Betreutes Wohnen plus

Selbstständig, aber begleitet

Viele chronisch psychisch kranke Menschen benötigen eigentlich keine stationäre Betreuung mehr. Aber das herkömmliche Betreute Wohnen wäre eine zu große Herausforderung für sie. Am Sälzerhof 13a im Kasseler Stadtteil Bettenhausen finden psychisch kranke Männer und Frauen seit Mitte 2015 eine Wohnform, die ihren Fähigkeiten und Wünschen entspricht: Betreutes Wohnen plus. Träger der Einrichtung ist der Ludwig-Noll-Verein für psychosoziale Hilfe.

„Ich hab’s hier richtig bequem. Und die Möbel sind meine. Das liebe ich!“, sagt Mario-Johey Perez mit dem Blick eines stolzen Hausbesitzers. Er und Detlef Jacobi haben jetzt eigene Appartements. Die neue persönliche Freiheit genießen sie in einem besonders geschützten Rahmen. Sie wohnen mit eigenem Mietvertrag, Briefkasten und eigener Klingel in der ersten Etage über dem Heimbereich des Hauses. Auf ihrem Flur ist tagsüber von 9 bis 16 Uhr immer ein Betreuer ansprechbar. Im Notfall können Mario-Johey Perez, Detlef Jacobi und die übrigen zehn Mieter den Nacht- und Wochenenddienst des Heimbereiches in Anspruch nehmen. Das gibt ihnen Sicherheit.

Eigener Herr in Appartement 206

Sechs Jahre wohnte Perez unten in der stationären Wohneinrichtung. Jetzt ist er sein eigener Herr, muss selbst aufräumen und saubermachen, kauft für sich ein. Für den 33-Jährigen ein großer Schritt „auf einem harten holprigen Weg“ wie er über sein Leben sagt. Er arbeitet in der Tagesstätte im psychosozialen Zentrum des Ludwig-Noll-Vereins als Beikoch und hat dort gerade eine unbefristete Stelle angeboten bekommen.

Gemeinsame Gruppenangebote

Durch die enge Zusammenarbeit der Teams fürs Wohnheim und fürs Betreute Wohnen plus können die Bewohner die offenen Gruppenangebote gemeinsam nutzen. Kontakte untereinander ergeben sich fast automatisch durch das Wohnen Tür an Tür, beim Kochen am Samstag im Gemeinschaftsraum oder bei gutem Wetter im Garten. „Die Bewohner der beiden Etagen machen da keine Unterschiede zwischen ambulanter und stationärer Wohnform“, berichtet Stefanie Ulrich-Manns, fachliche Leiterin des Psychosozialen Zentrums des Ludwig-Noll-Vereins. „Sie nutzen die Begegnungsmöglichkeiten im ganzen Haus.“

Projekt-Steckbrief

Ein Plus an Betreuung

Das Betreute Wohnen plus ist ein Wohn-Projekt für chronisch psychisch kranke Menschen des Kasseler Ludwig-Noll-Vereins für psychosoziale Hilfe e. V.. Im Notfall können die zwölf Appartement-Bewohner, die im Alltag normalerweise keine Rundum-Betreuung eines Heimes brauchen, auf die Infrastruktur des Wohnheims zurückgreifen.

Eingliederungshilfe

Formal ist das Betreute Wohnen plus ein Angebot des betreuten Wohnens als ambulante Unterstützung der Eingliederungshilfe nach dem XII. Sozialgesetzbuch. Die Betreuungskosten im ambulanten Wohnen übernimmt der LWV Hessen. 

Bildergalerie

Das Haus Am Sälzerhof 13a in Kassel wurde für das Projekt Betreutes Wohnen plus aufgestockt. (Fotos: Uwe Zucchi)
Das Haus Am Sälzerhof 13a in Kassel wurde für das Projekt Betreutes Wohnen plus aufgestockt. (Fotos: Uwe Zucchi)Bild vergrößern
Detlef Jacobi findet in seinem neuen Appartement „alles viel schöner“.
Detlef Jacobi findet in seinem neuen Appartement „alles viel schöner“. Bild vergrößern
Detlef Jacobi auf seinem Balkon mit Blick in den Wohnraum.
Detlef Jacobi auf seinem Balkon mit Blick in den Wohnraum. Bild vergrößern
Detlef Jacobi vor der Küchenzeile seines Appartements.
Detlef Jacobi vor der Küchenzeile seines Appartements. Bild vergrößern
Mario-Johey Perez genießt seinen eigenen Balkon.
Mario-Johey Perez genießt seinen eigenen Balkon. Bild vergrößern
Mario-Johey Perez findet sein neues Zuhause „richtig bequem“ und liebt seine eigenen Möbel.
Mario-Johey Perez findet sein neues Zuhause „richtig bequem“ und liebt seine eigenen Möbel. Bild vergrößern
Mario-Johey Perez genießt seine persönliche Freiheit beim Betreuten Wohnen plus.
Mario-Johey Perez genießt seine persönliche Freiheit beim Betreuten Wohnen plus. Bild vergrößern
Mario-Johey Perez am großen Tisch in seinem Appartement.
Mario-Johey Perez am großen Tisch in seinem Appartement. Bild vergrößern

Sicherheit bei maximaler Freiheit

„Gefühlte Sicherheit bei maximaler Freiheit, das ist das Rezept, das für unsere Bewohner aufgeht“, sagt Diplom-Sozialpädagoge Rolf Reyher, Bereichsleiter fürs Betreute Wohnen plus. Der LWV Hessen schlug anstatt des Ausbaus des Heimbereichs diese neue Wohnform vor und der Ludwig-Noll-Verein griff die Idee auf. Die Bewohner sind Mieter der zwölf Appartements und erhalten im Rahmen ihres individuellen Hilfeplans eine intensive Betreuung, deren Kosten der LWV übernimmt. Mario-Johey Perez genießt seine neue begleitete Freiheit und hat schon ein neues Ziel: „In zwei, drei Jahren möchte ich ins noch selbstständigere Betreute Wohnen wechseln“. Aber jetzt will er erstmal raus auf seinen schönen Balkon.

Projekt-Adresse

Betreutes Wohnen plus
Am Sälzerhof 13a
34123 Kassel

Träger
Ludwig-Noll-Verein für psychosoziale Hilfe e. V.
Frankfurter Straße 209
34134 Kassel
Telefon 0561 209860
www.ludwig-noll-verein.de