DER INTEGRIERTE HILFEPLAN (IHP)

Im Bereich der Behindertenhilfe stehen mittlerweile zahlreiche verschiedene Leistungsangebote zur Verfügung, die sich zum Teil nur sehr gering unterscheiden. Im Falle der Antragstellung auf Unterstützungs- und/oder Förderleistungen durch den Landeswohlfahrtsverband Hessen findet der Grundsatz Anwendung: So viel Unterstützung wie nötig, aber so wenig wie möglich! Dies soll eine Überversorgung vermeiden, jedoch auch die ausreichende Unterstützung des Leistungsberechtigten sicherstellen. Ziel ist die Organisation und Finanzierung von Unterstützungs- und Förderleistungen, die speziell auf die individuellen Bedarfe des Leistungsberechtigten ausgerichtet sind.

Verfahrensablauf

Im Folgenden stellen wir den im Falle einer Antragstellung auf Sie zukommenden Verfahrensablauf vor:

Die erforderliche Ermittlung der individuellen Unterstützungs- und/oder Förderbedarfe erfolgt für die Personenkreise der körperlich behinderten Menschen sowie der HIV/AIDS-erkrankten Menschen mit dem Integrierten Hilfeplan (IHP). Der IHP wird von Einrichtungen des Betreuten Wohnens, die in dem Herkunftslandkreis/kreisfreien Stadt des Leistungsberechtigten für die betreffende Zielgruppe aktiv tätig sind, im Rahmen eines persönlichen Gespräches erstellt. An diesem Gespräch können neben Ihnen und dem Vertreter der Einrichtung weitere Personen Ihres Vertrauens teilnehmen.

Anhand des IHP wird die Situation des Leistungsberechtigten auf der Hilfeplankonferenz vorgestellt. Dies erfordert eine vom Leistungsberechtigten oder seinem gesetzlichen Vertreter unterzeichnete „Erklärung zum Schutz personenbezogener Daten“. Die Teilnehmer der Hilfeplankonferenz beraten den Sachverhalt und geben eine Empfehlung über die zu gewährenden Unterstützungs- und/oder Förderleistungen ab. Die Beratung kann anonym oder mit namentlicher Nennung des Leistungsberechtigten erfolgen. Hierüber entscheiden Sie selbst im Rahmen der „Erklärung zum Schutz personenbezogener Daten“.

Im Anschluss an die Hilfeplankonferenz trifft der Landeswohlfahrtsverband Hessen die Entscheidung über eine mögliche Leistungsgewährung und deren Umfang. Diese wird dem Leistungsberechtigten mittels Bescheid mitgeteilt.

Antrag auf Gewährung von Leistungen im Rahmen der Behindertenhilfe

Eine Antragstellung erfordert einen formellen Öffnet internen Link in aktuellem FensterSozialhilfeantrag. Diesem sind Nachweise über die Einkommens- und Vermögensverhältnisse der nachfragenden Person und idealerweise aktuelle ärztliche Unterlagen beizufügen. Die Leistungen des Öffnet internen Link in aktuellem FensterBetreuten Wohnens sind beim LWV Hessen zu beantragen.

Woraus besteht der Integrierte Hilfeplan (IHP)

Der IHP setzt sich aus einem Vorblatt sowie dem Bogen zur Integrierten Hilfeplanung zusammen. Das Vorblatt enthält die personenbezogenen Daten und ermöglicht durch die Vergabe einer Kennung (Nummer) die anonymisierte Beratung des IHP auf der Hilfeplankonferenz (siehe hierzu: Erklärung zum Schutz personenbezogener Daten). Der Bogen zur Integrierten Hilfeplanung verfügt an personenbezogenen Daten ausschließlich über die zugeordnete Nummer sowie das Alter und das Geschlecht der nachfragenden Person.

Auf den weiteren Seiten des IHP werden Angaben erfasst über

  • die aktuelle Lebenssituation, Umfeld, aktuelle Unterstützungsleistungen,
  • die Stärken und Ressourcen der nachfragenden Person,
  • die Problemstellung und individuellen Bedarfe der nachfragenden Person,
  • die angestrebten Förderziele,
  • die zur Zielerreichung erforderlichen Unterstützungsleistungen und deren Umfang,
  • die für die Unterstützungsleistungen verantwortlichen Stellen,
  • der Gesamtbedarf an Unterstützungsleistungen in Fachleistungsstunden pro Jahr.

Der IHP ist von der nachfragenden Person sowie der erstellenden Einrichtung zu unterschreiben. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die nachfragende Person ebenso wie der Träger des Betreuten Wohnens eine abweichende Stellungnahme an den LWV Hessen übersenden kann, wenn der IHP Aussagen enthält, die in der festgeschriebenen Form nicht mitgetragen werden.

Betreutes Wohnen

Das Betreute Wohnen stellt ein psychosoziales Betreuungsangebot dar und richtet sich primär an Personen, die bereits in einer eigenen Wohnung leben und einer psychosozialen Betreuung bedürfen oder bisher bei den Eltern oder in einer stationären Betreuungsform gelebt haben und in eine selbstständige Wohnform wechseln möchten. Das Fachpersonal unterstützt die nachfragende Person bei der Bewältigung von Problemsituationen und dem Beibehalten/Zurückfinden in ein zunehmend selbstständiges und selbstbestimmtes Leben. Grundvoraussetzung hierfür ist, dass der Leistungsberechtigte über ein Mindestmaß an lebenspraktischen Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen verfügt. Die Lebensführung sollte selbst- und eigenverantwortlich über einen absehbaren Zeitraum organisiert werden können.

Hilfeplankonferenz (HPK)

Dieses Gremium setzt sich aus Vertretern des Landkreises/der kreisfreien Stadt, dem/der zuständigen Träger des Betreuten Wohnens, der zuständigen stationären Einrichtung/en für Körperbehinderte/HIV/AIDS-Erkrankte sowie Vertretern des LWV Hessen zusammen. Ziel der Beratung durch dieses Gremium ist die Sicherstellung einer passgenauen Hilfe, die auf die Bedarfe jedes Leistungsberechtigten individuell abgestimmt ist.

Erklärung zum Schutz personenbezogener Daten

Zur Weitergabe des IHP und Beratung der Situation der nachfragenden Person im Rahmen der HPK bedarf es der Vorlage einer „Erklärung zum Schutz personenbezogener Daten“, die vom Leistungsberechtigten oder seinem gesetzlichen Vertreter unterzeichnet ist. Im Rahmen dieser Erklärung trifft die nachfragende Person darüber hinaus die Entscheidung, ob sie selbst oder ein Vertreter der nachfragenden Person an der Hilfeplankonferenz teilnehmen möchte und ob die Beratung des eigenen IHP mit namentlicher Nennung oder anonymisiert erfolgen soll.

Im Falle der anonymisierten Beratung liegt das Vorblatt des IHP mit den personenbezogenen Daten ausschließlich den Vertretern des LWV Hessen, der IHP-erstellenden Einrichtung sowie dem Landkreis bzw. kreisfreien Stadt vor. Alle übrigen an der Beratung Beteiligten erhalten ausschließlich das Instrument zur Integrierten Hilfeplanung, das lediglich die Kennung der nachfragenden Person, nicht aber Namen und Anschrift enthält.