Pressemitteilung vom 10. März 2010

"Ein außergewöhnliches Projekt": Picard-Preis des LWV geht an Verein "MObiLO"

Der Verein MObiLO, der in Marburg das Café im Kaiser-Wilhelm-Turm betreibt, hat heute bei einer Feierstunde im Hessischen Landtag den Walter-Picard-Preis des LWV erhalten. „Kreativität, Menschlichkeit und Gemeinsinn haben ein außergewöhnliches Projekt ermöglicht“, betonte LWV-Landesdirektor Uwe Brückmann in seiner Laudatio. Aktiven und engagierten Menschen, wie sie im Verein MObiLO zu finden sind, sei es zu verdanken, dass „Gemeindepsychiatrie“ heute nicht mehr als abstrakter Begriff, sondern als gelebte Realität empfunden werde. Zu Beginn hatte Robert Becker, Präsident der Verbandsversammlung, an die Lebensleistung des Sozialpolitikers und Psychiatriereformers Walter Picard erinnert, der heute vor zehn Jahren starb.

„Das Café ist eine Erfolgsgeschichte – auch und besonders für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagte der LWV-Chef. Nachahmenswert und vorbildlich sei es, wie hier das Ziel verwirklicht werde, Menschen mit psychischen Erkrankungen die Teilhabe am beruflichen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben zu ermöglichen. Funktionieren könne das nur, wenn professionelle Hilfe, ehrenamtliches Engagement und nicht zuletzt der beharrliche Einsatz der betroffenen Menschen selbst ineinander greifen. Das sei genau das, was sich Walter Picard in seinen Reformkonzepten vorgestellt habe: „Psychisch kranke Menschen sollen einen Platz in unserer Gesellschaft haben, sie sollen unter uns leben – getragen von der Gemeinschaft.“

36 Initiativen wurden für die Preisverleihung vorgeschlagen. „Sie zeigen, dass wir wichtige Schritte auf dem Weg zu einer menschlicheren psychiatrischen Versorgung gegangen sind“, erläuterte der LWV-Chef. „Wenn es uns am Ende gelungen ist, den richtigen Preisträger auszuwählen, dann vielleicht auch deshalb, weil in diesem Fall das ehrenamtliche Engagement in besonderem Maße zutrifft.“ Lutz Götzfried und Marion Fenner, zwei der Gründungsmitglieder von MObiLO, nahmen die Auszeichnung entgegen. Neben dem Preisgeld von 5.000 Euro und einer Urkunde überreichte ihnen Uwe Brückmann eine Skulptur: Sie wurde von Mohammed Jamalafrani in der Kunsttherapie-Werkstatt der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Bad Emstal geschaffen.