19.06.2007
Beim Landeswohlfahrtsverband Hessen passen Familie und Beruf zusammen - Kasseler Zentrale jetzt mit Zertifikat
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Kassel/Berlin (lwv): Der Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV) hat sich mit seiner Hauptverwaltung in Kassel erfolgreich auf den Weg zum familiengerechten Arbeitgeber gemacht: Nach einem mehrmonatigen audit durch die bundesweit tätige Initiative berufundfamilie® erhielt der LWV jetzt das „Grundzertifikat berufundfamilie®“. „Mit dem audit und der nun erfolgten Zertifizierung wollen wir zeigen, dass ein Arbeitgeber einiges zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen kann“, sagte LWV-Landesdirektor Uwe Brückmann, der das Zertifikat gemeinsam mit LWV-Frauenbeauftragter Martina Maurer bei einer Veranstaltung in Berlin aus den Händen von Bundesfamilienministerin Dr. Ursula von der Leyen und der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Dagmar Wöhrl, entgegennahm.
Unternehmensziele und Mitarbeiterinteressen stünden dabei nicht im Gegensatz, beide Seiten würden Vorteile aus dem familiengerechten Umbau des Arbeitsalltages ziehen, unterstrich der LWV-Chef, dem die Zertifizierung auch ein persönliches Anliegen ist: „Mit einer familienbewussten Personalpolitik binden wir qualifizierte Beschäftigte enger an unser Haus, können Fluktuation, Fehlzeiten und Überbrückungszeiten verringern. Auch zur Bewältigung des demografischen Wandels können wir einen Beitrag leisten.“ Das Zertifikat bescheinigt dem Kommunalverband, eine familienbewusste Personalpolitik zu verfolgen und die Etablierung einer nachhaltigen, familienorientierten Unternehmenskultur eingeleitet zu haben.
In einem flexiblen Arbeitszeit- und Teilzeitmodell sieht die LWV-Frauenbeauftragte Martina Maurer einen wichtigen Baustein gesetzt: „Die hohe Teilzeitquote zeigt, dass es hier einen Bedarf an flexiblen Lösungen, besonders bei den weiblichen Beschäftigten, gibt.“
In den kommenden Monaten soll es darum gehen, einen zweiten Katalog von Maßnah-men umzusetzen, zu dem auch die Sensibilisierung der LWV-Führungskräfte gehört: „Unsere Führungskräfte sollen dazu beitragen, dass aus Zielsetzungen gelebte Unternehmenskultur wird. Das Thema gehört daher auch in die Führungsleitlinien sowie in die jährlichen Mitarbeitergespräche“, unterstreicht LWV-Chef Brückmann.
Hintergrund
Der LWV – ein familiengerechter Arbeitgeber
Dem audit, das von allen Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft empfohlen wird, hat sich zunächst die LWV-Hauptverwaltung in Kassel unterzogen. Dort waren zum Zeit-punkt der Zertifizierung 687 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Der Anteil weiblicher Beschäftigter betrug 60 %, die Teilzeitquote lag bei rund 29 %.
Bereits umgesetzt wurde:
- Arbeitszeitrahmenmodell: Gleitzeit mit Servicezeit und weitreichender Übertragungsmöglichkeit
- Erziehende von Kindern unter 12 Jahren und Beschäftigte, die einen Angehörigen pflegen, können für die Betreuung zusätzliche Gleittage in Anspruch nehmen
- Sehr flexible, individuelle Teilzeitmodelle
- Teilzeit in Führungspositionen
- Telearbeit
- Kontakterhaltende Maßnahmen für beurlaubte Mitarbeiter/innen
- Gleichstellung: Frauenförderplan und spezifische Fortbildungsangebote für Frauen
Neben der Umsetzung weiterer Maßnahmen sollen auch die LWV-Regionalverwaltungen in Wiesbaden und Darmstadt in die Umgestaltung einbezogen werden. Weitere aktuelle Informationen zur Zertifizierung finden Sie unter www.beruf-und-familie.de/presse.
Das audit berufundfamilie®
Das audit berufundfamilie®, entwickelt auf Initiative und im Auftrag der Hertie-Stiftung, ist ein strategisches Managementinstrument, das Arbeitgeber darin unterstützt, Unternehmensziele und Mitarbeiterinteressen in eine tragfähige, wirtschaftlich attraktive Balance zu bringen. Einsetzbar in allen Branchen und Betriebsgrößen, erfasst das audit den Status quo der bereits angebotenen Maßnahmen zur besseren Balance von Beruf und Familie und ermittelt systematisch das betriebsindividuelle Entwicklungspotenzial. Nach erfolgreichem Abschluss dieses Prozesses erhalten die Unternehmen und Institutionen das „Grundzertifikat zum audit berufundfamilie®“. Die praktische Umsetzung der erarbeiteten Ziele und Maßnahmen überprüft die berufundfamilie gGmbH, eine Tochter der Hertie-Stiftung, jährlich. Nach drei Jahren kann das Unternehmen im Rahmen einer Re-Auditierung weiterführende Ziele vereinbaren. Nur bei erfolgreicher Re-Auditierung erhalten die Unternehmen/Institutionen ihr eigentliches Zertifikat und dürfen das Gütesiegel des audit unverändert führen – bis zur nächsten Überprüfung nach weiteren drei Jahren.
Über die Zertifikatsvergabe entscheidet das Kuratorium der berufundfamilie gGmbH, das zweimal im Jahr zusammentritt. Dem Kuratorium gehören an:
- Prof. Dr. Paul Kirchhof (Vorsitzender), Universität Heidelberg
- Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleitner (Stellvertretung), Technische Universität München
- Prof. Dr. Jörg Althammer, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Sozialwissenschaft
- Ludwig Georg Braun, B. Braun Melsungen AG
- Dr. Michael Endres, Gemeinnützige Hertie-Stiftung
- Petra Gerster, ZDF
- Dr. Tessen von Heydebreck, Vorstandsvorsitzender, Deutsche Bank Stiftung
- Dr. Margot Käßmann, Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannover
- Siegmar Mosdorf, CNC AG
- Dr. Petra Roth, Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main
- Renate Schmidt, Bundesministerin a. D., Mitglied des Deutschen Bundestages
- Dr. Burkhard Schwenker, Roland Berger Strategy Consultants
- Tillmann Todenhöfer, Robert Bosch Industrietreuhand KG
- Prof. Dr. Artur Wollert, Universität Karlsruhe
Zertifikate zum audit berufundfamilie® wurden erstmals 1999 vergeben. Seit 2002 wird zudem das audit familiengerechte hochschule angeboten. Inzwischen haben mehr als 500 Unternehmen, Institutionen und Hochschulen mit rund 813.000 Beschäftigten und 586.000 Studierenden das audit durchlaufen. Dabei sind über 140 Ideen familienfreundlicher Maßnahmen zusammengetragen worden, die im Zusammenwirken die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Sie verteilen sich auf acht Handlungsfelder: Arbeitszeit und -organisation, Arbeitsort, Informations- und Kommunikationspolitik, Führungskompetenz, Personalentwicklung, Entgeltbestandteile, geldwerte Leistungen sowie Service für Familien.
2005 hat die Hertie-Stiftung das „Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik“ (FFP) an der Universität Münster gegründet. Im Auftrag der berufundfamilie gGmbH werden dort betriebswirtschaftliche Effekte familienfreundlicher Maßnahmen in Unternehmen erstmals wissenschaftlich fundiert untersucht und quantifiziert. Ziel ist es, stichhaltige Aussagen zur Kosten-Nutzen-Relation familienbewusster Personalpolitik treffen zu können. Im Frühjahr 2006 konnte mit einer Studie unter 98 auditierten Unternehmen der Nachweis darüber erbracht werden, dass familienfreundliche Personalpolitik Krankenstand und Fluktuation reduziert, die Rekrutierung von qualifiziertem Personal verbessert und das Image des Unternehmens stärkt.
Das audit berufundfamilie® steht unter der Schirmherrschaft der Bundesfamilienministerin sowie des Bundeswirtschaftsministers. Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft – BDA, BDI, DIHK und ZDH – empfehlen das audit, da es die ökonomischen und betrieblichen Vorteile einer familienbewussten Personalpolitik in den Vordergrund stellt.