Engagierter Nachwuchs

Lina-Marie Janßen ist eine der ersten, die den noch jungen Ausbildungsgang zur Kauffrau für Büromanagement absolviert. Der LWV prüft, ob für diesen Beruf dauerhaft beim Verband ausgebildet werden soll.

 

KASSEL. Auf dem Flur ist bereits fröhliches Lachen zu hören. Die gute Stimmung kommt aus dem Büro von Dorothee Sasser und Lina-Marie Janßen, die sich an zwei Schreibtischen gegenübersitzen und diskutieren. Dürfen Auszubildende Dienstwagen fahren? Beide sind sich unsicher. Der Blick ins Reisekostengesetz hilft ihnen da nicht weiter. Später wird Janßen die Leiterin der Aus- und Fortbildung anrufen, beschließt sie und stellt das Problem zurück. Sie absolviert gerade ihre siebte Ausbildungsstation im Funktionsbereich Aus- und Fortbildung in der Kasseler Hauptverwaltung.

Die 21-Jährige ist - gemeinsam mit Julian Kanngießer - die erste, die diese Ausbildung beim LWV durchläuft. Mit diesem Abschluss ist es erstmals auch möglich, einen Job in der Privatwirtschaft anzutreten. Die Hälfte der dreijährigen Ausbildung ist bereits um und der erste Teil der Abschlussprüfung absolviert. Es gibt keine klassische Zwischenprüfung, sondern die Abschlussprüfung ist zweigeteilt. Teil eins wird nach der Hälfte der Ausbildungszeit abgelegt. "Ja doch, ich habe ein ganz gutes Gefühl, es ist gut gelaufen", erklärt die junge Frau auf Nachfrage. Und wie fällt die persönliche Bilanz von Lina-Marie Janßen nach der ersten Hälfte der Ausbildung aus? Gut! "Ich bin zufrieden mit meinem Beruf", sagt sie.

 

SOZIALE AUFGABEN

Als sie sich beim LWV beworben hat, wusste sie nicht genau, was sie erwartet, ob es das Richtige für sie ist. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) in der Nähe von Bremen in einer Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung war ihr klar, dass das nicht ihr Job fürs Leben ist. Aber im sozialen Bereich wollte sie bleiben. Da erschien ihr der LWV mit seinem Aufgabengebiet gerade richtig. Und weil sie sich unter Kauffrau fur Büromanagement viel mehr vorstellen konnte als unter Verwaltungsfachangestellte, hat sie sich darauf beworben.

Den Anfang empfand sie erst einmal als echte Umstellung: "Das FSJ-ler-Leben war natürlich viel lockerer. Das sind hier andere Anforderungen, schon mehr das Erwachsenenleben", sagt sie lachend. Aber Lina-Marie Janßen ist schnell reingewachsen, hat gelernt, sich selbst zu strukturieren, die Arbeitszeit mit Gleitzeit einzuteilen und Verantwortung zu übernehmen. Als Auszubildende, so sagt sie, treffe man es beim LWV bestens. Überall werde darauf geachtet, dass es in der Ausbildung gut laufe.

Sie bereitet gerade Vorstellungsgespräche vor. "Ich schreibe Einladungen, stelle Prüfungsordner zusammen, bestelle in der Kantine Getränke oder mache Namensschilder. Alles, damit der ganze Tag eben läuft", sprudelt es aus der jungen Frau hervor und es ist ihr anzumerken, dass sie in ihrem Element ist.

 

LERNEN AN MEHREREN ORTEN

Zweimal in der Woche geht sie zur Berufsschule. Da wird das Know-how in verschiedenen Lernfeldern wie etwa Marketing, Rechnungswesen, Beschaffung, Bürowirtschaft oder auch Arbeitsplatzergonomie oder Tarifrecht vermittelt. Diese theoretischen Grundlagen werden dann im Alltag umgesetzt. Etwa wenn sie Fortbildungen mit plant, dabei Excel-Listen anlegt und Dienstreiseanträge bearbeitet. Ihr hilft, dass sie sich mit dem LWV und der Arbeit identifiziert. Daneben gibt es die so genannte Dienstbegleitende Unterweisung, die ist Janßen wichtig. 560 Stunden Unterricht absolvieren Kaufleute für Büromanagement beim Hessischen Verwaltungsschulverband. Die Stunden, die Lina-Marie Janßen im Verwaltungsseminar in Kassel verbringt, sollen sie auf die Besonderheiten im Öffentlichen Dienst vorbereiten. Deshalb stehen Themen wie Kommunalrecht, Verwaltungs- und Staatsrecht, Öffentliche Finanzen und Rechnungswesen auf dem Stundenplan. Was sich für den einen oder anderen höchst langweilig anhört, findet Lina-Marie Janßen spannend. Man lerne hier viel und alles Wissen verknüpfe sich zu einem Gesamtbild, einem sinnvollen Ganzen. So guckt sie auch im Alltag mal ins Gesetz und überlegt, wo man bei einem Problem wohl weiterkommen würde. Etwa wenn es um die Frage der Dienstfahrten für Auszubildende geht. "Lina-Marie macht das klasse", lobt die Kollegin. "Sie ist eine Pfiffige."

Wenn Dinge ineinandergreifen und sich Zusammenhänge erschließen, das mag Janßen genauso, wie Neues kennenzulernen. So konnte sie jeder Ausbildungsstation etwas abgewinnen. Überall habe sie etwas gelernt über den LWV und seine Aufgaben, egal ob in der Zentralen Vergabestelle, im Funktionsbereich Unterhalts- und Kostenbeitrag, der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit oder dem Archiv des LWV

So passt es ins Bild, dass sie sich gleich über einen Auslandsaufenthalt informiert hat als sie von Erasmus+ gehört hat. Mit dem EU-Programm will die Baunatalerin im Oktober nach England. Vier Wochen. Unterstützt wird sie dabei von der Handwerkskammer Kassel, die neben ihren eigenen Auszubildenden auch die des LWV betreut. Zu Beginn hat Lina-Marie Janßen noch mit Malta oder Stockholm geliebäugelt. In Stockholm gab es eine geeignete Stelle für die englischsprechende Auszubildende, die aber leider im Oktober besetzt ist. "Ja, das ist in der Verwaltung schwierig. Da kommt dann ein schwedischer Antrag ...", lacht sie.

Jetzt freut sie sich, wenn ein Praktikum in Porthmouth zustande kommt. "Ich bin aber auch ein bisschen aufgeregt, weil ich das dann ganz alleine machen muss." Von ihren Erfahrungen werden andere Auszubildende profitieren, denn Janßen ist die erste Nachwuchskraft beim LWV, die den Auslandsaufenthalt macht. Sie wird viel berichten müssen. Zunächst wohl in der Gesamtjugend- und Auszubildendenvertretung (GJAV), deren Vorsitzende sie seit kurzem ist.

Zunächst engagierte sie sich als einfaches Mitglied in der GJAV und wurde Vorsitzende, als ihrer Vorgängerin die Zeit fehlte. "Zwei Jahre", so sagt sie, "das ist überschaubar." Und es sei spannend, sich mit den Auszubildenden aus Südhessen zu treffen, Neues zu erfahren und auszutauschen. Zudem sei es eine andere Rolle als in der Ausbildung. Sie empfindet es als bereichernde Erfahrung, genau wie den Umstand, dass "mit guten Argumenten doch einiges geht", sagt sie mit einem Lächeln.

 

VIELFÄLTIGE PERSPEKTIVE

Wie fällt der berufliche Blick nach vorn aus? "Ich kann mir ein Arbeitsleben beim LWV vorstellen", sagt sie, ohne lange zu überlegen. Sie nennt eine Reihe von Gründen dafür: ein Job, der ihr gefällt, eine nette Arbeitsatmosphäre, ein relativ sicherer Arbeitsplatz, wenn man übernommen wird, gute Rahmenbedingungen wie verschiedene Arbeitszeitmodelle beim LWV oder die guten Aufstiegschancen. Trotzdem findet sie es ganz schön, dass sie mit ihrer Ausbildung auch im Handwerk oder in einem Wirtschaftsbetrieb Chancen hätte. Es könnte ja sein, dass sie mal woanders hingeht - aus privaten Gründen.

Rose-Marie von Krauss

 


 

GROSSES EINSATZSPEKTRUM

Interview mit Birgit Behr,

Leiterin des Funktionsbereichs Aus- und Fortbildung

 

Seit August 2015 bietet der LWV den noch jungen Ausbildungsberuf Kauffrau bzw. Kaufmann für Büromanagement an, obwohl es die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten gibt. Warum?

Die beiden Ausbildungsgänge haben unterschiedliche Schwerpunkte. Die Verwaltungsfachangestellten unterstützen durch einen größeren verwaltungsrechtlichen Schwerpunkt eher den Bereich der Sachbearbeitung. Bei den Kaufleuten für Büromanagement steht die Büroorganisation im Vordergrund. Beides wird gebraucht und so bieten wir die beiden Ausbildungsgänge an. Die Weiterqualifizierung zum Verwaltungsfachwirt ist in beiden Fällen bei uns möglich.

Wo liegt für den LWV der Vorteil des neuen Ausbildungsgangs?

Mit den neuen Ausbildungsinhalten hat sich das Spektrum der Einsatzmöglichkeiten vergrößert: Vorzimmer, Assistenz im Leistungsbereich oder Sachbearbeitung in den Querschnittsbereichen. Alles ist möglich. Das macht den Beruf für junge Menschen attraktiv. Genauso, dass es sich um einen branchenübergreifenden Beruf handelt. Neben dem öffentlichen Dienst können auch das Handwerk oder der kaufmännische Bereich Tätigkeitsfelder sein.

Wie wirkt sich das auf die Ausbildung aus?

In der praktischen Ausbildung müssen zwei so genannte Wahlqualifikationen absolviert werden, die sich auf das jeweilige Berufsprofil beziehen. Beim LWV sind das Verwaltung und Recht sowie Assistenz und Sekretariat. Bei anderen Ausbildungsbetrieben können das andere Wahlqualifikationen sein, wie zum Beispiel Kaufmännische Abläufe oder Einkauf und Logistik. Die Prüfungen für die öffentliche Verwaltung werden von den Regierungspräsidien abgenommen, diejenigen aus der Privatwirtschaft von der IHK. Der Grundgedanke dabei ist die Durchlässigkeit. Ob es so funktionieren wird, bleibt abzuwarten.

Das Interview führte Rose-Marie von Krauss