Dialogmuseum

Helens Geschichte, erlebbar für Sehende

Seit das Dialogmuseum vom Osten Frankfurts an die Hauptwache umgezogen ist, liegt es mitten im Herzen der Stadt und so verkehrsgünstig, wie es besser nicht sein könnte. In neuen Räumen werden die Besucherinnen und Besucher von einem blinden oder sehbehinderten Guide durch die Welt blinder Menschen geführt.

Seinen Guide bekommt man am Anfang nicht zu Gesicht, er oder sie empfängt die Besucher in einem dunklen Vorraum. Nur die Stimme ist präsent, ganz so, wie es in der Welt der Blinden ist. "Hier bin ich", ruft es in die dunkle Stille. Sezen Stearn ist es, die an diesem Tag Gruppen durch den Parcours "Dialog im Dunkeln" im Dialogmuseum Frankfurt begleitet.

Aber wo ist Sezen? "Weiter rechts, die Wand entlang, ja, so ist es gut", ermuntert sie zum Weitergehen in der Finsternis. Gerne führt sie die Besuchergruppen – rund zwei Drittel davon sind Schulklassen – erst durch den Park über die Wackelbrücke am Brunnen vorbei hin zu Helens Wohnung. Helen ist nicht daheim: Sie ist eine erdachte Figur, doch ihre Wohnung fühlt sich ganz real an und verrät viel über ihre fiktive Bewohnerin: eine junge blinde Frau mit Blindenhund und wenig Geld, die mit Brailleleiste ihren Computer bedient und vom Reisen träumt. Erzählt wird Helens Geschichte, eine Geschichte, die für ungezählte andere steht und im Dialogmuseum erlebbar wird für die Sehenden.

Vorstellungskraft gefragt

Sezen Stearn lässt die Besucherinnen und Besucher an der Garderobe das Führgeschirr des Blindenhundes ertasten, leitet weiter in die Küche zum Herd, zum Kühlschrank und zur Küchenwaage, die unermüdlich Grammzahlen ansagt. Bis es selbst der blinden Führerin zu viel wird: "Ich schalt die jetzt aus." Platz nehmen am Küchentisch und Blinden-Dominosteine fühlen ist der Moment zum Innehalten und In-sich-Hineinhorchen. Zu sehen gibt es ja nichts, umso mehr ist Fühlen und Hören gefragt und die eigene Vorstellungskraft.

Steckbrief

Inklusionsbetrieb
Dialogmuseum

  • Gründung: 2005, seitdem rund 930.000 Besucher, zwei Drittel davon Schüler
  • Schließung Standort Hanauer Landstraße: Ende 2018
  • Umzug an den Standort Hauptwache B-Ebene: 2021
  • Wiedereröffnung: 9.9.2021
  • Vermieter: die Stadtwerke Verkehrs­gesellschaft Frankfurt (VGF)
  • Investition: 830.000 Euro/Anteil LWV Hessen Integrationsamt: rund 350.000 Euro
  • Inklusionsbetrieb, Stand November 2021: 16 festangestellte Mitarbeiter, 8 mit Schwerbehinderung
  • Geschäftsführerin: Klara Kletzka
<a id="c10328" class="anchor"></a><div class="csc-default"><h2>Steckbrief</h2><div class="body"><h3> Inklusionsbetrieb<br />Dialogmuseum</h3><ul><li>Gründung: 2005, seitdem rund 930.000 Besucher, zwei Drittel davon Schüler</li><li>Schließung Standort Hanauer Landstraße: Ende 2018</li><li> Umzug an den Standort Hauptwache B-Ebene: 2021</li><li>Wiedereröffnung: 9.9.2021</li><li> Vermieter: die Stadtwerke Verkehrs­gesellschaft Frankfurt (VGF)</li><li>Investition: 830.000 Euro/Anteil LWV Hessen Integrationsamt: rund 350.000 Euro</li><li> Inklusionsbetrieb, Stand November 2021: 16 festangestellte Mitarbeiter, 8 mit Schwerbehinderung</li><li>Geschäftsführerin: Klara Kletzka </li></ul></div></div>

Bildergalerie

Der Eingangsbereich des Dialogmuseums
Neuer Standort des Dialogmuseums: die B-Ebene der Frankfurter Hauptwache. (Fotos: Salome Roessler)Bild vergrößern
Der Eingangsbereich zum
Der Eingangsbereich zum "Dialog im Dunkeln", eine Aussstellung zur Entdeckung des Unsichtbaren.Bild vergrößern
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Guide Sezen Stearn
Bringt Sehenden die Welt blinder Menschen nahe: die erfahrene Guide Sezen Stearn.Bild vergrößern
Geschäftsführerin Klara Kletzka
Geschäftsführerin Klara Kletzka: "Das Thema Inklusion ist mitten in Frankfurt angekommen."Bild vergrößern
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Sinnesstationen im Foyer
Bei den Besucherinnen und Besuchern beliebt: die Sinnestationen im Foyer.Bild vergrößern
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Geschäftsführerin Klara Kletzka am Touchscreen im Foyer
Geschäftsführerin Klara Kletzka am Touchscreen im FoyerBild vergrößern
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Alphabet nach Louis Braille
Tastendes Erspüren: das Alphabet nach dem Erfinder der Blindenschrift, Louis Braille.Bild vergrößern
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Bereitstehende Blindenstöcke
Blindenstöcke helfen den Besuchern, sich den Weg durch den Parocurs "Dialog im Dunkeln" zu erschließen.Bild vergrößern
Die Dunkelbar in Form eines Hufeisens
Die Dunkelbar in Form eines HufeisensBild vergrößern

Stimme als Halt in der totalen Dunkelheit

Einziger Halt in der totalen Dunkelheit: Sezen Stearns Stimme. "Ich finde es schön, dass ich mal die Rolle tauschen und führen kann, wo ich sonst geführt werde", sagt die 40-jährige Mutter eines Kindes nach der Führung beim Glas Apfelsaft in der "Dunkelbar". Doch zuvor gilt es, eine Straße an der Ampel zu überqueren, eine Runde mit dem Ebbelwoi-Express zu "fahren" und nicht über einen E-Roller zu stolpern. Unzählige unsichtbare Hindernisse säumen den Weg. Die Stunde mit Sezen in ihrer Welt der Dunkelheit vergeht wie im Flug.

Ausstellung mit Innovationen

Die lange Phase seit der Schließung haben Geschäftsführerin Klara Kletzka und ihr Team genutzt, um frischen Wind in die Ausstellung und das Museum zu bringen. Nicht nur der Rundgang lädt Besucher ein. Workshops zum Teambuilding sind von Unternehmen gefragt, genauso wie der Event zum Kindergeburtstag. Zudem ist Kletzka stolz auf Innovationen wie den Touchscreen im Eingangsraum des Museums. Der kommt vor allem bei den Jugendlichen gut an: Hier kann man ein Selfie machen und gleich teilen. Auch das Gästebuch ist digital. Am Ende der Führung tippen die Besucher am Touchscreen einen Kommentar ein oder diktieren ins Mikrofon.

Typische Frankfurt-Geräusche

Neben den "Sinnesstationen" im Foyer, an denen es Unbekanntes zu ertasten gibt, lädt das Museum in den Klangraum ein: 13 Minuten Entspannung bei eigens komponierten Klängen, typische Frankfurt-Geräusche wie Stadtgeläut, Flughafen und Zoo, gemixt mit elektronischer Musik. Die Klanginstallation ist aus einer Kooperation mit dem neuen Museum of Modern Electronic Music (MOMEM) entstanden, das in direkter Nachbarschaft zum Dialogmuseum seinen Standort hat.

Weil der "Dialog im Dunkeln" so viel Neues zu bieten hat, kommen auch wieder viele Besucher, die noch das alte Museum kennen.

Angebote & Kontakt

  • Dialog im Dunkeln: Führung in kleinen Gruppen mit einem blinden oder sehbehinderten Guide durch einen lichtlosen Parcours mit wechselnden Themenräumen
  • Klangraum: Surroundsound-Installation mit Geräuschen der Stadt und elektronischer Musik
  • Sinnesstationen: Wahrnehmen mit Händen, Nase und Ohren
  • Explorestation: Quiz – bist Du ein unsichtbarer Freund? Quiz 2 - wie empathisch bist du?
  • Sharing-Station: Netzwerken und Selfie teilen
  • Workshops
  • Kindergeburtstage
  • Adresse & Kontakt:
    An der Hauptwache
    B-Ebene
    Passage 10: Rolltreppe Roßmarkt
    60313 Frankfurt am Main
    Telefon 069 999 9995 - 30
    info@dialogmuseum.de
    www.dialogmuseum.de