Pressemitteilung vom 10. März 2016

Walter-Picard-Preis an EX-IN Hessen und Forum Schmiede

Die Vereine EX-IN Hessen aus Marburg und Forum Schmiede aus Taunusstein sind in Kassel mit dem Walter-Picard-Preis ausgezeichnet worden. Den mit insgesamt 5.000 Euro dotierten Preis hat Dr. Andreas Jürgens, Erster Beigeordneter des LWV Hessen, den Vorsitzenden Andreas Jung und Heidi Höhn am Nachmittag im Ständehaus überreicht. „Beiden Initiativen gelingt es, die Erfahrungen psychisch kranker Menschen für andere Betroffene nutzbar zu machen, sei es durch regelmäßigen Austausch oder eine fundierte Genesungsbegleitung“, so Jürgens. „Das weckt auf beiden Seiten Potentiale und verhindert, dass sich psychisch kranke Menschen ausgegrenzt fühlen.“

Das Forum Schmiede ist aus einer 1990 gegründeten Selbsthilfegruppe hervorgegangen. Der Verein wurde von Betroffenen mit Psychiatrie-Erfahrung, deren Angehörigen und Bürgern ins Leben gerufen. Seit 2001 organisieren sie jahreszeitbezogene Märkte in der Scheune des historischen Lehenshofs in Taunusstein-Hahn. Dort werden selbst gemachte Produkte aus der Holz-werkstatt, Kerzen, Marmelade, Handarbeiten, Pappmaché-Werke und Arbeiten aus dem Fotolabor angeboten. Daneben werden ein Café, eine Bücherstube und ein Flohmarkt-Lädchen betrieben, um Kontakte und sinnvolle Beschäftigung zu ermöglichen. Mit den Einnahmen finanziert der Verein Fahrdienste, Essensmarken und Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen für bedürftige Mitglieder.

EX-IN Hessen ist Teil des gleichnamigen Bundesvereins, der Name steht für Experienced Involvement, übersetzt: „Beteiligung Erfahrener“. Vorbilder waren vergleichbare Initiativen in Skandinavien und England. Männer und Frauen, die selbst in der Psychiatrie waren, werden als sogenannte Genesungsbegleiter in der Gesundheitsversorgung eingesetzt. Sie durchlaufen zuvor eine einjährige Ausbildung, in der sie lernen, welche psychischen Krankheitsbilder es gibt, sie reflektieren ihre eigene Krankengeschichte und absolvieren Praktika in zwei psychiatrischen Einrichtungen. Im Fokus steht dabei, soziale Ausgrenzung abzubauen, indem psychisch Erkrankte über Arbeit Anerkennung und ihren Platz in der Gesellschaft finden.

Die Preisträger sind von einem Komitee ausgewählt worden, dem Vertreter des LWV und Experten aus der psychiatrischen Praxis angehörten. Der LWV-Verwaltungsausschuss ist diesem Vorschlag gefolgt und hat die Vergabe im Januar beschlossen.

Der Walter-Picard-Preis wird alle zwei Jahre für besonders nachahmenswertes ehrenamtliches Engagement oder professionelle Projekte in der hessischen Gemeindepsychiatrie vergeben. Er wurde 2001 ins Leben gerufen und ist nach dem am 10. März 2000 verstorbenen Sozialpolitiker Walter Picard aus Offenbach benannt. Picard war einer der Initiatoren der Psychiatrie-Enquête, die ab 1975 maßgeblich zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland beigetragen hat. Picard gehörte dem Bundestag an und war lange Abgeordneter der Verbandsversammlung des LWV. Ihm lag es besonders am Herzen, offene und wohnortnahe Hilfen für psychisch kranke Menschen zu schaffen. Auch für die Stärkung von Selbsthilfe-Projekte setzte sich Picard ein. Der Walter-Picard-Preis wird in diesem Jahr zum achten Mal vergeben.