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Gedenkstätte Hadamar

Bouffier informiert sich über Erweiterungspläne


Gruppenfoto beim Rundgang vor dem Gedenkbuch

Beim Rundgang zu den Erweiterungsplänen der Gedenkstätte Hadamar (v. l.): Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der Erste Beigeordnete des LWV, Dr. Andreas Jürgens, Gedenkstättenleiter Dr. Jan Erik Schulte und LWV-Landesdirektorin Susanne Selbert vor dem Gedenkbuch mit allen Namen der Menschen, die zwischen 1941 und 1945 in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet wurden. (Foto: Rolf K. Wegst)

13.09.2019

Hadamar (lwv): Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat heute die LWV-Gedenkstätte in Hadamar besucht. Er wurde dort von Landesdirektorin Susanne Selbert, dem Ersten Beigeordneten des LWV, Dr. Andreas Jürgens, Gedenkstättenleiter Dr. Jan Erik Schulte und dem Vorsitzenden des Fördervereins, Michael Thiele, begrüßt. Eingeladen hatte der Förderverein der Gedenkstätte. Volker Bouffier informierte sich vor Ort über die Pläne, die Gedenkstätte Hadamar und ihre Dauerausstellung bis 2025 zu erweitern und umfangreich zu erneuern. 

„Die Gedenkstätte in Hadamar erinnert an die Gewaltherrschaft des NS-Regimes. Sie steht für Unfreiheit, Gewalt und Mord unmittelbar vor unserer Haustür. Die Gedenkstätte erinnert und mahnt, sich mit aller Kraft dafür einzusetzen, dass in Deutschland alle Menschen frei, gleich und ohne Angst leben können. Das ist unser Ziel und unsere Verpflichtung – und aktueller denn je. Denn Gleichgültigkeit und Unachtsamkeit stehen oft am Anfang eines Prozesses der schleichenden Verrohung des Geistes. Aus Worten können Taten werden. Den Kampf gegen die Worte und Vorurteile – den müssen wir alle führen“, sagte Bouffier bei seinem Besuch.

Die Gedenkstätte soll erweitert werden, weil die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sind. Derzeit kommen mehr als 20.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr und damit deutlich mehr als die Gedenkstätte mit Blick auf die räumliche und personelle Situation dauerhaft verkraften könnte. Zudem ist die Konzeption der Dauerausstellung nicht mehr zeitgemäß. Während die bisherige Ausstellung Wissen in erster Linie über Texttafeln vermittelt, sollen in der neuen Ausstellung vielfältige Methoden eingesetzt werden – von dreidimensionalen Objekten über Originaldokumente bis hin zu multimedialen Angeboten.

„Die Gedenkstätte Hadamar ist für Hessen und weit darüber hinaus von besonderer Bedeutung“, unterstrich Landesdirektorin Susanne Selbert. „Die Menschen, die hier ermordet wurden, kamen aus ganz Deutschland. Für deren Angehörige und für die breite Öffentlichkeit ist Hadamar ein wichtiger Ort der Information und des Gedenkens. Es gilt, diesen zu erhalten und so zu gestalten, dass er den Anforderungen auch in Zukunft gerecht werden kann.“

Authentischer Ort

„Hadamar ist ein authentischer Ort, an dem sich die Brüche und die Abgründe der deutschen Geschichte zeigen. Das Gedenken an historischen Orten ist wichtiger denn je, da die Zeitzeugen dieser Verbrechen sterben und gleichzeitig  Nationalismus und Rassismus in der Gesellschaft zunehmen“, sagte Michael Thiele. „Neben dem Erhalt dieser historischen Stätten müssen wir eine moderne Form des Gedenken entwickeln, um zukünftigen Generationen die Mahnung für Menschenrechte und Demokratie weiterzugeben. Das ist unser Vermächtnis.“

Allein von Januar bis August 1941 wurden in der damaligen Landesheilanstalt Hadamar über 10.000 Menschen in der Gaskammer erstickt. Weitere 4.500 Menschen wurden von 1942 bis 1945 im Rahmen der so genannten dezentralen Euthanasie durch überdosierte Medikamente oder Hungerrationen getötet.

„Wir wollen verhindern, dass die Erinnerung an die Opfer dem Vergessen anheimfällt“, erklärte Dr. Andreas Jürgens, Erster Beigeordneter des LWV Hessen. Einen Teil der Kosten übernehmen der LWV als Träger der Gedenkstätte und das Land Hessen. Zudem wird derzeit ein Antrag auf Förderung beim Bund auf den Weg gebracht. „Wir sind hier am authentischen Ort, im denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Tötungsanstalt. Hier können wir die NS-Euthanasie in großer Breite darstellen. Zudem verfügen wir über eine sehr große Datenbank mit Informationen zu den Opfern“, begründete Dr. Jan Erik Schulte, Leiter der Gedenkstätte Hadamar, den Antrag.

Möglich wird die Erweiterung, weil Teile des Gebäudes, die bisher für die begleitenden psychiatrischen Dienste Vitos Hadamar genutzt wurden, seit Ende 2017 freistehen. Eine Vereinbarung sieht vor, dass der LWV das Gebäude künftig komplett übernimmt. Damit verdoppelt sich die bisherige Gesamtfläche der Gedenkstätte nahezu. „Unser Plan ist es, Mitte des kommenden Jahres mit der Neugestaltung zu beginnen“, sagte Dr. Jürgens. Auch während der Umbauzeit soll die Gedenkstätte geöffnet bleiben.

Rundgang

Mit der Neugestaltung kann Besucherinnen und Besuchern erstmals ein Rundgang angeboten werden. Dieser wird im Westflügel mit der Erläuterung der Geschichte des Gebäudes beginnen. Anhand der historischen Orte werden die Besucher dann dem Weg der Ermordeten folgen, von der Busgarage über den damaligen Auskleideraum bis in den Keller, wo die Gaskammer, der Sezierraum und Reste des Krematoriums zu sehen sind.

Ein Herzstück der neuen Ausstellung wird der ehemalige Auskleideraum sein. Er ist dem Gedenken an die Ermordeten vorbehalten und erinnert mit Hilfe von Biographien und Ausstellungsstücken an sie. Margarethe Meyer ist eine von den fast 15.000 Menschen, die von 1941 bis 1945 in Hadamar ermordet wurden. Von ihr ist ein selbstgestickter Kopfkissenbezug erhalten. Dieser soll Teil der künftigen Dauerausstellung werden.

Andere Themenbereiche der NS-Euthanasie werden den authentischen Räumen zugeordnet. So könnte zum Beispiel eine interaktive Landkarte in der Busgarage die Herkunftsorte der nach Hadamar verschleppten Menschen aufzeigen.

Im Raum der Namen soll schließlich eine Installation die Opfernamen präsentieren.

Gedenken seit 1953

1953 gedachte man erstmals in Deutschland der Opfer der NS-Euthanasie-Verbrechen mit einem Relief in der damaligen Landesheilanstalt Hadamar. In den Räumen der ehemaligen Tötungsanstalt und auf dem Außengelände entstand in den 1980er Jahren die Gedenkstätte Hadamar.


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