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Ergebnisse zur Befragung „Ich bin gefragt! So erlebe ich Teilhabe in Hessen“

Ergebnisse zur Befragung „Ich bin gefragt! So erlebe ich Teilhabe in Hessen“

Wie erleben Menschen mit Behinderungen ihre Teilhabe und was wird als unterstützend erlebt?


Diesen und weiteren Fragen ist der LWV Hessen mit dem Vorhaben „Ich bin gefragt! So erlebe ich Teilhabe“ nachgegangen.

Im Mittelpunkt standen dabei folgende Leitfragen:

  • Wie beurteilen Menschen ihre Lebensqualität in verschiedenen Lebensbereichen?
  • Welche Handlungsspielräume stehen ihnen zur Verfügung und wodurch werden diese begrenzt?
  • Welche Unterstützungsfaktoren erleben sie als hilfreich und wirksam?

Ziel des Vorhabens war es, besser zu verstehen, was aus Sicht von Menschen mit Behinderungen zu gelingender Teilhabe beiträgt und erste Wirkfaktoren zu identifizieren. Die Ergebnisse sollen dabei helfen, die Eingliederungshilfe in Hessen weiterzuentwickeln.

Das Vorhaben startete 2021 gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen xit GmbH. Im Zentrum stand eine umfangreiche Befragung, die zwischen November 2023 und September 2024 stattfand und in vier Wellen, gestaffelt nach Regionen in Hessen (Nord-Ost, Mitte, Südwest und Südost), durchgeführt wurde.

Im Rahmen eines aufsuchenden Ansatzes wurden insgesamt 791 persönliche Interviews mit leistungsberechtigten Personen geführt. Die Gespräche fanden überwiegend im direkten Lebensumfeld der Befragten statt. Die Teilnehmenden konnten selbst entscheiden, wo und in welchem Rahmen sie befragt werden möchten.

420 Personen wurden mit dem Fragebogen in standardisierter Sprache befragt. 371 Personen nutzten die Version in Leichter Sprache. Darüber hinaus kamen unterstützte Kommunikationsformen sowie bei Bedarf Gebärdensprache zum Einsatz.

Zentrale Erkenntnisse

Viele der befragten Personen erleben ihre Lebenssituation positiv:

  • Gut zwei Drittel der Befragten sind mit ihrem Leben zufrieden und nehmen sich als glückliche Menschen wahr.
  • Die große Mehrheit geht gerne zur Arbeit und fühlt sich dort wertgeschätzt.
  • Viele berichten von einer guten und verlässlichen Unterstützung durch Fachkräfte.
  • Selbstbestimmung im Alltag ist für viele Menschen möglich.

Gleichzeitig werden auch Herausforderungen sichtbar:

  • Einsamkeit ist für viele Menschen ein relevantes Thema.
  • Der Wunsch nach mehr sozialen Kontakten und Teilhabemöglichkeiten außerhalb von Einrichtungen ist deutlich.
  • Viele Menschen wünschen sich mehr Wahlmöglichkeiten, beispielsweise im Arbeitsleben.
  • Strukturelle Hürden erschweren teilweise selbstbestimmtes Handeln. Dazu zählen beispielsweise fehlende Barrierefreiheit, eingeschränkte Mobilitätsmöglichkeiten, organisatorische Vorgaben oder begrenzte Wahl- und Gestaltungsmöglichkeiten im Alltag.

Die Befragung zeigt außerdem:

  • Verlässliche Beziehungen zu Fachkräften werden als besonders unterstützend erlebt.
  • Auch familiäre Unterstützung und soziale Beziehungen spielen eine wichtige Rolle.
  • Eine stabile Tagesstruktur trägt wesentlich zur Bewältigung des Alltags bei.
  • Selbstbestimmung, soziale Einbindung und stabile Unterstützungsstrukturen werden als wichtige Voraussetzungen für gelingende Teilhabe wahrgenommen.

Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe in Hessen – mit dem Ziel, diese noch stärker an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten.

Bericht zur Befragung

Nun steht der Bericht mit allen Ergebnissen zur Verfügung.

Fragen & Antworten zum Vorhaben

  • Wer wurde befragt?

    Wer wurde befragt?

    Befragt wurden Menschen, deren Leistungen durch den LWV Hessen finanziert werden.

    Die Teilnehmenden wurden per Zufallsprinzip ausgewählt und schriftlich kontaktiert. Die Teilnahme an der Befragung war freiwillig.

    Rechtliche Betreuungen wurden zusätzlich informiert und erhielten die erforderlichen Unterlagen. Sie konnten die leistungsberechtigten Personen bei Bedarf unterstützen.

  • Wie lief die Befragung ab?

    Wie lief die Befragung ab?

    Die Befragung fand in persönlichen Gesprächen auf Grundlage eines eigens entwickelten standardisierten Fragebogens mit offenen und geschlossenen Fragen statt.Zwei Personen in einer Interview-Situation

    Die befragten Personen konnten selbst entscheiden, an welchem Ort und in welchem Rahmen das Gespräch stattfinden sollte. Auf Wunsch konnten Angehörige, rechtliche Betreuungen oder andere Vertrauenspersonen anwesend sein.

    Die Gespräche konnten in standardisierter Sprache, Leichter Sprache, Gebärdensprache oder unter Einsatz unterstützter Kommunikation durchgeführt werden. Ein Interview dauerte in der Regel etwa 45 Minuten.

  • Wie gestaltete sich der Datenschutz?

    Wie gestaltete sich der Datenschutz?

    Der Schutz personenbezogener Daten hatte während des gesamten Vorhabens einen hohen Stellenwert.

    Eine Teilnahme oder Nichtteilnahme hatte keinerlei Auswirkungen auf den Leistungsbezug. Die Befragung erfolgte ausschließlich auf Grundlage einer Einwilligung der teilnehmenden Personen.

    Die Interviews wurden durch die xit GmbH durchgeführt. Alle personenbezogenen Daten wurden nach Abschluss des Vorhabens gelöscht. Der LWV Hessen erhielt ausschließlich anonymisierte Ergebnisse ohne Personenbezug. Rückschlüsse auf einzelne Personen sind nicht möglich.

    Die Ergebnisse werden ausschließlich für die Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe genutzt.

  • Wie gestaltete sich der Datenschutz?

  • Was waren die thematischen Schwerpunkte?

    Was waren die thematischen Schwerpunkte?

    Die Befragung befasste sich unter anderem mit folgenden Themen:

    • Arbeit und Tagesgestaltung
    • Wohnen
    • Soziale Beziehungen
    • Unterstützungsbeziehungen
    • Selbstwirksamkeit
    • Selbstbestimmung und Rechte
    • Gesellschaftliche Teilhabe
    • Informationsmöglichkeiten
    • Allgemeines Stimmungsbild
  • Was war der fachliche Hintergrund?

    Was war der fachliche Hintergrund?

    Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) hat das Thema Wirkung und Wirksamkeit stärker in den Mittelpunkt der Eingliederungshilfe gerückt.

    Vor diesem Hintergrund untersuchte das Vorhaben, wie Menschen mit Behinderungen ihre Lebensqualität, Lebenszufriedenheit und Teilhabemöglichkeiten bewerten.

    Fachliche Grundlage bildeten die hessischen Rahmenverträge für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (Rahmenvertrag 2) sowie für Soziale Teilhabe und Teilhabe an Bildung (Rahmenvertrag 3).

    Während sich die Wirksamkeit auf die Qualität von Strukturen und Prozessen bezieht, beschreibt Wirkung die Veränderungen und Ergebnisse, die bei den leistungsberechtigten Personen selbst erreicht werden. Dazu gehören beispielsweise Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe oder Lebensqualität.

  • Was sind Lebenszufriedenheit und Lebensqualität?

    Was sind Lebenszufriedenheit und Lebensqualität?

    Lebenszufriedenheit beschreibt, wie Menschen ihr eigenes Leben bewerten. Sie zeigt, wie zufrieden jemand insgesamt mit seiner Lebenssituation ist und ist damit ein wichtiger Bestandteil von Lebensqualität.

    Lebensqualität beschreibt die Lebenssituation eines Menschen insgesamt. Dazu gehören beispielsweise Gesundheit, Wohn- und Lebensbedingungen, soziale Beziehungen sowie das persönliche Wohlbefinden. Lebensqualität entsteht in einem dynamischen Prozess, bei dem die Individuen selbst sowie politische, soziale und institutionelle Rahmenbedingungen miteinander wirken (vgl. Schalock et al., 2018).

  • Was sind Handlungsspielräume?

    Was sind Handlungsspielräume?

    Handlungsspielräume beschreiben die Möglichkeiten eines Menschen, das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten und Entscheidungen eigenständig treffen zu können.

    Dazu gehören beispielsweise die Gestaltung des Tagesablaufs, die Wahl von Freizeitaktivitäten, die Möglichkeit eigene Wünsche einzubringen oder soziale Beziehungen nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.

  • Was war das Ziel der Befragung?

    Was war das Ziel der Befragung?

    Ziel des Vorhabens war es, die Perspektive leistungsberechtigter Personen stärker in die Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe einzubeziehen.

    Die Ergebnisse liefern erste Erkenntnisse darüber, welche Faktoren aus Sicht der Betroffenen als unterstützend erlebt werden und wo weiterhin Entwicklungsbedarfe bestehen. Sie bilden damit eine wichtige Grundlage für die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema Wirkung in der Eingliederungshilfe.

  • Wie geht es nach der Befragung weiter?

    Wie geht es nach der Befragung weiter?

    Die Ergebnisse des Vorhabens liefern wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe in Hessen.

    Der LWV Hessen wird die gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um sich weiter mit dem Thema Wirkung und Ergebnisqualität auseinanderzusetzen. 

    Da sich das theoretische Verständnis von „Wirkung“ in der Eingliederungshilfe stetig weiterentwickelt, ist es umso wichtiger, die gewonnenen Erkenntnisse aufzugreifen und die vorliegenden Daten als Grundlage für eine kontinuierliche Qualitätsentwicklung zu nutzen. Dabei soll auch die Verstetigung entsprechender Befragungsformate geprüft werden und wie leistungsberechtigte Personen künftig noch stärker in entsprechende Prozesse einbezogen werden können.
    Auch der Aspekt der Wirksamkeit sollte dabei in die Weiterentwicklung miteinbezogen werden, insbesondere wenn es um die Struktur- und Prozessparameter der Leistungserbringung geht, beispielsweise auch über die Einbindung von Leistungserbringenden/Fachkräften/Angehörigen in diesen Diskurs.

Haben Sie noch Fragen?

Allgemeine Fragen zum Vorhaben:
E-Mail: nachgefragt@lwv-hessen.de (unter Angabe Ihres Namens und Ihrer Kontaktdaten)
Telefon: 0561 1004 - 5280

Fragen zum Befragungsablauf oder zur Terminvereinbarung:
E-Mail: befragung-lwv@xit-online.de
Telefon: 0911 20227 - 44 (montags bis freitags 9 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr)