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Neuigkeiten

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Tag d. Menschen m. Behinderung

LWV-Veranstaltung rückt Teilhabe in den Fokus


Die vier Teilnehmen des Thementalks sitzen auf der Treppe zur Bühne im Ständesaal

Thementalk (v.l.): LWV-Landesdirektorin Susanne Simmler, Staatsministerin Heike Hofmann, Moderator Bernd Bark und Landesbehindertenbeauftragter Andreas Winkel. Auf der Bühne die inklusive Band Saitenwind der bdks, rechts Gebärdensprachdolmetscherin Antje Schwabeland. (Foto: Uwe Zucchi)

04.12.2025

Kassel (lwv): Den diesjährigen Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung nahm der Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen zum Anlass und lud am 3. Dezember ins Kasseler Ständehaus ein. Der Abend stand unter dem Thema: Wie viel wurde schon erreicht und wo müssen wir heute noch Brücken bauen, damit Teilhabe gelingen kann? „Als Landeswohlfahrtsverband sind wir die Institution in Hessen, in der sich der Weg von Teilhabe in unserer Gesellschaft und die notwendigen Diskussionen darum im Lauf der Zeit seit 1953 widerspiegeln. Es ist wichtig, gerade an einem solchen Tag das Engagement für den gesellschaftlichen Konsens herauszustellen, aber eben auch aufzuzeigen, welche Notwendigkeiten es für ein Gelingen gibt“, so LWV-Landesdirektorin Susanne Simmler.

In einem Thementalk sprachen Heike Hofmann, Hessische Ministerin für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, Landesdirektorin Susanne Simmler und Andreas Winkel, Hessischer Beauftragter für Menschen mit Behinderungen, über diesen besonderen Tag. Sie erörterten, welche persönliche Bedeutung der Tag und welche Auswirkungen er auf den eigenen Alltag hat. „Für mich bedeutet dieser Tag, dass wir den Blick bewusst auf die Barrieren richten, die viele Menschen in ihrem Alltag noch erleben – seien es Stufen, starre Strukturen oder stereotype Denkweisen. Deshalb ist der Aktionstag eine wunderbare Gelegenheit, um auch der Öffentlichkeit in Erinnerung zu rufen, dass es noch viel zu tun gibt auf dem Weg zu gleichberechtigter Teilhabe. In Hessen passiert bereits richtig viel. Auch darüber lohnt es sich heute zu sprechen und darauf dürfen alle Beteiligten – Verbände, Institutionen oder Einzelpersonen – an so einem Tag auch mal stolz sein. Ich danke all den Menschen mit und ohne Behinderungen, die sich beruflich, ehrenamtlich oder in ihrem privaten Alltag für ein gleichberechtigtes und inklusives Miteinander auf Augenhöhe einsetzen“, sagte Ministerin Heike Hofmann.

Darüber hinaus diskutierten sie über die Bezeichnung des Tages und den Sinn verschiedener Aktionen. „Am 3. Dezember machen wir uns bewusst, dass Inklusion ein Prozess ist, an dem wir alle gemeinsam arbeiten müssen. Dieser Prozess basiert auf der UN-Behindertenrechtskonvention, in der die Recht der Menschen mit Behinderungen klar formuliert sind“, sagte der Behindertenbeauftragte Andreas Winkel.

In diesem Jahr jährt sich die deutsche Wiedervereinigung zum 35. Mal. Anlass genug, um sich die unterschiedlichen Sichtweisen und den Umgang mit Menschen mit Behinderung anzusehen. Wir sind sehr froh, dass Herr Professor Barsch uns auf eine historische Reise mitnimmt, die zeigt, welche Unterschiede es für Menschen mit Behinderung in der DDR im Vergleich zur BRD gegeben hat“, erläutert Susanne Simmler.

In dem Vortrag „Unsichtbar im Sozialismus? Leben mit Behinderung in der DDR“ stellte der Historiker Sebastian Barsch, Professor für Didaktik der Geschichte an der Universität zu Köln, die Situation behinderter Menschen in der DDR dar. Er beleuchtete unterschiedliche Lebenswelten wie etwa Familie, Bildung, Unterstützungsstrukturen. „Die Lebenslage behinderter Menschen spiegelte den Abstand zwischen dem ideologisch verkündeten Anspruch der sozialistischen Fürsorge und den deutlich begrenzten realen Möglichkeiten“, so Prof. Barsch. In seinem Vortrag „Unsichtbar im Sozialismus? Leben mit Behinderung in der DDR“ zeigte er auf, dass Menschen mit Behinderung in der DDR trotz des staatlichen Anspruchs des „sozialistischen Humanismus“ oft marginalisiert und unsichtbar blieben – insbesondere in den Bereichen Medien, Bildung und Arbeitswelt. Zwar gab es Ansätze zur Förderung und Teilhabe, jedoch fehlten strukturelle Unterstützungsangebote, insbesondere für Menschen mit schwersten Behinderungen. Zudem gab es keine unabhängigen Interessenvertretungen. Somit blieb der politische Anspruch einer inklusiven Gesellschaft in weiten Teilen unerfüllt.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der inklusiven Band Saitenwind der Baunataler Diakonie Kassel: 11 Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Einrichtungen begeisterten mit ihrer Art, Musik zu machen. Auch das anschließende Buffet stammte von der Baunataler Diakonie Kassel.

„Gerade als LWV den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung mit einer Veranstaltung wie dieser in den Fokus zu rücken ist nicht nur selbstverständlich, sondern es trägt dazu bei, gemeinsam im Gespräch zu bleiben. Und das gerade in Zeiten, in denen wir über Fortschritte, Erfolge, Möglichkeiten, aber auch Veränderungsnotwendigkeiten sprechen müssen. Unser gemeinsames Ziel ist, Teilhabe und Selbstbestimmung im Sinne des gesellschaftlichen Konsenses voranzutreiben und zu realisieren. Genau wie unser Motto lautet LWV–LebenWirVielfalt! Dieser Abend trägt dazu bei, und das ist gut so“, lautet das Fazit von LWV-Landesdirektorin Susanne Simmler.


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