kontrolliert.


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