25.09.2026
Kassel/Wiesbaden/Darmstadt (lwv): Der Arbeitsplatztausch von Menschen mit und ohne Behinderung steht im Mittelpunkt des bundesweiten Aktionstags „Schichtwechsel“, an dem sich gestern erneut der Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen beteiligt hat. Die Begegnung der Menschen auf Augenhöhe soll Inklusion auf dem Arbeitsmarkt sichtbar machen und gesellschaftliche Barrieren abbauen.
Sieben Beschäftigte aus Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) kamen zum Job-Tausch zum LWV: drei von ihnen in die Hauptverwaltung in Kassel, je zwei in die Regionalverwaltungen in Darmstadt und Wiesbaden. Dort erhielten sie Einblicke in verschiedene Arbeitsbereiche und Tätigkeiten, die bei einer großen sozialen Behörde wie dem LWV – zuständig für die Unterstützungsleistungen für rund 64.400 behinderte Menschen in ganz Hessen – alltäglich anfallen. Im Gegenzug gingen 13 LWV-Beschäftigte in die Werkstätten – dorthin, wo ihre Tauschpartner arbeiten: zur Hephata Diakonie im Schwalm-Eder-Kreis, zum Lebenshilfe-Werk Kreis Waldeck-Frankenberg, zur BWMK gGmbH und zum Evangelischen Verein für Innere Mission in Nassau (EVIM) in Wiesbaden.
„Der Schichtwechsel ist immer wieder beeindruckend. Es ist für unsere Kolleginnen und Kollegen eine tolle Erfahrung, direkt an der Seite der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung tätig zu sein und so deren Fähigkeiten, Talente und großes Engagement unmittelbar zu erleben“, sagte LWV-Landesdirektorin Susanne Simmler. Gute Erfahrungen und viele neue Eindrücke sammelten im Gegenzug ebenso die Tauschpartner, die aus den Werkstätten in die drei LWV-Verwaltungen gekommen waren: Drei Gäste kamen von der Hephata Diakonie und vom Lebenshilfe-Werk Kreis Waldeck-Frankenberg nach Kassel in die LWV-Hauptverwaltung. In der LWV-Regionalverwaltung Wiesbaden konnten zwei Beschäftigte aus der Reha-Werkstatt von EVIM und in der LWV-Regionalverwaltung Darmstadt zwei Gäste aus den Werkstätten der BWMK gGmbH zum Schichtwechsel vor Ort begrüßt werden. Sie alle konnten hautnah Einblicke in die Arbeitsbereiche der LWV-Poststellen nehmen, wie etwa die Digitalisierung der Tagespost. Die LWV-Kolleginnen und Kollegen zeigten ebenfalls die täglichen Arbeiten in der Registratur, die vielfältigen Aufgaben, die der Hausdienst im Lauf eines Tages erledigt sowie die komplexen Abläufe am Empfang, wo Telefonanrufe, Besucher, Schlüsselausgaben oder Paketdienste zusammenlaufen.
13 LWV-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter traten den Weg in die Tausch-Einrichtungen an. Aus Kassel gingen acht von ihnen in verschiedene Arbeitsbereiche der Hephata Diakonie in Treysa: in die „Für uns Manufaktur“, die Werkstatt Lindenplatz und den Berufsbildungsbereich im Schulungszentrum. Drei Kolleginnen und Kollegen aus der LWV-Regionalverwaltung Darmstadt durften einen Blick in den Arbeitsalltag der Menschen mit Behinderung der BMWK gGmbH in den Steinheimer Werkstätten sowie im Dienstleistungszentrum Langenselbold werfen. Aus der LWV-Regionalverwaltung Wiesbaden ging eine Kollegin in die Reha-Werkstatt in Wiesbaden und eine weitere Kollegin in die Werkstatt Schlockerhof in Hattersheim, zwei EVIM-Einrichtungen, um andere berufliche Umgebungen kennenzulernen.
Am Ende des Tages stand fest: Alle Tauschpartnerinnen und -partner – sowohl vom LWV als auch aus den Werkstätten – haben viel für sich mitgenommen. „Egal, wie unterschiedlich die Arbeitssituationen waren, die die Teilnehmer gegenseitig kennengelernt haben, sie haben Verständnis bei jedem Einzelnen geschaffen und Vorurteile abgebaut. Damit ist dieser Aktionstag ein großer gesellschaftlicher Gewinn“, so das Fazit von LWV-Landesdirektorin Susanne Simmler.
Hintergrund: „Schichtwechsel“
Der Aktionstag „Schichtwechsel“ wurde 2017 von den 16 Berliner Werkstätten und der Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen Berlin initiiert. Seit 2019 wird er von der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e.V. (BAG WfbM) koordiniert. In der BAG WfbM haben sich Träger von Eingliederungseinrichtungen, insbesondere von Werkstätten, Förderstätten und Inklusionsbetrieben zusammengeschlossen, die Menschen mit Behinderungen die Teilhabe an Arbeit und Gesellschaft ermöglichen.