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Neuigkeiten

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Gemeindepsychiatrie

3 Musterbeispiele teilen sich Walter-Picard-Preis


Gruppenfoto von der Preisverleihung

Gute Stimmung bei der Preisverleihung (v.l.): Kai Marschner, Geschäftsführender Vorstand „die Brücke“; Uwe Nöding, Repair-Café „die Brücke“; Alexander Heppe, Erster Beigeordneter des LWV Hessen; Andreas Rauscher, Vorstandsvorsitzender Treffpunkt e.V. Korbach; Friedel Kopp, Präsident der LWV-Verbandsversammlung; Dr. Renate Rauscher, Vorstand Treffpunkt e.V.; Dieter Schütz, Beigeordneter des LWV Hessen, und Werner Niebel, Sprecher der Selbsthilfegruppe Angst – Panik – Depression Odenwald. Foto: Lothar Koch

25.03.2026

Kassel (lwv): Mit Werner Niebel, Sprecher der Selbsthilfegruppe Angst – Panik – Depression Odenwald, den Treffpunkt Kids Korbach und dem Verein die Brücke e.V. – Repair-Café aus Bad Hersfeld erhalten in diesem Jahr drei Preisträger den Walter-Picard-Preis des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) Hessen. Alexander Heppe, Erster Beigeordneter des LWV Hessen, überreichte jetzt in einer Feierstunde im Kasseler Ständehaus den Preisträgern jeweils ihre Urkunde und eine Skulptur als sichtbare Auszeichnung. Werner Niebel erhält die eine Hälfte des Preises und die beiden anderen Preisträger teilen sich die andere Hälfte. „Ich bin sehr beeindruckt, wie vielfältig das Engagement für psychisch kranke Menschen in den Regionen Hessens ist. Das machte es in diesem Jahr besonders schwierig, eine Wahl unter den 30 Vorschlägen zu treffen. Umso schöner ist, dass wir drei so individuelle Projekte auszeichnen können“, sagte Alexander Heppe bei der Preisverleihung. Landesdirektorin Simmler, Vorsitzende der Jury: „Uns imponierten die thematisch so unterschiedlichen Ansätze, die alle auf ihre Art und Weise einen wertvollen Beitrag für psychisch kranke Menschen jeden Alters leisten.“

Werner Niebel ist seit August 2003 Gruppensprecher der Selbsthilfegruppe Angst – Panik – Depression. Es ist insbesondere seinem Engagement zu verdanken, dass die Selbsthilfegruppe heute sieben Gesprächskreise, eine Angehörigengruppe, offene Treffen, einen Stammtisch, einen Handarbeits- sowie eine Wandergruppe und interne Workshops anbietet. Die Gruppe ist auf rund 200 Mitglieder aus dem Odenwaldkreis, dem Raum Darmstadt und der Bergstraße angewachsen. Werner Niebel hat den Kontakt mit anderen Selbsthilfegruppen, aber auch Psychiatrien, Gesundheitsämtern, Krankenkassen, Gemeinden, sozialen und kirchlichen Trägern sowie der Ergänzenden unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) gesucht und die Zusammenarbeit ausgebaut. Daneben ist er sehr aktiv in der Öffentlichkeitsarbeit: Er organisiert öffentliche Vorträge und Lesungen, schrieb zwischen 2016 und 2018 eine monatliche Kolumne für das „Odenwälder Journal“ zu den Themen seelische Gesundheit, Menschen mit Beeinträchtigungen und Inklusion. Seit einigen Jahren ist er in einem weiteren Ehrenamt tätig und zwar in der Unabhängigen Beschwerdestelle Psychiatrie Odenwald. Er ist Gründungsmitglied des Gemeindepsychiatrischen Verbunds Odenwald. Zudem arbeitet er im Verein T.o.B.e. Toxische Beziehungen überwinden e.V. mit.

Werner Niebel wird besonders für sein langjähriges und ehrenamtliches Engagement für die Verbesserung der Situation psychisch kranker Menschen und den Abbau von Vorurteilen gegenüber psychisch Erkrankten ausgezeichnet. „Bei allem, was ich tue, vergesse ich die Liebe zu den Menschen nicht, und höre auf mein Herz“, sagte Werner Niebel.
Weitere Informationen: Selbsthilfegruppe  

Treffpunkt Kids Korbach
Die Treffpunkt Kids Korbach sind ein niederschwelliges, präventives Gruppenangebot für Kinder, deren Eltern psychisch erkrankt sind. Hier wird den besonders belasteten Kindern aus der Region Korbach Sicherheit, Verständnis und eine altersgerechte Unterstützung geboten. Das Angebot wird von einem Team des Psychosozialen Zentrums Korbach organisiert. 

Einmal wöchentlich kommen die Kinder für zwei Stunden zusammen. In einer geschützten Umgebung erfahren sie Wertschätzung, dürfen Sorgen teilen, erhalten altersgemäße Antworten auf schwierige Fragen und erleben durch gemeinsames Spiel und kreative Aktivitäten eine wichtige Entlastung vom oft belasteten Alltag. Besonders bemerkenswert ist, dass die Kindergruppe kostenfrei angeboten wird und bei Bedarf sogar ein Fahrdienst organisiert werden kann.

Für die Eltern der Kinder steht ein ergänzendes Beratungsangebot zur Verfügung, das sie dabei unterstützt, ihre familiäre Situation besser zu bewältigen und neue Lösungswege zu entwickeln.

Die Treffpunkt Kids Korbach sind damit ein herausragendes Beispiel für gelebte Inklusion, Entstigmatisierung und frühzeitige Hilfestellung im Sinne Walter Picards. Das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeugt von hoher fachlicher Kompetenz und großem menschlichem Einfühlungsvermögen. „Wir freuen uns sehr über den Preis, weil wir gar nicht damit gerechnet haben und er für uns eine echte Anerkennung unserer Arbeit ist", so Ina Hasler, Verantwortliche für die Treffpunkt Kids Korbach. Weitere Informationen: Kids Korbach

Brücke e.V. – Repair-Café
Das Repair-Café ist eine Gemeinschafts-Initiative des Vereins die Brücke e.V. und des Magistrats der Stadt Bad Hersfeld. Ziel ist, Abfall zu reduzieren, indem Bürgerinnen und Bürgern geholfen wird, ihre kaputten Gegenstände zu reparieren, statt sie wegzuwerfen. Repariert werden die verschiedenen Dinge zweimal in der Woche von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen – unter fachlicher Begleitung der Mitarbeitenden von die Brücke e.V. Damit ist das Repair-Café in der Hersfelder Johannesstraße weit mehr als eine Werkstatt für defekte Alltagsgegenstände. Es ist ein Raum der Begegnung, in dem Geben und Nehmen, Eigenverantwortung und Zusammenhalt im Mittelpunkt stehen. Inklusion ist hier nicht nur ein Schlagwort, sondern wird im Alltag gelebt. Die Beteiligten erfahren Anerkennung und Wertschätzung für ihre Fähigkeiten und leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft. „Unser Repair-Café bietet die Möglichkeit, Menschen mit psychischer Erkrankung den Raum zu geben, ihre Fähigkeiten, ihren Mut und ihren Platz in der Gesellschaft wiederzuentdecken“, so Uwe Nöding, beim Verein „die Brücke“ verantwortlich fürs Repair-Café. Weitere Informationen: Repair-Café

Der Walter-Picard-Preis, 2001 von der LWV-Verbandsversammlung ins Leben gerufen, ist mit 5.000 Euro dotiert. Er wird alle zwei Jahre für besonders nachahmenswertes ehrenamtliches Engagement oder professionelle Projekte in der hessischen Gemeindepsychiatrie vergeben. Namensgeber ist der Sozialpolitiker Walter Picard aus Offenbach: Er war einer der Initiatoren der Psychiatrie-Enquête, die ab 1975 maßgeblich zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland beigetragen hat. Picard gehörte dem Bundestag an und war lange Abgeordneter der Verbandsversammlung des LWV. Ihm lag es besonders am Herzen, offene und wohnortnahe Hilfen für psychisch kranke Menschen zu schaffen. Auch für die Stärkung von Selbsthilfe-Projekten setzte sich Picard ein. Der Walter-Picard-Preis wird 2026 zum 13. Mal vergeben.


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