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Betriebsintegrierte Beschäftigungsplätze (BiB)

Inklusion gelingt, wo Offenheit auf professionelle Beratung trifft

Tom Wahle und Christopher Krause haben den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft. Dabei geholfen haben ihnen der Fachbereich Berufliche Integration der Baunataler Diakonie (bdks), das Best Western Hotel Ambassador in Baunatal und der Landeswohlfahrtsverband Hessen – letzterer mit finanziellen Leistungen für zwei Betriebsintegrierte Beschäftigungsplätze (BiB).

Seit Herbst 2025 gehören Tom Wahle und Christopher Krause zum Hotelteam. Was als mutige Idee begann, ist heute gelebte Inklusion: Beide zeigen jeden Tag, wie bereichernd Vielfalt für ein Unternehmen sein kann. Die Erfahrungen des Hotels machen deutlich, dass Inklusion gelingt, wenn Offenheit auf professionelle Beratung trifft.

Anfängliche Bedenken ausgeräumt

Zum Auslöser wurde – eher zufällig – eine Fernsehserie mit Tim Mälzer. Nachdem Jessica Rügge (Ausbilderin & Event Sales) die Sendung des Starkochs über ein gastronomisches Inklusionsprojekt gesehen hatte, berichtete sie Anna Friedrich, Geschäftsführerin des Best Western Hotels Ambassador, davon. Schnell stand für sie fest, dass sie auch in ihrem Hotel Menschen mit Behinderung eine Chance geben möchten. 

Auf der Suche nach Unterstützung wurden sie auf Bahri Gültekin, Leiter des Fachbereichs Berufliche Integration bei der bdks, aufmerksam. Gültekin begleitete den gesamten Prozess, von den ersten Gesprächen bis zur Einstellung der neuen Mitarbeitenden. „Herr Gültekin hat es uns sehr einfach gemacht“, sagt Anna Friedrich. „Er hat anfänglichen Bedenken ausgeräumt und uns gezeigt, wie gut das funktionieren kann.“

Professioneller Service

Seit September arbeitet Tom Wahle im Service des Hotels. Der 21-jährige war zuvor im bdks JobCampus beschäftigt und hatte sich hier im Bereich Metall und Logistik erprobt. Da das aber nicht der passende Arbeitsbereich für ihn war, wurde nach einer anderen Arbeitsmöglichkeit gesucht. Heute deckt er sorgfältig Tische ein, räumt sie wieder ab und unterstützt das Team auch gelegentlich an der Hotelbar. Dort hat er auch gelernt, ein richtig gutes Bier zu zapfen. Mit seinen neuen Aufgaben ist auch sein Selbstvertrauen gewachsen. Mittlerweile bleibt er ruhig, auch wenn viele Gäste gleichzeitig betreut werden müssen. Besonders schätzt er den freundlichen Umgang mit den Geschäfts- und Tagungsgästen in dem Hotel.

Hintergrund BiB

Im Betrieb statt in der Werkstatt


Betriebsintegrierte Beschäftigungsplätze (BiB) sind Arbeitsplätze, die von einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in private oder öffentliche Betriebe verlagert wurden. Der/die Werkstattbeschäftigte arbeitet in einem regulären Betrieb, durch die Werkstatt wird weiterhin eine Unter­stützung am Arbeitsplatz gewährleistet. Zurzeit gibt es in Hessen rund 1.800 Plätze für eine Betriebsintegrierte Beschäftigung. 

Die Kosten für Leistungen eines BiB finanziert der Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen als überörtlicher Träger der Eingliederungshilfe in Form einer Vergütung an die Werkstatt. Dem Betrieb, der die BiBs zur Verfügung stellt, hilft das LWV Hessen Integrationsamt mit einem monatlichen Zuschuss für eine personelle Unterstützung am Arbeitsplatz des schwerbe­hinderten Beschäftigten oder als Ausgleich einer behinde­rungsbedingten Minder­leistung, Stichwort Außergewöhnliche Belastungen

<div class="csc-default"><h2>Hintergrund BiB</h2><div class="body"><h3>Im Betrieb statt in der Werkstatt</h3> <p><br>Betriebsintegrierte Beschäftigungsplätze (BiB) sind Arbeitsplätze, die von einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in private oder öffentliche Betriebe verlagert wurden. Der/die Werkstattbeschäftigte arbeitet in einem regulären Betrieb, durch die Werkstatt wird weiterhin eine Unter­stützung am Arbeitsplatz gewährleistet. Zurzeit gibt es in Hessen rund 1.800 Plätze für eine Betriebsintegrierte Beschäftigung.&nbsp;</p> <p>Die <strong>Kosten für Leistungen eines BiB finanziert der Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen</strong> als überörtlicher Träger der Eingliederungshilfe in Form einer Vergütung an die Werkstatt. Dem Betrieb, der die BiBs zur Verfügung stellt, hilft das LWV Hessen Integrationsamt mit einem monatlichen Zuschuss für eine personelle Unterstützung am Arbeitsplatz des schwerbe­hinderten Beschäftigten oder als Ausgleich einer behinde­rungsbedingten Minder­leistung, Stichwort <a href="https://www.integrationsamt-hessen.de/arbeitgeber-inklusionsbetriebe/einstellung-beschaeftigung/finanzielle-leistungen/aussergewoehnliche-belastungen.html" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">Außergewöhnliche Belastungen</a>.&nbsp;</p></div></div>

Bildergalerie

Christopher Krause beim Zubereiten von Essen in der Hotelküche
Christopher Krause verstärkt das Küchenteam.Bild vergrößern
Tom Wahle beim Eindecken eines Tisches
Tom Wahle arbeitet im Service. Bild vergrößern


Christopher Krause verstärkt seit Oktober 2025 das Küchenteam. Zuvor arbeitete er in den Baunataler Inklusionsbetrieben im Bereich Verpackung. In der Hotelküche übernimmt er vorbereitende Arbeiten, richtet Frühstücksplatten an und unterstützt die Kollegen überall dort, wo Hilfe gebraucht wird. Perspektivisch möchte er zusätzlich die Arbeit an der Rezeption kennenlernen. Die Arbeit im Hotel wirkt sich auch auf sein Privatleben aus. Viele Ideen aus der Küche nimmt Christopher Krause mit nach Hause und probiert sie gemeinsam mit seiner Frau aus. „Ich habe hier viele neue Anregungen bekommen“, erklärt er. „Jetzt im Sommer bereite ich zum Beispiel viele frische Salate zu. Es macht einfach Spaß, Neues auszuprobieren!“

Mit guter Beratung zum eingespielten Team

Berührungsängste oder Unsicherheiten im Umgang mit den beiden schwerbehinderten Mitarbeitern spielen für das Team im Best Western Hotel Ambassador im Arbeitsalltag keine Rolle mehr. Entscheidend ist, dass alle gemeinsam an einem Ziel arbeiten. „Wir sind alle Teammitglieder und jeder hat den gleichen Stellenwert“, sagt Jessica Rügge. „So funktioniert die Zusammenarbeit am besten!“ Die Verantwortlichen sind überzeugt, dass viele Unternehmen von ähnlichen Erfahrungen profitieren können. Voraussetzung sei vor allem die Bereitschaft, Menschen mit Behinderung eine Chance zu geben und sich auf professionelle Begleitung einzulassen.

Chancen statt Vorbehalte sehen

Der Fachbereich Berufliche Integration der bdks unterstützt Betriebe dabei, inklusive Arbeitsplätze zu schaffen. Die Beratung beginnt bereits vor dem ersten Praktikum. Die Jobcoaches begleiten die Einarbeitung und stehen Arbeitgebern und Beschäftigten dauerhaft als Ansprechpartner zur Seite. So können Fragen frühzeitig geklärt und mögliche Unsicherheiten abgebaut werden. 

Inklusion auf dem ersten Arbeitsmarkt ist keine Ausnahme, sondern eine echte Chance für Menschen mit Behinderung und für Unternehmen. Wer den ersten Schritt wagt, gewinnt motivierte Mitarbeitende, stärkt den Zusammenhalt im Team und setzt ein sichtbares Zeichen für eine inklusive Arbeitswelt.


Hintergrund 

Die bdks ist ein kirchlich-diakonischer Werteverbund mit eigenen Einrichtungen und Beteiligungen. Ziel ist es, Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischer Erkrankung in ihrer gesellschaftlichen Teilhabe und Mitbestimmung zu stärken. Hierzu bietet die bdks vielfältige Wohnmöglichkeiten, individuelle Arbeitsplätze, Bildungs- und Qualifizierungschancen sowie Angebote zur Tagesstrukturierung. Insgesamt arbeiten bei der bdks 3.000 Menschen mit und ohne Behinderung.

Kontakt berufliche Integration:
Bahri Gültekin
Leitung JobCampus & Fachbereich Berufliche Integration
Baunataler Diakonie Kassel e.V.
Kirchbaunaer Str. 19
34225 Baunatal
Telefon 0561 94951 – 255
E-Mail bahri.gueltekin@bdks.de


Das Hotel Ambassador in Baunatal ist ein von der Familien Friedrich/Eck privat geführtes Haus der Best Western Hotelgruppe mit 123 Zimmern und acht Tagungsräumen. Ergänzt wird das moderne Hotelangebot durch ein Frühstücks- und Gastronomiekonzept mit Bar, Bistro und Restaurant, das auch externen Gästen offensteht und damit zugleich ein einladender Treffpunkt für Besucher aus der Region ist.

Professionelle Unterstützung: Integrationsamt finanziert Jobcoaching

Das Integrationsamt des LWV Hessen finanziert Jobcoaching nach § 185 Sozialgesetzbuch Neun (in Verbindung mit § 24 SchwbAV) als sogenannte Begleitende Hilfen im Arbeits­­leben. “Jobcoaches sind Spezialisten für Lernen und Entwicklung am Arbeitsplatz. Sie sollen mit allen Beteiligten Lösungen finden und Veränderungen anstoßen – mit dem Ziel, den Arbeitsplatz zu sichern”, erklärt Gudrun Dörken vom LWV Hessen Integrationsamt.

Jobcoaching gibt es in Hessen bereits seit 2006. Jährlich werden etwa 120 Jobcoa­chings von knapp 40 über­wiegend freiberuflichen Coaches durch das Integra­tionsamt finanziert.

Kontakt:
Bei fachlichen Fragen zur Weiterbildung und zum Jobcoaching allgemein können Sie sich an Gudrun Dörken wenden:
Landeswohlfahrtsverband Hessen, Integrationsamt
Steubenplatz 16
64293 Darmstadt
Telefon 06151 801-130
E-Mail gudrun.doerken@lwv-hessen.de