22.10.2026
Kassel (lwv): Ein sicherer Ort zum Schlafen, eine warme Mahlzeit, eine Dusche oder einfach jemand, der zuhört. Was für viele Menschen selbstverständlich ist, kann für wohnungslose Menschen von existenzieller Bedeutung sein. Um ihnen Schutz, Unterstützung und neue Perspektiven zu bieten, stellt der Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen in diesem Jahr rund 15,18 Millionen Euro für Fachberatungsstellen und Tagesaufenthaltsstätten zur Verfügung, die jetzt bewilligt wurden. Das sind rund eine Million Euro mehr als im Vorjahr.
„Hinter jedem Menschen, der seine Wohnung verliert, steht eine eigene Geschichte. Niemand entscheidet sich leichtfertig für ein Leben ohne sicheres Zuhause. Umso wichtiger ist es, dass wir diesen Menschen mit Respekt, Verständnis und Menschlichkeit begegnen“, sagt LWV-Landesdirektorin Susanne Simmler. „Manchmal beginnt der Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben mit etwas ganz Einfachem: einer offenen Tür, einem warmen Essen oder einem Menschen, der zuhört und Mut macht. Genau dafür sind unsere Fachberatungsstellen und Tagesaufenthaltsstätten da. Sie geben Halt, wenn das Leben aus den Fugen geraten ist, und helfen dabei, wieder Vertrauen und neue Hoffnung zu schöpfen.“
Mit der Förderung unterstützt der LWV Hessen zugleich die Ziele der hessischen Landesstrategie zur Prävention und Bekämpfung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Diese setzt auf frühzeitige Hilfen, niedrigschwellige Unterstützungsangebote und eine bessere Zusammenarbeit der beteiligten Akteure. Ziel ist es, Wohnungsverluste möglichst zu verhindern, bestehende Wohnungslosigkeit zu überwinden und den betroffenen Menschen langfristige Perspektiven zu eröffnen.
Die vom LWV geförderten Angebote leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Sie sind häufig die erste Anlaufstelle für Menschen in schwierigen Lebenssituationen und verbinden unmittelbare Unterstützung im Alltag mit individueller Beratung und Begleitung.
Der Erste Beigeordnete des LWV Hessen, Alexander Heppe, betont: „Ein Zuhause ist mehr als ein Dach über dem Kopf. Es gibt Sicherheit und ist eine wichtige Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Wer wohnungslos ist, braucht deshalb schnelle und niedrigschwellige Hilfe. Entscheidend ist aber auch, Menschen eine echte Perspektive zu eröffnen, ihre Notlage dauerhaft zu überwinden. Genau dazu leisten Fachberatungsstellen und Tagesaufenthaltsstätten einen unverzichtbaren Beitrag.“
In Hessen gibt es derzeit 40 Fachberatungsstellen und Tagesaufenthaltsstätten für alleinstehende wohnungslose Menschen. Mit der diesjährigen Förderung deckt der LWV rund 97 Prozent ihrer Personal- und Sachkosten. Wie hoch die finanzielle Unterstützung für die einzelnen Träger ausfällt, hängt vom Umfang des jeweiligen Leistungsangebots sowie von der Personal- und Sachausstattung ab.
Wohnungslosigkeit kann viele Ursachen haben: Miet- oder Energieschulden, familiäre Konflikte, Trennungen, gesundheitliche Probleme oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Oft kommen mehrere Belastungen zusammen. Umso wichtiger sind Hilfsangebote, die ohne große Hürden erreichbar sind und die Menschen dort abholen, wo sie gerade stehen.
In den Tagesaufenthaltsstätten erhalten wohnungslose Frauen und Männer konkrete Unterstützung im Alltag. Sie können sich waschen, ihre Kleidung reinigen, eine günstige warme Mahlzeit erhalten oder sich an einem geschützten Ort ausruhen. Auch die Einrichtung einer Postadresse gehört zum Angebot. Sie ermöglicht es den Betroffenen, für Behörden und andere Stellen erreichbar zu bleiben. Darüber hinaus wird gegen einen geringen Beitrag der Jahreszeit entsprechende Kleidung ausgegeben.
Neben dieser unmittelbaren Unterstützung steht die persönliche Beratung im Mittelpunkt. Die Mitarbeitenden helfen dabei, existenzsichernde Leistungen zu beantragen, begleiten bei Behördengängen und unterstützen bei der Suche nach Wohnraum, Arbeit oder einem Therapieplatz. Dabei arbeiten die Einrichtungen eng mit weiteren Hilfsangeboten zusammen, etwa der Sucht- und Schuldnerberatung.
So geht es nicht allein darum, akute Not zu lindern. Ziel ist es, gemeinsam mit den betroffenen Menschen Wege aus der Wohnungslosigkeit zu entwickeln und ihnen wieder eine selbstbestimmte Lebensperspektive zu ermöglichen.