Ausbildung trotz Mukoviszidose

Wenn alle im Team mitmachen, geht’s!

Ein sozial engagierter Rechtsanwalt und sein Team machen es möglich: Mirena Dietterle lernt den Beruf der Rechtsanwaltsfachangestellten – trotz Mukoviszidose, einer erblich bedingten Stoffwechsel-erkrankung. Die Kanzlei Dr. Friedrich & Partner im südhessischen Babenhausen hat 2016 den Landespreis für beispielhafte Beschäftigung und Integration schwerbehinderter Menschen erhalten. Das Hessische Perspektivprogramm zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen schwerbehinderter Menschen (HePAS) unterstützt die Kanzlei mit finanziellen Zuschüssen.

Als für Mirena Dietterle in der achten Klasse das Berufspraktikum anstand, hatte sie zunächst an einen Kindergarten gedacht. Doch die Arbeit der Erzieherinnen ist körperlich anstrengend. Es sollte also ein Bürojob sein. Die Idee, in einer Anwaltskanzlei zu arbeiten, lag nahe: „Ich bin schon immer in unserer Familie diejenige gewesen, die gerne Recht hatte“, sagt sie und lächelt verschmitzt. So freute sie sich, dass sie 2013 ihr Schulpraktikum in der Kanzlei Dr. Friedrich & Partner absolvieren konnte. Die familiäre Atmosphäre und das freundliche „Klima“ gefielen Mirena.

Aus Praktikum wurde Ausbildung

Dr. Ingo Friedrich schloss mit ihr im September 2015 einen Ausbildungsvertrag ab, wohlwissend, dass er sich auf viele Unwägbarkeiten einließ. „Wir wussten nicht, wie sich Mirenas Erkrankung auf den Berufsalltag auswirken würde. Ich habe zuvor das Einverständnis meiner Mitarbeiterinnen eingeholt. Denn wenn nicht alle Beteiligten diese Entscheidung mittragen, kann es nicht funktionieren.“ Umgerechnet auf das Jahr ist die Auszubildende ein bis zwei Arbeitstage pro Woche krank. Mirena fehlt oft sehr kurzfristig: „Wenn ich morgens schlecht Luft bekomme, muss ich absagen.“

Mirena ist ein Gewinn

Ingo Friedrich gibt zu, dass die vielen Fehltage ein erhöhtes Maß an Organisation bedeuten. „Es ist schon ein Stressfaktor, dass man immer damit rechnen muss, dass Mirena ausfällt“, sagt er. Eine ehemalige Kanzleiangestellte steht als Aushilfe zur Verfügung. Auch wenn Mirena sehr kurzfristig absagt, bekommt es das kleine Kanzleiteam immer wieder hin, die Situation zu meistern. Dennoch ist sie ein Gewinn. „Sie ist eine Perle, ein Goldstück“, sagt ihr Chef. Sie habe Mut zur eigenen Meinung, sei ehrlich, pünktlich, zuverlässig und tüchtig. „Ich habe auch den Eindruck, dass Mirena durch ihre Krankheit einen Reifevorsprung gegenüber vielen Gleichaltrigen hat. Sie weiß, was wirklich wichtig ist im Leben.“

Steckbrief

HePAS

Das Hessische Perspektiv­programm HePAS hat das Ziel, schwerbehinderte Menschen in ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln. Dabei arbeiten das Hessische Ministerium für Soziales und Integration und das LWV Hessen Integrationsamt eng mit Jobcentern und der Agentur für Arbeit zusammen.

Welche Zuschüsse gibt es?

  • Praktikum: einmalige Prämie in Höhe von 1.000 Euro
  • Probebeschäftigung: 1.000 Euro monatlich, bis zu sechs Monate
  • Ausbildungsprämie: bis zu 8.000 Euro
  • Einstellungsprämie: bis zu 9.000 Euro, bei ehemaligen Werkstattbeschäftigten oder Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Unterstützten Beschäftigung zusätzlich 5.000 Euro

Bildergalerie

Rechtsanwalt Dr. Ingo Friedrich schloss einen Ausbildungsvertag mit Mirena Dietterle ab. (Fotos: Rolf K. Wegst)
Rechtsanwalt Dr. Ingo Friedrich schloss einen Ausbildungsvertag mit Mirena Dietterle ab. (Fotos: Rolf K. Wegst)Bild vergrößern
Mirena Dietterle, die eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten absolviert – gefördert durch das Hessische Perspektivprogramm HePAS.
Mirena freut sich, dass ihr Ausbildungswunsch in Erfüllung gegangen ist - dank HePASBild vergrößern
Mirena Dietterle am Aktenschrank.
Der Umgang mit Akten ist Mirena inzwischen vertraut. Bild vergrößern
Rechtsanwalt Dr. Ingo Friedrich erklärt Mirena Dietterle (rechts) eine Akte.
Der Chef erklärt seiner Auszubildenden eine Akte. Bild vergrößern
Mirena Dietterle (links) mit einer Kollegin.
Mirena passt ins Team der Kanzlei-Kolleginnen. Bild vergrößern

Soziales Engagement wird belohnt

Rechtsanwalt Dr. Ingo Friedrich begrüßt die finanzielle Unterstützung durch das hessische Perspektivprogramm HePAS. Denn so erhalten Arbeitgeber wie er zumindest wirtschaftlich einen Ausgleich für den Mehraufwand, den die Beschäftigung schwerbehinderter Mitarbeiter mit sich bringen kann. Das LWV Hessen Integrationsamt bezuschusste das Praktikum von Mirena mit 1.000 Euro und ihre Ausbildung über drei Jahre mit 7.000 Euro inklusive einer Zusatzprämie, da die Kanzlei aufgrund ihrer Größe nicht verpflichtet ist, Schwerbehinderte zu beschäftigen.

Dazu kommen nach der Schwerbehindertenausgleichs­abgabeverordnung pro Ausbildungsjahr 2.000 Euro und eine weitere Prämie in der gleichen Höhe.

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Ansprechpartner HePAS

LWV Hessen Integrationsamt
Kölnische Straße 30
34117 Kassel
Telefon 0561 1004 - 0
Fax 0561 1004 - 2650

Skizze Dienstsitz LWV Hessen Integrationsamt Kassel