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5,42 Mio. Euro vom Bund

Umbau der Gedenkstätte Hadamar beginnt


Der Gebäudekomplex der Gedenkstätte Hadamar.

Der Gebäudekomplex der Gedenkstätte Hadamar. (Foto: Gedenkstätte)

15.11.2019

Kassel/Hadamar (lwv): Die Gedenkstätte Hadamar kann wie geplant erweitert und die Ausstellung neu konzipiert werden: Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat gestern entschieden, sich an den Modernisierung- und Entwicklungskosten bis 2025 mit 5,42 Millionen zu beteiligen. Damit können die bauliche Sanierung der Räume und die Neugestaltung der Ausstellung noch in diesem Jahr ausgeschrieben werden und wie geplant in 2020 beginnen.

"Wir freuen uns sehr, dass der Haushaltsausschuss unser Konzept unterstützt. Dadurch wird möglich, das Gedenken an die Opfer der Euthanasieverbrechen, die aus Hessen, anderen Regionen in Deutschland und auch aus anderen europäischen Ländern kamen und in Hadamar ermordet wurden, neu und zeitgemäß wach zu halten", sagt Dr. Andreas Jürgens, der für die Gedenkstätte verantwortliche Erste Beigeordnete des LWV. "Das Gedenken ist ein Zeichen für Humanität und für die Bedeutung unserer Demokratie."
LWV-Landesdirektorin Susanne Selbert bedankt sich bei dem Hessischen Ministerpräsidenten, der Staatskanzlei und der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung: "Ohne Ihre Fürsprache hätten wir unser Ziel sicher nicht so schnell erreicht. Wir freuen uns, dass unsere Initiative eine so breite Unterstützung erfährt." Auch zahlreiche Abgeordnete auf kommunaler, Landes- und Bundesebene hatten sich für das Projekt eingesetzt.

Die Gedenkstätte befindet sich an einem authentischen Ort: im denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Tötungsanstalt auf dem Gelände der Landesheilanstalt Hadamar, heute Vitos Hadamar. Sie ist damit der wichtigste Ort der Mahnung an die Euthanasie-Verbrechen der NS-Zeit in Hessen, aber auch von nationaler Bedeutung. Sie verfügt über eine sehr große Datenbank mit Informationen zu den Opfern.

Bis 2025 soll die Gedenkstätte umgebaut und erweitert werden. Hintergrund ist, dass die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sind, in den zurückliegenden fünf Jahren um mehr als ein Drittel. Derzeit kommen mehr als 20.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr, darunter überwiegend Schülerinnen und Schüler, und damit deutlich mehr als die Gedenkstätte mit Blick auf die räumliche und personelle Situation dauerhaft verkraften könnte. Zudem ist die Konzeption der Dauerausstellung nicht mehr zeitgemäß. Während die bisherige Ausstellung Wissen in erster Linie über Texttafeln vermittelt, sollen in der neuen Ausstellung vielfältige Methoden eingesetzt werden - von dreidimensionalen Objekten über Originaldokumente bis hin zu multimedialen Angeboten.

Umbau und Neugestaltung werden rund 13,5 Millionen Euro kosten. Rund 8,1 Millionen Euro tragen der LWV Hessen und das Land je zur Hälfte.

Hintergrund

Möglich wird die Erweiterung, weil Teile des Gebäudes, die bisher für die begleitenden psychiatrischen Dienste Vitos Hadamar genutzt wurden, seit Ende 2017 freistehen. Eine Vereinbarung sieht vor, dass der LWV das Gebäude künftig komplett übernimmt. Damit verdoppelt sich die bisherige Gesamtfläche der Gedenkstätte nahezu, die Ausstellungsfläche verdreifacht sich. Während der Umbauzeit soll die Gedenkstätte geöffnet bleiben.

Mit der Neugestaltung kann Besucherinnen und Besuchern erstmals ein Rundgang angeboten werden. Dieser wird im Westflügel mit der Erläuterung der Geschichte des Gebäudes beginnen. Anhand der historischen Orte werden die Besucher dann dem Weg der Ermordeten folgen, von der Busgarage über den damaligen Auskleideraum bis in den Keller, wo die Gaskammer, der Sezierraum und Reste des Krematoriums zu sehen sind.

Allein von Januar bis August 1941 wurden in der damaligen Landesheilanstalt Hadamar über 10.000 Menschen in der Gaskammer erstickt. Weitere 4.500 Menschen wurden von 1942 bis 1945 im Rahmen der so genannten dezentralen Euthanasie durch überdosierte Medikamente oder Hungerrationen getötet.
Die Gedenkstätte Hadamar wurde Anfang der neunziger Jahre vom LWV Hessen geschaffen. Seit 1953 erinnerte eine Gedenktafel im Eingangsbereich an die Verbrechen. Die Gedenkstätte wird seit 2014 von dem Historiker Dr. Jan Erik Schulte geleitet.


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