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Wichtige Forschungsquellen

Häftlingsakten aus Breitenau digitalisiert


Gruppenfoto mit Susanne Schneider, Susanne Simmler, Dr. Ann Katrin Düben und Tamara Block hinter einem Tisch, auf dem alte Akten liegen. Letztere hält ein altes Buch in der Hand.

Übergabe der digitalisierten Häftlingsakten (v.l.): die Guxhagener Bürgermeisterin Susanne Schneider, LWV-Landesdirektorin Susanne Simmler, Gedenkstätten-Leiterin Dr. Ann Katrin Düben und LWV-Archivleiterin Tamara Block (Foto: Gedenkstätte Breitenau)

26.08.2026

Kassel/Guxhagen (lwv): Historisch bedeutende Aktenbestände aus dem ehemaligen Arbeitserziehungslager Breitenau (1940-1945), an das heute die Gedenkstätte Breitenau erinnert, sind vollständig digitalisiert worden. Das Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) Hessen übergab die Digitalisate heute offiziell an die Gedenkstätte Breitenau in Guxhagen. Damit werden die wertvollen Quellen für Forschung und Bildungsarbeit dauerhaft gesichert und zugleich die empfindlichen Originaldokumente geschont.

Dr. Ann Katrin Düben, Leiterin der Gedenkstätte Breitenau, nahm die Digitalisate von LWV-Archivleiterin Tamara Block entgegen. An der Übergabe nehmen unter anderem LWV-Landesdirektorin Susanne Simmler und die Guxhagener Bürgermeisterin Susanne Schneider teil. „Die Breitenau-Akten sind sowohl Dokumente der NS-Verbrechen als auch des Leids der Verfolgten. Dank der Digitalisierung sind die Akten nun leichter, weil ortsunabhängig zugänglich“, sagte Dr. Ann Katrin Düben. „Gerade für die Nachfahren von NS-Verfolgten, die überall auf der Welt leben, ist dies von großer Bedeutung. Es ist ein wichtiger Schritt hin zur transnationalen Erinnerung an Breitenau.“

Historische Quellen von großer Bedeutung

Die Akten waren 1979 im Rahmen eines Forschungsprojekts der damaligen Gesamthochschule Kassel in den Kellern der ehemaligen „Landesarbeitsanstalt und Landesfürsorgeheim Breitenau“ entdeckt worden. Sie erwiesen sich als bedeutende Quellen für die Geschichte des bereits 1933 eingerichteten Konzentrationslagers für politische Häftlinge und des von 1940 bis 1945 betriebenen sogenannten Arbeitserziehungslagers. Um Prof. Dr. Dietfrid Krause-Vilmar bildete sich damals an der Kasseler Hochschule die „Projektgruppe Breitenau“. Sie sichtete die Unterlagen und präsentierte 1982 erste Forschungsergebnisse in einer Ausstellung. Auf dieser Grundlage entwickelte die Gruppe das Konzept für eine Gedenkstätte, die in der Folgezeit eröffnet wurde. Seitdem ist die Gedenkstätte Breitenau ein wichtiger Ort der historischen Aufklärung und Erinnerung.

„Die Geschichte dieser Akten zeigt eindrucksvoll, welchen Wert historische Quellen für unsere Erinnerungskultur haben“, betonte LWV-Landesdirektorin Susanne Simmler. „Aus ihrer wissenschaftlichen Erschließung ist ein wichtiger Ort der Erinnerung entstanden. Mit der Digitalisierung gehen wir nun einen weiteren Schritt: Wir sichern die Quellen langfristig und ermöglichen zugleich eine zeitgemäße Nutzung.“

Akten gehören aus historischen Gründen zum LWV-Archiv

Dass die Akten zum Archiv des LWV Hessen gehören, hat historische Gründe. Während der NS-Zeit befand sich die Einrichtung Breitenau in der Trägerschaft des Bezirkskommunalverbandes. Dessen Rechtsnachfolger ist der LWV Hessen. Nach dem damals neu eingeführten Hessischen Archivgesetz wurden die Unterlagen daher dem LWV als Eigentum zugeordnet.

Seit 1988 bestehen zwischen dem LWV und der Gesamthochschule bzw. der Universität Kassel vertragliche Vereinbarungen zur Nutzung der Häftlingsakten. Die Quellen werden bis heute von Forschenden intensiv genutzt – sowohl direkt vor Ort als auch über Rechercheanfragen aus der ganzen Welt.

Originale werden geschont, Zugang wird erleichtert

Gerade die intensive Nutzung macht die Digitalisierung besonders wichtig. Die historischen Papierakten sind empfindliche Originale und können durch häufiges Blättern und Bearbeiten langfristig Schaden nehmen. Künftig können viele Rechercheanfragen und wissenschaftliche Arbeiten anhand der digitalisierten Dokumente bearbeitet werden.

Das LWV-Archiv hatte die Digitalisierung im vergangenen Jahr ausgeschrieben und den Auftrag an einen externen Dienstleister vergeben. Die entstandenen Digitalisate stellt das LWV-Archiv der Gedenkstätte Breitenau unentgeltlich zur Verfügung. „Wir freuen uns sehr, dass wir durch die Digitalisierung der Häftlingsakten des ehemaligen Arbeitserziehungslagers Breitenau eine originalschonende und zugleich heutigen Nutzungsbedürfnissen entsprechende Form des Zugangs ermöglichen können“, sagte Tamara Block, Leiterin des LWV-Archivs. „Perspektivisch gesehen sollen die Digitalisate, sofern archivrechtlich möglich, im hessischen Archivinformationssystem Arcinsys für Nutzende direkt online zugänglich gemacht werden. Damit können wir die Sichtbarkeit dieses einzigartigen Bestandes noch einmal deutlich erhöhen.“

Erinnerung für kommende Generationen

Mit der Übergabe der Digitalisate an die Gedenkstätte Breitenau wird die langjährige Zusammenarbeit zwischen dem LWV-Archiv und der Gedenkstätte um einen wichtigen Baustein ergänzt. Die digitalen Abbilder der Breitenauer Akten werden künftig eine erweiterte Nutzung für Forschung, Bildung und Erinnerung ermöglichen.


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