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LWV Hessen Integrationsamt

1,7 Millionen Euro für Kasseler Werkstatt


Bescheidübergabe in der Kasseler Werkstatt (v.l.): Werkstattbeschäftigter Michel Levien, Vorstandsvorsitzender Mike Alband-Nau, Landesdirektorin Susanne Selbert (Foto: Uwe Zucchi)

02.09.2022 

Kassel (lwv): Einen Bewilligungsbescheid über rund 1,7 Millionen Euro überreichte LWV-Landesdirektorin Susanne Selbert heute an Mike Alband-Nau, Vorstandsvorsitzender der Sozialgruppe Kassel e. V., Trägerin der Kasseler Werkstatt in der Mündener Straße 45. Mit dem Geld fördert das Integrationsamt des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) Hessen einen Neubau mit 140 Arbeitsplätzen für behinderte Menschen, der das bestehende Werkstattgebäude aus der Nachkriegszeit mit angebauter Halle ersetzen soll. Im neuen Gebäude sind außerdem 70 Plätze für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf im Bereich der Tagesförderstätte vorgesehen.

Für das jetzige, komplett sanierungsbedürftige Werkstattgebäude bleibt nur der Abriss, nachdem sich statische Probleme abgezeichnet haben. Hinzu kommt, dass das Gebäude drei unterschiedliche Höhenebenen hat, die durch teils steile Rampen und eine Treppe überbrückt werden, was den behinderten Menschen den Zugang zu den einzelnen Gebäudeteilen sehr erschwert. "Wir möchten mit unserer Förderung dazu beitragen, dass die Beschäftigten baldmöglichst ein zeitgemäßes, barrierefreies Arbeitsumfeld erhalten", sagte Landesdirektorin Susanne Selbert bei der Übergabe des Bewilligungsbescheides. Dies trage den Anforderungen durch das Bundesteilhabegesetz Rechnung.

Der Neubau, der wie eine vierseitige Hofanlage mit rechteckigem Atrium in der Mitte geplant ist, richtet sich an einem neuartigen, offen angelegten Konzept ohne strikte Trennung zwischen Werkstattbereich und Tagesförderstätte aus. "Wir bauen keine klassische Werkstatt für behinderte Menschen, sondern eine Art Marktplatz der Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten", beschreibt Vorstandsvorsitzender Alband-Nau. Die Architektur ermögliche es, vom Freiraum in der Mitte aus über einen umlaufenden, breiten Flur alle Räumlichkeiten mit ihren ganz unterschiedlichen Angeboten barrierefrei zu erreichen. Dazu zählen die Werkstattbereiche für Montage und Verpackung sowie der Berufsbildungsbereich. Aber auch Büros sowie Ruhe- und Therapieräume und ein Multifunktionsraum sind über den Platz in der Mitte angeschlossen, ebenso die neue Küche mit Mensa und die Pforte. In allen Bereichen gibt es Arbeits- und Beschäftigungsplätze für behinderte Menschen.

Künftig sollen alle Sanitärbereiche barrierefrei und gut mit Rollator oder Rollstuhl zu nutzen sein. Außerdem ist eine "Pflegeinsel" geplant, wo auch umfangreichere Pflegetätigkeiten in einem "würdigen Umfeld" möglich sein werden, so Alband-Nau. "Unsere Beschäftigten sollen dahin gehen dürfen, wo es für sie je nach ihrer Tagesform und ihrem Interesse das beste Angebot gibt", erklärt er das offene Konzept. Die behinderten Menschen hätten so die Wahl, ob sie beispielsweise an einer Maschine arbeiten oder einer Tätigkeit im Büro, in der Küche oder im Bereich der Hausmeister nachgehen wollten.

Geplant ist, den Neubau der Kasseler Werkstatt in fünf Bauabschnitten bis 2025 zu realisieren. Als erstes soll noch in diesem Jahr ein neuer Gebäudeteil auf einer angrenzenden Freifläche errichtet werden, in den der Werkstatt-Bereich umzieht, ehe das jetzige Gebäude fast komplett abgerissen wird. Nur ein kleiner Teil des Altbaus bleibt stehen und wird saniert.

Die Gesamtbaukosten sind auf rund 6,7 Millionen Euro für den neuen Werkstatt- und Arbeitsbereich und auf rund 5,6 Millionen Euro für den Bereich der Tagesförderstätte veranschlagt. Jeder der 140 Werkstatt-Arbeitsplätze wird vom LWV Hessen Integrationsamt mit 12.000 Euro - das sind insgesamt 1,68 Millionen Euro - aus Mitteln der Ausgleichabgabe gefördert. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration steuert 1,4 Millionen Euro für den Werkstattbereich und 1,2 Millionen Euro für den Bereich der Tagesförderstätte bei. Die übrigen Kosten finanziert die Sozialgruppe Kassel e.V. als Träger zunächst vor. Diese werden über die Abrechnung der Betreuungskosten später überwiegend vom LWV refinanziert.

Hintergrund

Die Kasseler Werkstatt verfügt über drei Standorte in Kassel. Im Werk 1 in der Mündener Straße 45 und im Werk 2 in der Werner-Heisenberg-Straße 18 bietet sie Dienstleistungen in den Bereichen Industriemontage und -verpackung, CNC-Frästechnologie und Aktenvernichtung an. An einem weiteren Standort in Oberzwehren befindet sich der Bereich Gartenbau. Für Männer und Frauen, die nicht, noch nicht oder nicht mehr im Arbeitsbereich der Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten können, gibt es eine Tagesförderstätte. Es werden auch Maßnahmen zur beruflichen Bildung angeboten. 


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