Walter-Picard-Preis

Preisträger Adalbert Riebensahm und Nachbarn des Wohnheims für psychisch kranke Männer und Frauen in Riedstadt-Erfelden

Adalbert Riebensahm, Vorsitzender des Vereins Partner für Psychisch Kranke im Landkreis Kassel, gründete unter anderem eine Gesprächsgruppe für Angehörige von Menschen mit psychischen Erkrankungen, die er bis heute leitet. Aufgrund seiner Initiative laden die Vereinsmitglieder außerdem regelmäßig zu Spaziergängen „mit Freunden“ und anschließendem Kaffeetrinken ein. Adalbert Riebensahms Motto lautet: „Psychisch kranke Menschen müssen Rücksicht auf ihre Krankheit nehmen, sie sollten ihr Leben aber keinesfalls der Krankheit unterordnen, sondern die gesunden Anteile, die sie haben, wahrnehmen.“ Diese Grundidee habe er in den Verein getragen und Projekte initiiert, mit denen er den erkrankten Menschen und ihren Angehörigen Freude am Leben gegeben habe, sagt sein Stellvertreter Burkhard Wilhelm. Wertvolle Impulse habe Riebensahm in einer Phase des Umbruchs gegeben, als der Verein das Betreute Wohnen abgab und sich auf ehrenamtliches Engagement konzentrierte.

Rund 160 Mitglieder zählt der Verein Partner für Psychisch Kranke im Landkreis Kassel, der 1986 gegründet wurde und seither einen wesentlichen Beitrag zur ambulanten Versorgung in der Region leistet.

Erstmals haben die Anwohner einer ganzen Straße den Walter-Picard-Preis des LWV Hessen bekommen: Nachbarn des Wohnheims für psychisch kranke Männer und Frauen in Riedstadt-Erfelden. Sie werden geehrt für eine aktive Nachbarschaft zu den Heimbewohnern. „Unsere Nachbarn nehmen Anteil an dem Leben unserer Bewohner, hören ihnen zu, kommen zu unseren Festen und sind zum Teil auch mit den Angehörigen bekannt. Das ist ein alltäglicher Kontakt, nichts Aufgesetztes. Vom Gespräch am Gartenzaun bis zu spontanen Fahrdiensten reicht die Kontaktpflege“, sagt Renate Marquardt-Keil, Leiterin des Wohnheims, in dem 17 Menschen mit schweren seelischen Behinderungen leben (Träger ist der Sozialpsychiatrische Verein Groß-Gerau).

„Sie haben Normalität ins Leben von Menschen mit psychischen Erkrankungen gebracht“, sagt Landesdirektor Brückmann in seiner Laudatio. „Damit haben Sie vollbracht, was kein Arzt und kein Therapeut auf diese Weise hätte leisten können.“