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Gedenken an NS-Opfer

Gegen Antisemitismus und das Vergessen


Blick in die Paulskirche auf die Gäste und den Redner Peter Feldmann

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann eröffnete die zentrale hessische Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus in der Paulskirche (Foto: Stadt Frankfurt am Main/Heike Lyding)

28.01.2019

Frankfurt (lwv): "Nie wieder!" diese beiden Worte sollten als Lehre aus den Gräueltaten der Nationalsozialisten "Richtschnur unseres Handelns sein und bleiben", sagte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, der die Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus vor rund 600 Gästen gestern in der Paulskirche eröffnete. Der Hessische Städtetag richtete gemeinsam mit der Stadt Frankfurt am Main die Gedenkfeier aus. Zu den Mitveranstaltern des jährlichen landesweiten Tag des Gedenkens am 27. Januar zählen der Hessische Landtag, die Hessische Landesregierung, der Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen, der Hessische Städte- und Gemeindebund sowie der Hessische Landkreistag.

Feldmann warf in seiner Rede die Frage auf, "wie man sich aktiv erinnert", wenn man keine Augenzeugen mehr befragen könne. Es gebe bereits Initiativen, um die Erinnerung der Zeitzeugen zu bewahren. "Schon jetzt spüren wir aber auch, wie der Respekt vor der Geschichte schwindet", so Frankfurts Oberbürgermeister. "Wir erleben, wie die Shoa relativiert wird." Es gebe aber auch ermutigende Signale, insbesondere aus der jungen Generation, die sich mit großer Aufmerksamkeit und Sensibilität der Geschichte annehme.

Traumata der Überlebenden

In seiner Gedenkrede ging Prof. Dr. Salomon Korn, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, auf den Abschied der letzten Zeitzeugen und deren Vermächtnis ein. Korn ließ seine Zuhörer an den Traumata der Überlebenden des nationalsozialistischen Menschheitsverbrechens teilhaben: "Für die Überlebenden und ihre Nachkommen gibt es keinen endgültigen Abschied von Auschwitz. Der 27. Januar ist für sie ein symbolisches Datum. Wer überlebt hat, weiß, dass er sein Überleben nur dem Zufall zu verdanken hat." Viele Holocaust-Überlebende würden zeitlebens unter ihrer Rettung leiden. "Sie machen sich Vorwürfe und fühlen Scham, das eigene Überleben sei nur auf Kosten schwächerer Mithäftlinge möglich gewesen", sagte Korn.
Korn zitierte den letzten Wunsch des deutsch-tschechischen Filmregisseurs Thomas Fantl. Dieser hatte 64 Angehörige in den Konzentrationslagern verloren, seinen eigenen Erinnerungen konnte er nicht entfliehen. So wünschte er sich, man möge seine Asche in Auschwitz verstreuen - "dort bin ich gestorben". "Familie, Liebe, Beruf all das sind Ablenkungen. Doch im Alter taucht alles wieder auf, schiebt sich an die Oberfläche wie die menschlichen Knochenreste im Aschesand von Ausschwitz", mahnte Korn.

Eine Zunahme des Antisemitismus, "der sich aus den Hinterzimmern längst wieder in die Mitte der Gesellschaft traut", prangerte der Präsident des Hessischen Städtetages, Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker an. "Der Kampf gegen Antisemitismus ist eine gesamtgesellschaftliche Angelegenheit und daher nicht zuvorderst die Aufgabe der jüdischen Gemeinschaft, die Ziel und Opfer von Judenhass ist."

Historische Verpflichtung

Der Präsident des Hessischen Landtags, Boris Rhein, betonte in seiner Rede die historische Verpflichtung einer Erinnerungskultur in Deutschland, damit das Leid der Millionen Menschen durch die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht in Vergessenheit gerate. Gedenkveranstaltungen und Angebote zur historischen und politischen Bildung würden dazu beitragen, die Gräueltaten an die nachfolgenden Generationen zu vermitteln, so der Landtagspräsident.

"Unter den Teil unserer Geschichte unter dem Nationalsozialismus darf niemals ein Schlussstrich gezogen werden." Dies sagte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und mahnte, "aus den schrecklichen Ereignissen Lehren für unsere Zukunft zu ziehen".

27. Januar 1945: Tag der Auschwitz-Befreiung

Die Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus geht auf den früheren Bundespräsidenten Roman Herzog zurück. Er hatte 1996 angeregt, jeweils am 27. Januar in Erinnerung an den 27. Januar 1945, an dem die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreite an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. 2005 bestimmten die Vereinten Nationen dieses Datum zum Internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust.


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