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Walter-Picard-Preis

Sieg für Inklusion auf dem Fußballplatz


Gruppenfoto von der Siegerehrung

Ausgezeichnet mit dem Walter-Picard-Preis für ihr inklusives Frankfurter Fußballprojekt (vorne v. l.): die Trainer Jamal Er-Rjah und Mustapha Daby, Roland Frischkorn (FTV 1860), FTV-Abteilungsleiterin Elvira Marburger, Dr. Ute Müller-Kindleben (stellvertretende FTV-Vorsitzende). 2. Reihe v. l.: LWV-Landesdirektor Uwe Brückmann, Projekt-Initiator Jürgen Medenbach, Spieler Daniel Haag, Dr. Gerd Kindleben (Vorsitzender FTV). Hintere Reihe v. l.: die Spieler Stephan Raupach, Nino Godyinak, Mahbub Hussain. (Foto: Uwe Zucchi)

09.03.2018

Kassel (lwv): Mit "Inklusion auf dem Fußballplatz - Mehr als ein 1:0" ist erstmals ein im Sport angesiedeltes Projekt zur sozialen Integration psychisch kranker Menschen mit dem Walter-Picard-Preis ausgezeichnet worden. Uwe Brückmann, Landesdirektor des LWV Hessen, übergab den mit 5.000 Euro dotierten Preis am Vormittag im Ständehaus in Kassel an Dr. Ute Müller-Kindleben, stellvertretende Vorsitzende des Frankfurter Turnvereins (FTV) 1860, und Elvira Marburger, Mit-Initiatorin des Frankfurter Fußballprojektes. Dort spielen seit 2012 psychisch kranke Menschen mit Vereinsfußballern zusammen. "Sie holen psychisch kranke Menschen in die Mitte der Vereine, ermöglichen ihnen so gesellschaftliche Teilhabe und zollen ihnen soziale Anerkennung", sagte Brückmann in seiner Laudatio. Er betonte, mit welch weitgefasstem Anspruch das Preisträger-Projekt Inklusion praktiziere. Denn seit einem Jahr spielen auch ehemals suchtkranke Menschen und Bürgerkriegsflüchtlinge in der Mannschaft mit. "Ein nachahmenswertes Beispiel für gelebte Inklusion", so Brückmann.

Hinter "Inklusion auf dem Fußballplatz - Mehr als ein 1:0" steht ein Netzwerk aus mehreren Frankfurter Sportvereinen, Frankfurter Reha-Werkstätten und der Vitos Klinik Bamberger Hof. Ausgangspunkt war, dass ein Team psychisch kranker Sportler, trainiert von dem Sportwissenschaftler Jürgen Medenbach und dem Sozialarbeiter Jan Zwingenberger, dreimal die Deutsche Fußballmeisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen gewonnen hatte. Diese Erfolge ermutigten die Aktiven, den Sprung vom reinen Behindertensport in den regulären Ligabetrieb des hessischen Fußballverbandes zu wagen. Dazu gab es in 2012 eine erste Kooperation mit dem Frankfurter Turnverein 1860, die für mehrere Spielzeiten um den SC Weiss Blau Frankfurt erweitert wurde. 2016 wurde diese Partnerschaft vom SV Sachsenhausen abgelöst.

Seit der Spielzeit 2016/17 sind auch ehemals suchtkranke Menschen der Frankfurter Suchthilfeeinrichtung "Die Fleckenbühler" sowie Bürgerkriegsflüchtlinge und Migranten in die Inklusionsmannschaft einbezogen. Sie kommen aus dem Martinushaus der Frankfurter Diakonie, aus dem Internationalen Familienzentrum Frankfurt und aus der DRK-Flüchtlingseinrichtung in der Ludwig-Landmann-Straße. Zwischen 25 und 30 fußballbegeisterte Menschen mit und ohne psychische Erkrankung trainieren zweimal wöchentlich gemeinsam mit den Seniorenteams des SV Sachsenhausen. Das Team spielt in der Kreisliga A in der Runde der Sondermannschaften des hessischen Fußballverbandes. Das inklusive Fußballprojekt strebt laut Initiator Jürgen Medenbach an, die betreuten Menschen dauerhaft in passende Fußballangebote innerhalb und außerhalb des klassischen Spielbetriebes zu integrieren. Auch die Möglichkeit zur Teilnahme an anderen Angeboten und Aktivitäten in den Vereinen soll weiter ausgebaut werden.

Der Preisträger Inklusion auf dem Fußballplatz - Mehr als ein 1:0 war unter 34 weiteren Vorschlägen von einem Komitee ausgewählt worden, dem Vertreter des LWV und Experten aus der psychiatrischen Praxis angehören.

Der Walter-Picard-Preis wird alle zwei Jahre für besonders nachahmenswertes ehrenamtliches Engagement oder professionelle Projekte in der hessischen Gemeindepsychiatrie vergeben. Er wurde 2001 ins Leben gerufen und ist nach dem am 10. März 2000 verstorbenen Sozialpolitiker Walter Picard aus Offenbach benannt. Picard war einer der Initiatoren der Psychiatrie-Enquête, die ab 1975 maßgeblich zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland beigetragen hat. Picard gehörte dem Bundestag an und war lange Abgeordneter der Verbandsversammlung des LWV. Ihm lag es besonders am Herzen, offene und wohnortnahe Hilfen für psychisch kranke Menschen zu schaffen. Auch für die Stärkung von Selbsthilfe-Projekte setzte sich Picard ein. Der Walter-Picard-Preis wird in diesem Jahr zum neunten Mal vergeben.


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